Nervenentzündung – kurz und knapp

  • Eine Nervenentzündung (medizinisch Neuritis genannt) kann grundsätzlich alle Nerven im Körper treffen – auch die des zentralen Nervensystems.
  • Zu den charakteristischen Anzeichen gehören stechende Nervenschmerzen, Missempfindungen und Taubheitsgefühle.
  • Mögliche Ursachen sind unter anderem Infektionen mit Erregern, ebenso bestimmte Medikamente und Alkohol.
  • Bei der Behandlung kommen zum Beispiel schmerzlindernde Medikamente zum Einsatz.

Um Nervenschmerzen vorzubeugen, sollten Sie auf eine gesunde Lebensweise – mit wenig Stress, Alkohol, ausreichend Erholung und Sport – achten.

Symptome einer Nervenentzündung


Unsere Nerven reagieren sehr empfindlich. Werden sie gereizt oder entzünden sie sich, können verschiedene Beschwerden auftreten. Das ist auch abhängig davon, welcher Nerv betroffen ist. Unter anderem können folgende Symptome auf eine Neuritis hinweisen:

  • Missempfindungen, Gefühlsstörungen (zum Beispiel Kribbeln) und Taubheitsgefühle
  • Einschränkungen in der Feinmotorik (beispielsweise beim Zugreifen)
  • elektrisierende Schmerzempfindungen („einschießender“, stechender Schmerz)
  • Muskelschwäche (Kraftlosigkeit zum Beispiel in den Händen) sowie Lähmungserscheinungen
  • Durchblutungsstörungen (weiße, blutleere Fingern)
  • übermäßige Schweißausbrüche (am gesamten Körper oder an einzelnen Körperstellen)

Anhand der genannten Symptome lässt sich bereits erkennen, dass das Spektrum der Beschwerden – je nachdem, welcher Nerv entzündet ist – breit gefächert sein kann und von leichten Empfindungsstörungen bis zu ganzen Ausfällen von Körperfunktionen reicht.

Ein Beispiel: Bei einem Karpaltunnel-Syndrom wird mechanischer Druck auf den mittleren Handnerv (Nervus medianus) ausgeübt, wodurch eine Entzündung entstehen kann. Die Folgen sind häufig Lähmungserscheinungen und Schmerzen, die bis in den Arm reichen können.

Gut zu wissen: 

Das medizinische Fachwort für Nervenschmerzen lautet Neuralgie oder neuropathische Schmerzen. Diese können durch Entzündungen der Nerven, aber genauso bei Verletzungen nach einem Unfall oder einer neurologischen Erkrankung wie Multiple Sklerose auftreten.

Neuritis Was sind die Ursachen?


Eine Neuritis entsteht durch eine Reizung und letztendlichen Entzündung der peripheren Nerven oder Hirnnerven. Doch wie kommt es dazu? Als typische Auslöser einer Nervenentzündung gelten folgende Faktoren:

Des Weiteren ist eine Hauptursache mechanischer Druck auf den Nerv, wodurch sich dieser entzündet. Dies geschieht vor allem bei einem Bandscheibenvorfall, Tumoren oder dem Karpaltunnelsyndrom.

Welche Erkrankungen können Nervenschmerzen und Co. hervorrufen?

Schmerzen der Nerven sollten Sie bitte immer ernstnehmen, da sich dahinter auch andere Krankheiten verbergen können, die es zu behandeln gilt. Dazu zählen zum Beispiel:

Nervenentzündung: Wie der Arzt die Diagnose stellt


Wenn Sie unter Missempfindungen, Taubheitsgefühle und Schmerzen leiden, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Bei einem solchen Anliegen ist der Hausarzt eine gute erste Anlaufstelle. Er kann Sie dann bei Verdacht auf eine entzündliche Nervenschädigung an einen Neurologen verweisen. Dies ist ein Facharzt auf dem Gebiet der Neurologie, also des gesamten Nervensystems.

