Antworten auf die häufigsten Fragen zur Faszienbehandlung:
Wann ist eine Faszienbehandlung nötig?

Das Gewebe, das die Muskeln umfasst (Faszien), gibt dem Körper zusätzlichen Halt, kann aber leider als Folge
von fehlender Bewegung oder Stress verkleben – und so Schmerzen hervorrufen. Dann ist eine spezielle Therapie der Faszien notwendig. 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Patienten können mithilfe des Fasziendistorsionsmodell, durch die Methode des Rolfing,
spezielle Bewegungen oder den Einsatz von Medikamenten Linderung erzielen.

Wo können sich Betroffene behandeln lassen?

In der Regel führen Osteopathen, Physio- oder Ergotherapeuten eine Faszientherapie durch.

Wozu dient eine Faszienbehandlung?


Faszien – das weißlich-durchsichtige Bindegewebe – hat vielfältige Aufgaben. Es umschließt Organe, Knochen, Muskeln sowie einzelne Muskelstränge. Außerdem gibt es dem Körper Halt und Form. Bei Fehlbelastungen, zu wenig Bewegung oder Stress können die Faszien jedoch Schaden nehmen und beispielsweise verkleben – das gilt als eine mögliche Ursache von beispielweise Rückenschmerzen. Auch bestimmte Arten von Rückenschmerzen, für die bisher keine Auslöser gefunden werden konnte (unspezifische Beschwerden), sollen auf verklebte oder verdrehte Faszien zurückzuführen sein.

In dem Fall kann eine gezielte Faszienbehandlung Abhilfe schaffen. Geläufig sind vor allem folgende Methoden:

Der Erfolg dieser Behandlungen ist wissenschaftlich noch nicht einwandfrei belegt, es handelt sich bei der Faszientherapie um ein vergleichsweise junges Forschungsgebiet. Erfahrungsberichte von Therapeuten und Patienten stimmen allerdings positiv, dass sich vor allem unspezifische Rückenschmerzen durch eine Faszientherapie lindern lassen.

Anwender müssen aber geduldig sein: Da es einige Zeit dauert, bis der Körper das Kollagen, aus dem das Fasziengewebe besteht, neu gebildet hat, zeigen sich Erfolge oft erst nach mehreren Monaten. Manche Anwendungen können jedoch verklebte Faszien im gewissen Maße lösen, sodass eine Linderung der Beschwerden mitunter bereits nach einigen Behandlungssitzungen eintritt. Längerfristig sollten Betroffene auf genügend Bewegung achten, damit die Faszien flexibel bleiben und nicht erneut verkleben.

Rolfing: Faszienbehandlung soll den Körper ins Gleichgewicht bringen


Die Methode ist nach seiner Entwicklerin, der amerikanischen Biochemikerin Ida Rolf benannt und gehört als Bindegewebsmassage zu den Manualtherapien. Mitunter wird diese Form der Faszienbehandlung auch als strukturelle Integration bezeichnet. Die theoretische Grundlage des Rolfings beruht auf der Annahme, dass sich das Fasziengewebe verformen oder verschieben kann. Der Körper muss sich daraufhin stärker anstrengen, um das auszugleichen und der Schwerkraft zu widerstehen. Das kann wiederum zu Verspannungen im gesamten Körper und zu Beschwerden wie Rückenschmerzen führen. Dies gilt es, mithilfe der Faszientherapie, zu beheben oder vorbeugend zu vermeiden.

Im Falle des Rolfings soll langsamer Druck auf das Bindegewebe – ausgelöst durch bestimmte Massagegriffe oder -technikenVerspannungen und Verhärtungen lösen. Ergänzend kann ein Haltungs- und Bewegungstraining erfolgen. Ziel ist, dass sich dadurch die allgemeine Körperhaltung sowie die Beweglichkeit verbessern – der Körper soll wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Bewegungen verlaufen so idealerweise geschmeidiger und schädigende, schmerzauslösende Bewegungsabläufe verschwinden.

Primär wird das Rolfing von einem Therapeuten im Rahmen einer Behandlungssitzung durchgeführt. Dieser kann jedoch ergänzend für zu Hause auch leichte Einheiten zur Selbstbehandlung zeigen. Das Gefühl, selbst aktiv gegen den Schmerz etwas unternehmen zu können, zeigt nicht selten einen positiven Effekt auf die Linderung der Beschwerden.

Eine Frau rollt beim Faszien-Training mit ihrem Rücken über eine Faszienrolle

Faszientherapie mit dem Fasziendistorsionsmodell


Entwickler dieser Methode der Faszienbehandlung ist der amerikanische Notfallmediziner und Osteopath Dr. Stephen Typaldos. Das Fasziendistorsionsmodell (FDM) geht davon aus, dass sogenannte Distorsionen im Sinne von Verrenkungen oder Verdrehungen in den Faszien zu verschiedenen Beschwerden führen können, darunter auch zu

  • Rückenschmerzen,
  • Knieschmerzen oder
  • Einschränkungen in der Beweglichkeit.

Typaldos konnte durch Beobachtung seiner Patienten sechs charakteristische Arten ausmachen, wie sie ihre Beschwerden beschreiben. Er hat daraus sechs verschiedene Formen der Fasziendistorsionen abgeleitet, die jeweils mithilfe anderer Techniken behandelt werden:

  • Triggerband: Verdrehungen oder Aufspaltungen der Faszien
  • Kontinuumdistorsion: Störungen der Übergangszone zwischen Faszie und Knochen
  • hernierter Triggerpunkt: Vorwölbung von Gewebe, die sich aus einer tieferen Gewebsschicht durch die aufliegende Faszienschicht hervorhebt
  • Zylinderdistorsion: „verhakte“, zirkuläre Spiralwindungen der oberflächlichen Faszien
  • Faltdistorsion: Störung der gelenkumschließenden Faszien
  • tektonische Fixation: Verminderung der Gleitfähigkeit einer Faszienfläche

Zum Einsatz kommen häufig speziell an die Art der Fasziendistorsion angepasste Handgriffe durch den jeweiligen Therapeuten.

