Selbsttest: Nerven oder Rückenschmerzen

Sind die Rückenbeschwerden vor allem im unteren Rückenbereich lokalisiert?

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Wie haben die Schmerzen begonnen?

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Üben Sie eine vorwiegend einseitige Tätigkeit aus (langes Stehen, viel Sitzen)?

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Müssen Sie beruflich oder privat häufig sehr schwere Gegenstände tragen oder heben?

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Haben oder hatten Sie mindestens eine der folgenden Erkrankungen: Schlaganfall, Diabetes mellitus, Multiple Sklerose, Gürtelrose, Tumorerkrankung, Alkoholerkrankung, Borreliose?

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Fühlen sich die Schmerzen im Rücken brennend, kribbelnd, pochend oder stechend an?

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Strahlen die Rückenschmerzen auch in andere Körperregionen aus?

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Haben Sie Missempfindungen wie Kribbeln („Ameisenlaufen“) und Taubheitsgefühl in den Gliedmaßen?

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Reagiert Ihre Haut überempfindlich oder ungewöhnlich unempfindlich auf verschiedene Reize wie Wärme, Kälte, Druck oder Berührungen?

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Haben Sie oft Wadenkrämpfe oder leiden Sie an einer Muskelschwäche?

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Achtung: Der Test und die daraus entstehenden Ergebnisse können eine ärztliche Untersuchung oder Diagnose nicht ersetzen – die abgefragten Fakten geben lediglich Hinweise darüber, ob hinter den Rückenschmerzen eine Nervenschädigung oder eine andere Ursache stecken könnte. Bei anhaltenden, starken oder zunehmenden Beschwerden sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Neuropathischer Schmerz


Etwa sechs Prozent aller Menschen in Deutschland leiden an Nervenschmerzen, die in der Fachsprache auch als neuropathische Schmerzen bezeichnet werden und meist chronisch sind.1 Sie beruhen auf einer Schädigung von „Gefühlsfasern“ des Nervensystems und unterscheiden sich grundlegend von anderen Schmerzarten. Denn währen die Nerven bei einer Prellung oder Verstauchung nur als Übermittler der Schmerzsignale dienen, verursachen sie bei neuropathischen Schmerzen selbst die Beschwerden.2

Wie können Nervenschädigungen im Bereich des Rückens entstehen?

Nervenschädigungen können aufgrund von eingeklemmten oder gequetschten Nerven entstehen. Mögliche Ursachen für derartige Nervenschädigungen könnten ein Bandscheibenvorfall oder Tumore im Bereich der Wirbelsäule sein. Auch Ischiasbeschwerden können hinter dieser Art von Rückenschmerzen stecken.

Neben Verletzungen oder dem Einquetschen von Nerven können auch Infektionen, Mangelernährungen (vor allem in Bezug auf Vitamin B12) oder Primärerkrankungen wie Diabetes mellitus Nervenschädigungen verursachen. In letztem Fall werden besonders häufig die Nerven in den Beinen geschädigt, sodass die Patienten beispielsweise unter Schmerzen beim Gehen leiden.

Nozizeptiver Schmerz


Der nozizeptive Schmerz ist der „normale“ Schmerz, mit dem der Körper auf jegliche Art von Schmerzreiz reagiert. Dies sind beispielweise

  • Verbrennungen,
  • Überdehnungen,
  • Verletzungen oder
  • Entzündungen.

Die Nozizeptoren, also die Schmerzrezeptoren, nehmen den Reiz auf und leiten ihn über die peripheren und zentralen Nervenbahnen an das Gehirn weiter. Arthroseschmerzen, Rückenschmerzen oder auch Schmerzen nach einer Operation sind typische Beispiele für diese Schmerzart.