Die Wahl der Tests trifft der behandelnde Arzt nach den Angaben, die in der vorherigen Befragung (Anamnese) vom Patienten gemacht wurden. Der Mediziner möchte hier vor allem wissen, wann und wo genau die Beschwerden auftreten, wie lange diese schon bestehen (hier ist ein zuvor erstelltes „Schmerztagebuch“ hilfreich) und ob es Vorerkrankung bei einem selbst oder in der Familie gab. Wenn diese Fragen geklärt sind, ist eine Fokussierung auf bestimmte Tests möglich und es muss nicht unbedingt das ganze Repertoire an Nervenüberprüfungen durchgeführt werden.

Im Rahmen der neurologischen Untersuchungen werden verschiedene Überprüfungstests durchgeführt. Diese sind abhängig vom jeweiligen „Symptom-Herd“, also wo die Beschwerden auftreten.

Überprüft werden insbesondere die:

  • Sinneswahrnehmungen: Dazu gehören Hör-, Seh-, Riech- und Geschmackstests. Beispiel: Patient riecht an speziellen Substanzen wie Zimt oder Kaffee.
  • Mimik und Augenbewegung: Der Untersuchte soll bestimmte Bewegungen vollziehen. Beispiel: Dabei ist mit den Augen einem Objekt zu folgen oder eine Grimasse zu ziehen.
  • Motorische Fähigkeiten: Der Mediziner prüft die Motorik, Koordination und Reflexe. Beispiel: Er schlägt mit einem kleinen Reflexhammer vorsichtig auf eine Sehne, woraufhin eine Reaktion in Form einer Muskelkontraktion folgen sollte.
  • Sonstige Körperfunktionen: Hier beobachtet der Arzt den Herzschlag, die Atmung, Schweißproduktion und Verdauung. Beispiel: Mit einem Stethoskop werden Herz- und Atemgeräusche abgehört.

Bei Verdacht auf eine Nervenentzündung besteht des Weiteren die Option, das Blut auf Erreger hin zu untersuchen. In eher selten Fällen wird Liquor (Gehirn- beziehungsweise Rückenmarksflüssigkeit) über eine Lumbalpunktion im Lendenbereich entnommen und im Labor überprüft. Dies geschieht bei Verdacht auf eine chronische Erkrankung wie Multiple Sklerose.

Das bildgegebene Verfahren der Magnetresonanztomographie (MRT) zeigt die Entzündungsherde im zentralen Nervensystem. Die Messung der Nervengeschwindigkeit via Elektroneurographie gehört ebenfalls zu den Untersuchungsmöglichkeiten eines Neurologen. Bei einer Schädigung der Myelinscheiden erfolgt eine Verlangsamung der weitergeleiteten Befehle.

Gut zu wissen: Die Myelinscheide ist eine Art spiralförmige Schutzschicht, welche die Nervenzelle umgibt und elektronisch isoliert. Das Myelin ermöglicht eine Steigerung der Nervenleitgeschwindigkeit: Myelisierte Fasern sind von Schnürringen „unterbrochen“. Die Signale durchlaufen nicht die gesamte Nervenzelle, sondern springen quasi von Schnürring zu Schnürring und sparen sich so Streckenabschnitte auf dem Weg zur Signal weitergebenen Synapse. Der medizinische Fachbegriff hierfür lautet saltatorische Erregungsweiterleitung.

Neuritis-Behandlung: Das macht der Arzt


Wenn der Arzt eine Nervenentzündung diagnostiziert, wird er mit Ihnen die Möglichkeiten der Behandlung besprechen. Denn die weitere Therapie wird an die jeweilige Ursache angepasst. Um sich ausreichend auskurieren zu können, stellt der Mediziner eine Krankschreibung aus.

Wie lange krankgeschrieben?

