Was ist eine Amputation?


Bei einer Amputation handelt es sich um die Abtrennung eines Körperteils im Rahmen einer Operation oder eines Unfalls (beispielsweise der Verlust eines Fingers beim Mähdreschen). Im Rahmen von medizinischen Eingriffen – etwa aufgrund einer Durchblutungsstörung – zählen die Beine zu den Gliedmaßen, die am häufigsten amputiert werden.1

Ein Arzt zieht eine Amputation nicht leichtfertig in Erwägung. Nur wenn es wirklich keine andere therapeutische Option gibt, um das Körperteil zu erhalten, oder wenn das Leben eines Menschen bedroht ist (etwa bei einer Blutvergiftung) erfolgt der Eingriff. Zudem trennen Operateure immer nur so viel vom Körper ab, wie wirklich nötig ist. Das bedeutet, dass einer Person erst dann das Bein abgenommen wird, wenn dieses stark geschädigt ist (Zellen sind abgestorben) und/oder dauerhaft qualvolle Schmerzen verursachen würde. Unter anderem können zum Beispiel schwere Verkehrsunfälle dazu führen.

Gut zu wissen

Wann immer es geht, versuchen Experten so zu operieren, dass ein Stumpf entsteht, der das Tragen einer Prothese (künstlicher Körperteilersatz) möglich macht. Denn dadurch bleibt die Lebensqualität ihrer Patienten besser erhalten.

Für die Stumpfbildung erfolgt nach der Abtrennung eines Körperteils mit speziellen Instrumenten ein Abrunden des übrig gebliebenen Knochens, damit er nicht scharfkantig ist und Gewebe verletzt. Im Anschluss legen die Ärzte einen Weichteillappen über den Knochen und die offene Operationsstelle und vernähen ihn.

Mögliche Ursachen für eine Amputation


Es gibt viele Ursachen, weshalb ein Mensch möglicherweise eine Amputation benötigt. Zu ihnen zählen beispielsweise:

  • Tumore und Infektionen
  • Unfälle
  • Arterielle Verschlusskrankheiten

80 Prozent aller Amputationen sind auf die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) zurückzuführen.1

Bei dieser Erkrankung kommt es meist in den Beinen zu einer schädlichen Verengung von Arterien. Die Folge sind Durchblutungsstörungen, aufgrund derer es zu Nervenschädigungen und dem Absterben von Zellen kommen kann. Gefährlich ist das, weil von abgestorbenem Gewebe nicht nur Schmerz, sondern auch ein hohes Risiko für lebensbedrohliche Infektionen ausgeht. Die hauptsächliche Ursache für die periphere arterielle Verschlusskrankheit – auch Schaufensterkrankheit genannt – ist im Übrigen eine Arteriosklerose (Arterienverkalkung).

Risikofaktoren für eine pAVK sind etwa:

  • Bluthochdruck
  • erhöhte Blutfettwerte

Eine pAVK haben in der Regel Patienten im fortgeschrittenen Alter. Aus diesem Grund sind die meisten Amputierten über 60 Jahre alt.1 

Körperintegritätsidentitätsstörung (BIID): Freiwillige Amputation?

Bei einer BIID (auch Body Integrity Identity Disorder) leiden Betroffene unter dem tiefen Empfinden, dass eines ihrer Körperteile vollkommen fremd sei – nicht zu ihrem Körper gehörig. Sie möchten sich diesen Teil (meist ein Bein) freiwillig amputieren lassen.

In Deutschland sind derartige Operationen, also Amputationen ohne medizinische Notwendigkeit, nicht erlaubt. Unterstützung erhalten Betroffene hierzulande jedoch beispielsweise von Psychotherapeuten oder BIID-Selbsthilfegruppen. Das Problem besteht darin, dass für die meisten Menschen der Wunsch nach einer Amputation sehr befremdlich ist. Und so trauen sich viele Leidende oftmals nicht, offen mit jemandem darüber zu sprechen.

Phantomschmerzen als mögliche Amputationsfolge


Es gibt kaum eine amputierte Person, die ihr entferntes Körperteil nicht mehr spürt – zumindest ab und an.2 Betroffene berichten von

  • Phantomgefühlen (der abgenommene Teil des Körpers wird gefühlt) und
  • Phantombewegungen (auch wenn der Betroffene weiß, dass beispielsweise sein linker Arm fehlt, ist es für ihn so, als könnte er ihn noch bewegen).

