Potenzielle Ursachen von Nervenschädigungen

Neben einer Diabetes-Erkrankung, Nervenverletzungen, Alkoholmissbrauch, Autoimmunerkrankungen und einem Mangel an B-Vitaminen gibt es noch zahlreiche andere Faktoren, die die Ursache für Nervenschädigungen sein können. Nicht zuletzt können auch psychische Ursachen dahinter stecken.

Frau tastet Schilddrüse ab wegen möglicher Ursache für Nervenschädigung
Viele Menschen leiden unter Schilddrüsenerkrankungen, wissen aber nicht, dass diese sich auch auf die Nerven auswirken können.

Mechanische Ursachen

Neben Nervenverletzungen, bei denen Nerven durchtrennt werden können, kann eine Nervenschädigung auch ganz simpel aufgrund von Platzmangel hervorgerufen werden. Dies tritt vor allem an natürlichen Engstellen des Körpers, beispielsweise an Gelenken, auf. Aber auch ein Bandscheibenvorfall kann Nerven mit hohem Druck belasten, sodass sie Schaden nehmen.

Nerven sind auch dann hohem Druck ausgesetzt, wenn anderes Gewebe viel Platz beansprucht, beispielsweise während einer Schwangerschaft oder aufgrund eines wachsenden Tumors.

In allen Fällen werden die Nerven gequetscht oder eventuell sogar eingeklemmt, was zu Schmerzen und anderen typischen Symptomen führen kann (Lähmungserscheinungen, Empfindungsstörungen, Bewegungseinschränkungen).

Gefäßerkrankungen als Ursache

Vor allem Polyneuropathien können aus Durchblutungsstörungen entstehen, wenn die Nerven dadurch nicht ausreichend mit Blut und somit mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Ein bekanntes Beispiel ist die periphere arterielle Verschlusskrankheit, bei der die Blutgefäße aufgrund von Ablagerungen verengt sind. Umgangssprachlich wird diese Krankheit häufig auch als Schaufensterkrankheit bezeichnet. Dieser Name kommt daher, dass die Patienten aufgrund von verengten Blutgefäßen in den Beinen Schmerzen beim Gehen haben und daher häufig stehen bleiben. Meist geschieht dies vor Geschäften zur Tarnung der Krankheit.
Blutgefäße können sich auch entzünden. Dies kann ebenfalls eine eingeschränkte Versorgung der Nerven mit Sauerstoff und Nährstoffen bedeuten, sodass diese in ihrer Funktionalität eingeschränkt sind.

Viren und Bakterien können unsere Nerven angreifen

Vor allem Vertreter der Herpes-Viren können Nervenschädigungen auslösen:
Herpes simplex Typ1 (Gesichtsherpes) und Typ2 (Genitalherpes), Varizella zoster (Windpocken), Zytomegalie-Virus (Zytomegalie) und Eppstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber).
Aber auch bei HIV-positiven Patienten sind Nervenschädigungen keine Seltenheit: Bis zu 50% der Erkrankten leiden unter Symptomen wie beispielsweise Lähmungserscheinungen oder Empfindungsstörungen.

Weitere Viren mit dem Potenzial, eine Nervenschädigung auszulösen, sind:

  • Das Grippe-Virus
  • Hepatitis A- und C-Viren
  • Die Paramyxoviren, die Masern oder Mumps auslösen

Im Bereich der Bakterien lassen sich ebenfalls Ursachen für Nervenschädigungen aufspüren:
Borrelien (zum Beispiel Lyme-Borreliose nach einem Zeckenstich), die Erreger der Diphtherie (Corynebakterium diphteriae) und der Lepra (Mykobakterium leprae) sowie bestimmte Arten der Salmonellen.

Darüber hinaus können auch Parasiten Schädigungen in unserem Nervensystem hervorrufen. Allen voran seien Plasmodien, die Auslöser von Malaria, genannt.

Stoffwechselerkrankungen als Ursache

Die Schilddrüse ist ein wichtiges Regulationsinstrument des menschlichen Stoffwechsels. Liegt eine Hypothyreose, also eine Schilddrüsenunterfunktion vor, verlangsamt sich der Stoffwechsel und Zuckermoleküle sowie Zuckerabbauprodukte können sich in den Blutgefäßen oder direkt im Nervengewebe ablagern und die Nerven schädigen (siehe Diabetes als Ursache von Nervenschädigungen).
Nicht nur Diabetes, auch andere Stoffwechselkrankheiten können negativen Einfluss auf die Gesundheit und Funktionalität unserer Nerven haben. Leiden Patienten beispielsweise unter einem Funktionsverlust der Nieren, kann die eingeschränkte Filterfunktion zu einer Erhöhung des Blutkreatininspiegels führen. Liegt dieser dauerhaft über einem Wert von 5mg/dl, ist eine Schädigung der Nerven wahrscheinlich, da sich Kreatinin ablagert.

Der Einfluss der Psyche – Schmerzgedächtnis

Die Psyche an sich kann zwar keine Nervenschädigung auslösen, aber sie hat großen Einfluss darauf, wie stark wir die Schmerzen wahrnehmen, die durch die Nervenschädigungen ausgelöst werden. Experten sprechen vom Schmerzgedächtnis. Dies bedeutet, dass wir uns an den Schmerz erinnern und ihn unter Umständen auch dann noch fühlen, wenn die eigentliche Ursache dafür gar nicht mehr vorhanden ist. Dieses Phänomen wird häufig bei einem Bandscheibenvorfall beobachtet: Auch wenn der Druck auf den eingeklemmten Nerv bereits längst behoben wurde, können manche Patienten immer noch nicht ohne Schmerzmittel auskommen, da der Schmerz chronisch geworden ist und auch ohne Reiz Schmerzsignale ans Gehirn gesendet werden.