Man kann nozizeptive Schmerzen aufgrund ihrer Herkunft in zwei Klassen unterteilen:

  • Somatische Schmerzen haben ihren Ursprung in den Knochen, im Bindegewebe, der Haut, den Muskeln oder den Gelenken.
  • Viszerale Schmerzen (Eingeweideschmerz) gehen von den inneren Organen aus (zum Beispiel bei Koliken oder Darmkrämpfen).

Mischformen aus neuropathischem und nozizeptivem Schmerz möglich:

Nicht immer lässt sich klar zwischen neuropathischen und nozizeptiven Schmerzen unterscheiden. Beispielweise können bei einem Tumor Nervengewebe beschädigt und gleichzeitig intakte Nozizeptoren erregt werden.3

Psychosomatischer Schmerz


Eine wesentliche Rolle bei der Schmerzwahrnehmung spielt die Psyche: Seelische Belastungen, Depressionen oder Stress können unser Schmerzempfinden erhöhen oder Verspannungen auslösen, die dann zu Rückenschmerzen führen.

Aufgrund dieses Zusammenhangs wird vor allem bei chronischen Rückenschmerzen vermehrt auf eine multimodale Therapie gesetzt, die neben der Behandlung von körperlichen Ursachen auch den seelischen Zustand von Patienten berücksichtigt.

Akute und chronische Schmerzen


Neben der Ursache werden Schmerzen häufig auch nach Ihrer Dauer charakterisiert. So wird zwischen einer akuten und chronischen Form unterschieden:

Akute Schmerzen

  • halten nur kurzfristig an
  • besitzen eine Signal- und Schutzfunktion
  • werden meist durch äußere Verletzungen oder innere Gewebeschädigungen ausgelöst

Chronische Schmerzen

  • sind langanhaltend oder wiederkehrend
  • haben meist keine Warnfunktion
  • sind oft auf komplexere Ursachen zurückzuführen (zum Beispiel rheumatische Leiden, diabetische Neuropathien)

Ein akuter Schmerz tritt sehr plötzlich, zum Beispiel aufgrund einer Prellung, Schnittwunde oder Entzündung auf. Er ist eine Art Warnsignal, das uns mitteilen soll, das etwas nicht stimmt. Typisch für den akuten Schmerz ist, dass er nur kurzfristig anhält und oftmals wieder verschwunden ist, bevor die Wunde an unserem Körper vollständig verheilt ist.

Es kann jedoch auch passieren, dass er bestehen bleibt, auch wenn keine Ursache mehr dafür vorhanden ist. Leiden Betroffene über einen längeren Zeitraum an Rückenschmerzen, so kann sich der Körper den Auslöser merken und reagiert zukünftig bereits bei minimalsten Reizen mit einer massiven Schmerzweiterleitung.

Dies kann sogar so weit gehen, dass selbst ohne Reiz Signale gesendet werden – der Schmerz ist chronisch geworden. Diese Gefahr besteht vor allem immer dann, wenn er nicht rechtzeitig behandelt wird. Ärzte sprechen dann vom chronischen Schmerzsyndrom.

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an chronischen Erkrankungen (wie zum Beispiel rheumatische Erkrankungen oder Neuropathien), die für die langanhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden verantwortlich sind.

Wenn der Schmerz in Attacken kommt

Tritt der Schmerz nicht chronisch, sondern regelmäßig wiederkehrend auf, handelt es sich um einen Attackenschmerz. Das ist beispielweise bei Migräne der Fall.

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Miriam Och Aufgewachsen in einer Familie aus Krankenschwestern und Journalisten, interessierte sich Miriam Och bereits sehr früh für die Themen Medizin und Medien. Nach verschiedenen Praktika im journalistischen Bereich – unter anderem bei der Deutschen Welle in Washington D.C. – absolvierte sie erfolgreich ihr Masterstudium Kommunikationswissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg. Seit 2017 arbeitet sie als Medizinredakteurin bei kanyo®, wo sie ihre beiden Leidenschaften optimal miteinander verknüpfen kann. Miriam Och Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin kanyo® mehr erfahren
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