Um sich ausreichend auskurieren zu können, stellt der Mediziner eine Krankschreibung aus. Die Frage zur Dauer der Krankschreibung bei Nervenentzündungen lässt sich jedoch so pauschal nicht beantworten, da die Zeit abhängig von der Ursache und der Stärke der Entzündung ist. Zudem kommt noch die Komponente der Berufseinschränkung dazu. Letztendlich liegt die Entscheidung über die Dauer beim behandelnden Arzt.

Infektionen therapieren

Können Erreger wie Viren oder Bakterien für die Entzündung der Nerven verantwortlich gemacht werden, erfolgt die Behandlung mit der entsprechenden Medikation. Gegen bakterielle Infektionen verschreibt der Mediziner oftmals Antibiotika. Bei einem Virenbefall ist dieses Medikament jedoch wirkungslos, hier kommen antivirale Arzneien zum Einsatz. Ansonsten werden auch noch entzündungshemmende Mittel verordnet.

Schmerzmittel

Bei der Schmerzbehandlung (Analgetika-Therapie) unterscheiden medizinische Fachleute zwischen zwei Schmerzmittelarten: Nicht-Opioid- und Opioid-Analgetika.

Unter Ersterem versteht man „einfache“ Schmerzmittel mit Wirkstoffen wie Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol oder Ibuprofen. Sie senken die Erregbarkeit der Nervenrezeptoren, wodurch der Schmerz gelindert wird. Sie sind zwar rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, die Absprache mit Ihrem Arzt oder Apotheker ist dennoch empfehlenswert.

Bei schweren und akuten Schmerzen kommen nicht-rezeptfreie Opioide zum Einsatz, die im zentralen Nervensystem wirken. Sie docken an sogenannte Opioid-Rezeptoren an und hemmen so die Nervenzellen an der Schmerzweiterleitung. Bei der Behandlung der Schmerzen mit Opioiden wird ein körpereigener Prozess genutzt: Der Körper bildet bei unerträglichem Schmerz kurzfristig selbst Opioide – diese sind besser unter der Bezeichnung Endorphine bekannt.

„Opioide? Birgt das nicht eine Suchtgefahr?“ Besorgten Schmerzpatienten sei hier gesagt – Nein, Opioide machen, wenn sie der ärztlichen Vorgabe entsprechend genommen werden, nicht im „klassischen“ Sinne süchtig. Bei längerer Einnahme zur Behandlung von chronischen Schmerzen kann es zwar zu einer körperlichen Gewöhnung kommen, die sich aber durch ärztlich kontrolliertes Ausschleichen des Medikaments abbauen lässt. Ihr behandelnder Mediziner wird Sie über die korrekte Einnahme informieren.

Von außen können Pflaster oder Salben mit einem Lokalanästhetikum (lokal betäubend wirkendes Mittel) vor allem Schmerzen unmittelbar unter der Haut lindern. Ein häufig enthaltener Wirkstoff ist beispielswiese Lidocain.

Medikamentenaustausch

Teil der Behandlung ist auch die durch den Arzt kontrollierte Absetzung beziehungsweise Ersetzung von Medikamenten, die als Nebenwirkung zu einer Nervenentzündung führen. Einige Wirkstoffe in „Säureblockern“ gegen Sodbrennen verringern zum Beispiel die im Darm stattfindende Freisetzung von Vitamin B12 aus der Nahrung. Und ein Mangel des Vitamins hat leider zur Konsequenz, dass die Bildung der Schutzhülle um die Nerven (Myelinscheide) gestört ist. In diesem Falle wäre die Signalübertragung fehlerhaft und der Nerv schutzlos Reizungen ausgesetzt. Der Mediziner wird Ihnen deshalb eine Alternative heraussuchen.

Alkoholreduktion

Das Molekül Ethanol im Alkohol und dessen Abbauprodukte sind regelrecht Gift für die Nervenzellen. Sie stören die Neurotransmitter, Substanzen, die Reize von einer Nervenzelle zur nächsten weitergeben. Unter Alkohol kommt es zu einer falschen oder verfälschten Informationsübertragung. Wenn eine chronische Belastung mit Ethanol besteht, schädigt dies auf Dauer den Vitamin B1-Stoffwechsel, was wiederum eine Polyneuropathie (Nervenschädigung) auslösen kann.

Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass bei der Behandlung von alkoholbedingten Nervenschmerzen der Konsum von Alkohol sofort einzustellen ist, um weitere Belastung zu verhindern. Ist das Trinken bereits zur Sucht geworden, sollten Sie dies dringend mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen. Zusätzlich finden Sie bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Beratung.

Operation bei einer Nervenentzündung?

Im Falle einer verletzungs- oder druckbedingten Nervenentzündung, wie nach einem Unfall oder bei einem Karpaltunnelsyndrom, kann der Mediziner einen chirurgischen Eingriff in Betracht ziehen. Bei einer Operation beseitigt der Arzt die Verengung beziehungsweise die reizende Stelle und schafft Platz für den Nerv, damit dieser nicht weiter belastet wird. In der Regel sind Ärzte jedoch bemüht, andere Behandlungsansätze – ohne Gewebseinschnitte – vorzuziehen.

Gibt es eine Alternative zu den konservativen Behandlungsansätzen?

Ergänzend zur schulmedizinischen Behandlung und nach Absprache mit dem Arzt, können auch alternative Heilmethoden wie homöopathische Mittel angewendet werden. Zudem empfinden einige Patienten Hausmittel wie Wärme- oder Kälteanwendungen mit speziellen Kompressen als wohltuend.

Wie Sie einer Neuritis vorbeugen


Natürlich lässt sich eine Nervenentzündung nicht mit Sicherheit ausschließen. Dafür gibt es ein zu breites Spektrum an möglichen Risikofaktoren. Es ist jedoch möglich, die Gefahr einer Nervenentzündung durch eine gesunde Lebensweise zu reduzieren. Hierzu gehört, den täglichen Alkoholkonsum einzuschränken. Empfohlen werden:

  • für Frauen maximal ein Glas
  • für Männern zwei Gläser pro Tag.
  • eine Verzichtszeit von zwei Tagen pro Woche einzuhalten ist.1

Im Idealfall leben Sie komplett ohne Alkohol oder beschränken sich auf einen Konsum zu besonderen Anlässen.

Standardglas Alkohol: Wie viel von was?

Ein sogenanntes Standardglas erhält 10 bis 12 Gramm Alkohol. Konkret heißt das:

0,3 Liter Bier

0,125 Liter Wein

0,1 Liter Sekt

4 Zentiliter Schnaps (100 Zentiliter = 1 Liter)2

Ihre Nerven freuen sich zudem besonders über eine Ernährung mit vielen Vitaminen. Rohkost, Obst sowie Milchprodukte und wenig Fleisch gelten als besonders gut, um Entzündungen und einen Vitaminmangel vorzubeugen.

Achten Sie zudem darauf, Stress – ob im Job oder in der Freizeit – zu vermeiden und gönnen Sie Ihren Nerven ausreichend Erholung, Ruhe und Schlaf. Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga helfen dabei. Regelmäßiger Sport dient ebenfalls dazu, Stress abzubauen. Auch wenn Ihr Alltag sehr voll ist und Sie viel zu tun haben: Nehmen Sie sich ruhig die Zeit – Ihre Nerven werden es Ihnen danken.

Schreiben ist ihre Leidenschaft – und das am liebsten über Themen, die die Menschen wirklich bewegen. Nachdem sich Carolin Stollberg in ihrem Studium der Germanistik alle Instrumente angeeignet hat, die sie für das Schreiben guter Texte benötigt, konnte sie sich voll und ganz Ihren Interessensschwerpunkten widmen: Gesundheit und Medizin. Seit Juli 2018 schreibt sie mit Hingabe und Sorgfalt für kanyo®. Carolin Stollberg Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
Das könnte Sie auch interessieren:

Quellen anzeigen