Osteopathie: Die ganzheitliche Heilmethode

Wenn bei Rückenschmerzen ernsthafte Erkrankungen durch den Facharzt ausgeschlossen wurden, kann Osteopathie eine Alternative sein. Mit ihrer Hilfe können Bewegungsstörungen des Rückens, wie zum Beispiel schmerzhafte Blockaden, behoben werden. Osteopathie zählt zu den manuellen Heilmethoden und ist eine Ergänzung zur Schulmedizin. Diese Therapie kann, wenn sie richtig angewendet wird, sanft von den Schmerzen befreien.

Das Prinzip der Osteopathie

Frau wird vom Osteopathen behandelt
Der Osteopath kann der Patientin helfen, die Wirbelsäule zu mobilisieren.

Osteopathie ist eine alternative Heilmethode, nicht nur bei Rückenschmerzen. Sie geht davon aus, dass Schmerzen durch Bewegungseinschränkungen von verschiedenen Geweben im Körper entstehen.
Ein gesunder Körper besitzt die Fähigkeit, sich selbst zu regulieren, so lange alle Gewebestrukturen ausreichend beweglich und damit gut versorgt sind. Der Grundgedanke ist, dass Schädel, Rückenmark und Bewegungsorgane mit den inneren Organen als ein System zusammenhängen. Dieses System ist über sogenannte Faszien verbunden, die ein feines Gewebenetz darstellen.

Ist die Mobilität eingeschränkt, werden aus Sicht der Osteopathie zunächst Gewebespannungen aufgebaut, aus denen Funktionsstörungen folgen. Die Summe dieser Störungen kann der Organismus nicht mehr selbst ausgleichen – so entstehen Beschwerden.

Osteopathie bei Rückenschmerzen

Als Hilfe bei Rückenschmerzen kann Osteopathie eine sinnvolle alternative Heilmethode sein. Vorausgesetzt, bei den Schmerzen handelt es sich um unkomplizierte Rückenschmerzen. Diese werden oft durch eine verspannte oder verkürzte Muskulatur ausgelöst. Entstehen die Rückenschmerzen durch eine konkrete Erkrankung, wie zum Beispiel einen Bandscheibenvorfall, ist Osteopathie als Heilmethode vor allem unterstützend geeignet.

Die drei großen Gebiete der Osteopathie

Die Osteopathie gliedert sich in drei unterschiedliche Teilbereiche auf:

1. Die parietale Osteopathie befasst sich mit der osteopathischen Behandlung von Faszien, Muskeln, Knochen und Gelenken des Körpers. Dies sind alles Strukturen, die dem Halte- und Bewegungsapparat zugerechnet werden.

2. Die viszerale Osteopathie befasst sich speziell mit der Behandlung der inneren Organe.

3. Die craniosacrale Osteopathie befasst sich mit der Behandlung der Schädelknochen, der Hirn- und Rückenmarkshäute, des Kreuzbeins, der Hirn- und Rückenmarkflüssigkeit (Liquor) und dem Gehirn.

Was macht der Osteopath?

Ein Osteopath behandelt ganzheitlich und auf den Patienten bezogen. Das bedeutet, er betrachtet die Erkrankung innerhalb des ganzen Körpers und versucht nicht, Symptome zu behandeln, sondern die Ursache des Leidens zu beheben. Er forscht aufgrund der vorliegenden Fehlfunktion nach den Strukturstörungen, die dazu geführt haben. Diese Störungen, auch somatische Dysfunktion genannt, versucht der Osteopath zu beheben.

Dafür befragt der Osteopath zunächst den Patienten nach seiner Krankheitsgeschichte. Anschließend untersucht er den Körper durch Abtasten und spürt Spannungen und Einschränkungen auf. Durch gezielte Griffe regt der Osteopath dann die Selbstheilungskräfte des Körpers an.

Haben Sie bei der Untersuchung beim Facharzt Röntgenbilder, Laborwerte und andere Befunde aus der klinischen Diagnostik erhalten, können diese dem Osteopathen Hinweise auf Behandlungsansätze geben.