Sport und Bewegung als Faszientherapie


Zu wenig Bewegung im Alltag oder starre Bewegungsabläufe – wie beispielsweise langes Arbeiten im Sitzen vor dem Computer, bei dem die Hand gleichförmig über der Tastatur oder der Maus geführt wird – können die Faszien verkleben und verhärten lassen. Daher ist es nicht überraschend, dass regelmäßiger Sport mitunter dazu beiträgt, die Faszien wieder geschmeidiger zu machen. Langfristig sollen auf diese Weise sogar Rückenschmerzen in den Griff zu bekommen sein.

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Federnde und dynamische Bewegungen (beispielsweise Nordic Walking oder Schwimmen) gelten als vorteilhafter für die Faszien, ebenso wie Dehnübungen (zum Beispiel in Form von Yoga oder Pilates). Weniger geeignet sind dagegen monotone Sportübungen, wie Kraftübungen.

Ebenfalls im Gespräch ist spezielles Training mit der Faszienrolle. Diese Übungen dienen dazu, verklebte Faszien wieder zu lösen und können zu Hause durchgeführt werden. Im Idealfall erfolgt vorher die Einweisung durch einen Fachmann.

Welcher Experte führt eine Faszienbehandlung durch?


Wer seine Rückenschmerzen lindern möchte, sollte vorab einen Arzt aufsuchen. Er kann den möglichen Ursachen für die Beschwerden auf den Grund gehen. Sind die Rückenschmerzen unspezifisch, das heißt auf keine Verletzung oder ähnliches zurückzuführen, kann eine professionelle Faszienbehandlung eine Option sein. Geeignet für die Therapie sind hierfür zum Beispiel:

Zudem ist es sinnvoll, bei der Auswahl des Therapeuten auf eine Zusatzausbildung zur Faszientherapie zu achten. So lässt sich sicherstellen, dass der Therapeut die jeweiligen Maßnahmen und Anwendungen fachkundig sowie professionell durchführt. Die Kosten für die Behandlung müssen die Patienten in der Regel selbst tragen. Einige Krankenkassen übernehmen jedoch inzwischen zum Teil Kosten für alternative Behandlungsansätze, im Zweifel kann daher direkt bei der eigenen Krankenkasse nachgefragt werden. Krankenkassen sehen Sportkurse außerdem als Präventivmaßnahme und erstatten daher mitunter oder teilweise die Gebühren.

Medikamente zur Faszienbehandlung


Beim Stichwort Therapie denken viele Patienten häufig – neben Bewegungsbehandlungen – auch an medikamentöse Maßnahmen. Besonders im akuten Schmerzfall ist der Wunsch nach schneller Linderung groß. Hier kann beispielsweise auf Ibuprofen oder Paracetamol zurückgegriffen werden. Diese Mittel hemmen die Bildung von Botenstoffen, die ansonsten das Schmerzsignal an das Gehirn übermitteln. Lassen Sie sich diesbezüglich individuell vom Apotheker Ihres Vertrauens beraten. Wichtig ist zu beachten, dass Schmerzmittel nicht das ursprüngliche Problem, also die Verklebungen der Faszien und der damit einhergehenden Verspannungen, lösen.

Es gibt jedoch auch Arzneien, die den Körper zusätzlich mit Mineralien versorgen, um die Faszien flexibel sowie die Sehnen und Bänder elastisch zu halten. Diese meist homöopathischen Mittel können nachhaltig auf den Stütz- und Bewegungsapparat wirken, vor allem bei chronischen Schmerzen.

Zu den mineralischen Wirkstoffen, die zum Einsatz kommen, gehören mitunter:

  • Kieselsäure (Acidum silicicum)
  • Calciumfluorid (Calcium fluoratum)
  • Zink (Zincum metallicum)

Diese alternativen Arzneien bieten gegenüber herkömmlichen Schmerzmitteln den Vorteil, dass sie in der Regel gut vertragen werden.

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Carolin Stollberg Schreiben ist ihre Leidenschaft – und das am liebsten über Themen, die die Menschen wirklich bewegen. Nachdem sich Carolin Stollberg in ihrem Studium der Germanistik alle Instrumente angeeignet hat, die sie für das Schreiben guter Texte benötigt, konnte sie sich voll und ganz Ihren Interessensschwerpunkten widmen: Gesundheit und Medizin. Seit Juli 2018 schreibt sie mit Hingabe und Sorgfalt für kanyo®. Carolin Stollberg Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
Quellen anzeigen
  • 1Brecklinghaus, Hans Georg: Rolfing – Strukturelle Integration für Kinder und Jugendliche. Gundelfingen: Lebenhaus Verlag 2005. S.13.
  • 2Igel, Raimond: Das Fasziendistorsionsmodell (nach Typaldos): Die 6 Störungen und deren Behandlung. Stuttgart: Karl F. Haug Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG. In: DO – Deutsche Zeitschrift für Osteopathie 2014; 4: S. 21–25. URL: https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/html/10.1055/s-0034-1383009#N68120 - Stand 25.05.2020