Sobald ein Patient Phantomgefühle oder Phantombewegungen als schmerzhaft wahrnimmt, sprechen Ärzte von Phantomschmerzen.2

Phantomschmerzen sind eine normale Reaktion des Gehirns auf ein entferntes Körperteil. Darüber hinaus handelt es sich bei diesen Schmerzen um eine besondere Art von Nervenschmerzen, wie sie zum Beispiel bei Nervenverletzungen erscheinen können.

Mögliche Komplikationen direkt nach der Operation

Neben Phantomschmerzen sind nach der medizinischen Entfernung von Gliedmaßen unter anderem diese Phänomene denkbar:

  • die Wunde blutet nach
  • eine Infektion kommt an der Operationsstelle auf

Daher ist nach jeder Amputation ein Krankenhausaufenthalt vorgesehen. Das medizinische Fachpersonal kümmert sich dort um die optimale Versorgung der Wunde. Wann die Operationsstelle ausreichend verheilt ist, sodass der Patient wieder nach Hause kann, entscheidet der behandelnde Arzt.

Wie entstehen Phantomschmerzen?

Das Gehirn erhält am laufenden Band Rückmeldungen vom Rest des Körpers – also von Haut, Sehnen, Nerven, Muskeln und Co. Es bildet sich daraus eine „Landkarte“ des gesamten Organismus, um unter anderem die Steuerung von Bewegungsabläufen zu koordinieren.

Kommt es nun beispielsweise zu einer Amputation des Arms, kann das Gehirn seine „Landkarte“ des Körpers nicht mehr richtig aktualisieren. Daher versucht es jetzt, die fehlenden Daten über andere Wege zu gewinnen. Diese Informationen können beispielsweise Erinnerungen an in der Vergangenheit liegende Empfindungen sein. Manchmal bedient sich das Gehirn auch an schmerzhaften Erinnerungen, wie etwa einer bereits vergangenen Nervenentzündung am Arm.2

Wie äußern sich Phantomschmerzen?

Phantomschmerzen sind manchmal ständig vorhanden oder schwanken im Tagesverlauf in ihrer Intensität. So kann es sich für einen Patienten, der ein Bein verloren hat, am Morgen so anfühlen, als ob ihm jemand ein Messer in die Wade gestochen hätte, während er ein paar Stunden später den Schmerz nur noch als ein brennendes Gefühl wahrnimmt.2

Wissenswert

Meist kommt es bei Betroffenen Tage oder Wochen nach der Amputation erstmalig zum Auftreten von Phantomschmerzen. Dabei ist es von Patient zu Patient sehr unterschiedlich, wie lange die Schmerzen anhalten. Ab und an verschwinden sie mit oder ohne Therapie plötzlich. In der Regel bleiben sie jedoch bestehen oder treten zu einem späteren Zeitpunkt im Leben erneut auf.2

Phantomschmerzen versus Stumpfschmerzen

Neben Phantomschmerzen können bei einem Operierten auch Stumpfschmerzen in Erscheinung treten. Verantwortlich sind unter anderem:

  • Durchblutungsstörungen (beispielsweise durch einen zu engen Verband)
  • Druckstellen (etwa aufgrund einer schlecht sitzenden Prothese)
  • Wundschmerzen
  • Nervenschmerzen

Letztere werden oftmals durch eine Wucherung (Neurom) eines im Rahmen der Amputation zertrennten Nerven ausgelöst.2

Aha!

Per Definition enden Stumpfschmerzen immer am Stumpf eines Behandelten.2 Sie gehen jedoch gelegentlich in Phantomschmerzen über. Wenn das der Fall ist, sprechen Mediziner von gemischten Stumpf- und Phantomschmerzen.

Therapie: Wie kann man Phantomschmerzen behandeln?


Möglichkeiten für die Linderung von Phantomschmerzen sind zum Beispiel:

In der Regel bespricht der behandelnde Arzt mit seinem Patienten, welche der genannten Optionen die empfehlenswerteste für die Therapie der Schmerzen ist.