Woran Sie einen guten Osteopathen erkennen

In Deutschland ist das Berufsbild Osteopath nicht einheitlich geregelt und es gibt derzeit keine staatlich anerkannte Prüfung. Verschiedene private Vereinigungen und Schulen haben osteopathische Ausbildungen mit unterschiedlichen Lerninhalten im Angebot.

Bei der Suche nach einem geeigneten Osteopathen können folgende Kriterien hilfreich sein:

  • Der Osteopath kann eine fünfjährige, ganzheitlich orientierte Ausbildung mit 1500 Stunden Umfang nachweisen.
  • In der osteopathischen Praxis behandelt der Osteopath selbst und kein Mitarbeiter ohne langjährige Ausbildung.
  • Ein seriöser Osteopath macht keine Heilungsversprechen, verlangt keine Vorkasse und stellt keine überhöhten Rechnungen. Laut Bundesverband der Osteopathen sollte eine Sitzung ausführliche osteopathische Behandlung zwischen 60 und 150 Euro kosten.
  • In einer guten osteopathischen Praxis findet zunächst ein Anamnesegespräch statt. Diese Erstuntersuchung nimmt viel Zeit in Anspruch, was aber kein Problem darstellen sollte.
  • Im besten Fall verfügt der Osteopath über lange Erfahrung auf dem Gebiet der Osteopathie. Die Fähigkeit zur Diagnose und die Auswahl und Anpassung der osteopathischen Behandlungstechniken an die Bedürfnisse des Patienten wachsen mit den Jahren der Arbeit auf diesem Gebiet.

Die Osteopathie kann in jedem Alter zum Einsatz kommen – vom Neugeborenen über Schwangere bis hin zu älteren Menschen. Typische Anwendungsbereich sind beispielsweise Kopfschmerzen, Verspannungen, Verdauungsbeschwerden, Schlafstörungen oder Gelenkprobleme.

Was kann Osteopathie nicht?

Die Grenzen der Osteopathie sind dort gegeben, wo ernsthafte Erkrankungen wie Bandscheibenvorfall, Krebs, schwere Infektionskrankheiten oder massive seelische Störungen vorliegen. Besteht eine ernsthafte Erkrankung, ist es ratsam, einen klassischen Mediziner aufzusuchen. Osteopathie kann in einem solchen Fall nur eine begleitende und unterstützende Behandlungsmethode sein.

Werden die Kosten für Osteopathie von der Krankenkasse übernommen?

Seit dem 1. Januar 2012 erstatten viele gesetzliche Krankenkassen einen Teil der osteopathischen Behandlung als sogenannte Satzungsleistung. Voraussetzung hierfür ist eine ärztliche Bescheinigung, die die Behandlung veranlasst.

Der behandelnde Osteopath muss seine Qualifikation durch eine umfassende Ausbildung in den Teilen der Osteopathie (craniosacrale, viszerale und parietale Osteopathie) nachweisen können. Zusätzlich muss er Mitglied in einem Berufsverband der Osteopathen sein oder zumindest aufgrund seiner absolvierten Ausbildung dazu berechtigt sein, einem dieser Verbände beizutreten.
Wie viel der Kosten die Krankenkasse übernimmt, bestimmt die jeweilige Kasse selbst. Die Bandbreite ist groß: Manche Krankenkassen bezahlen 30 Euro für Osteopathie, andere übernehmen bis zu 500 Euro pro Jahr.

Interessant: Geschichte der Osteopathie

Die manuelle Heilmethode stammt ursprünglich aus dem Mittleren Westen der USA. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es noch keine Methoden, um in den Körper hineinzusehen, wie zum Beispiel mit einem Röntgengerät. Der Arzt Andrew Taylor Still entwickelte eine Methode, mit der er Funktionsstörungen im Körper mit den Händen aufspüren und behandeln konnte. Er nahm an, dass der Körper über Selbstheilungskräfte verfügt. Diese werden aktiviert, wenn Spannungen und Blockaden sanft gelöst sind.
Bei der Eröffnung der American School of Osteopathy (ASO) wurde 1892 der Begriff Osteopathie geprägt. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts breiteten sich die Theorien Stills auch in Europa aus.