Behandlung mit Medikamenten

Wenn entsprechende Schmerzen bestehen, haben Mediziner die Möglichkeit Schmerzmittel zu verschreiben. In Sachen Phantomschmerzbehandlung hat sich eine Kombination aus

  • Antikonvulsiva (Mittel gegen Krampfanfälle),
  • Opioiden (sehr starke Schmerzmittel) sowie
  • Antidepressiva (Arzneimittel gegen Depressionen) bewährt.

Antidepressiva kommen oft gegen depressive Erkrankungen zur Anwendung, sie wirken jedoch auch – schon bei geringen Dosierungen – gegen Nervenschmerzen, da sie die Schmerzübertragung hemmen.2 Bei Mitteln gegen Krampfanfälle verhält sich das ähnlich. Sobald der Patient laut dem zuständigen Arzt keine Schmerzmittel mehr benötigt, werden sie in Absprache wieder abgesetzt beziehungsweise langsam reduziert.

Was schafft eine Spiegeltherapie?

In der Regel erfolgt eine Spiegeltherapie zu Beginn in der Klinik zusammen mit einem Physiotherapeuten. Später – nach etwa dreizehn Übungseinheiten – lässt sie sich dann auch selbstständig zuhause durchführen.3 Doch was passiert dabei?

Angenommen ein Bein wurde amputiert. Dann stellt der Therapeut einen Spiegel neben das intakte Bein. Wenn der Patient nun in den Spiegel schaut, scheint es so, als wären noch beide Beine vorhanden. Beim Bewegen des gesunden Beins wirkt es, als würde die Phantomgliedmaße aktiv sein.

Diese Illusion führt bei vielen Amputierten zu einer Täuschung des Gehirns. Es denkt jetzt, dass das entfernte Bein wieder vorhanden ist und Informationen sendet. Die Folge: Das Gehirn beruhigt sich und die Schmerzen lassen – mitunter auch lang anhaltend – nach.

Imaginationsübungen – eine weitere Möglichkeit der Behandlung

Ein anderer Begriff für eine Imaginationsübung ist Vorstellungsverfahren. Unter Anleitung eines Physiotherapeuten soll sich ein Betroffener zunächst seinen zum Beispiel entfernten Fuß – so wie er vor der Entfernung war – im Detail in Erinnerung rufen.

Anschließend wird der Patient darum gebeten, gedanklich seinen Fuß zu bewegen. Wenn diese Vorstellung gut gelingt, kann ein ähnlicher Effekt wie bei der Spiegeltherapie eintreten, der zur Linderung des Phantomschmerzes führt.

Behandlung von Phantomschmerzen mit Entspannungstechniken

Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelentspannung reduzieren mitunter seelische Belastungen, die Schmerzen verschlimmern können. In Kombination mit anderen Phantomschmerztherapieverfahren wie Imaginationsübungen sind Entspannungstechniken daher ein bewährtes Therapiemittel.

Etwas verständlicher wird das, wennman sich einmal ins Bewusstsein ruft, dass es zur Gesunderhaltung für den Organismus wichtig ist, dass er nicht ständig unter Anspannung steht. Doch gerade gravierende Ereignisse wie eine Amputation, machen es einem Menschen schwer, sich locker und gelassen zu fühlen. Oder, um es mit anderen Worten zu sagen, keinen Stress zu haben.

Diese Tatsache ist auch Ärzten bewusst. Daher erhalten Patienten in der Regel noch im Krankenhaus nähere Informationen zu den verschiedenen Entspannungsverfahren und wie sie erlernt werden können. Dabei ist es individuell sehr verschieden, welche der möglichen Methoden einer Person am besten helfen. So entspannt der eine eher, indem er regelmäßig meditiert und der andere mithilfe eines guten Buches.

Aufgrund ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin kennt Regina Brandt Krankenhäuser auch hinter den Kulissen. Durch ihr Studium der Sprach- und Kommunikationswissenschaften vermischen sich bei kanyo® ihre Kenntnisse in Sachen Online-Redaktion, Medizin und Kommunikation. Regina Lopes Bombinho Brandt Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin kanyo® mehr erfahren
Das interessierte andere Leser:

Quellen anzeigen