Das HWS-Syndrom: Symptome, Ursachen und Behandlung

April 7, 2017

13 Min.

Die Schläfen pulsieren, der Nacken ist verspannt und die Schultern schmerzen? Das sind Leiden, die auf ein Halswirbelsäulen-Syndrom (HWS-Syndrom) hindeuten. Unter den Begriff fallen Beschwerden rund um den Nacken-, Schulter- und Armbereich. Als Ursachen kommen unter anderem Verspannungen infrage. Lesen Sie mehr zu den Auslösern und wie das Syndrom behandelt werden kann.

Frau bei der manuellen Therapie eines HWS Syndroms
Manuelle Therapie kann bei einem HWS-Syndrom helfen, schmerzhafte Verspannungen zu lösen.

Überblick:

Alles Wissenswerte zum HWS-Syndrom:

  • HWS-Syndrom bezeichnet ein Krankheitsbild mit verschiedenen Beschwerden des Halswirbelsäulenbereichs.
  • Zu den Symptomen zählen zum Beispiel Schmerzen im Hals und Nackenbereich, Bewegungseinschränkungen sowie Schwindel.
  • Als Ursachen gelten Veränderungen, Erkrankungen und Störungen der Muskulatur und Wirbel beziehungsweise Gelenke (aufgrund von Altersverschleiß, Bewegungsmangel, Verletzungen oder Stress).
  • Der Arzt diagnostiziert das HWS-Syndrom nach einer umfassenden Patienten-Befragung und körperlichen Untersuchungen. In manchen Fällen können noch MRT- oder Röntgen-Aufnahmen angefertigt werden.
  • Zur Therapie bieten sich beispielsweise eine Stabilisation durch eine Halskrause, eine Wärmebehandlung, Physiotherapie und schmerzlindernde Medikamente an. Welche Art der Behandlung Anwendung findet, sollte jedoch der Arzt entscheiden.
  • Vorbeugende Maßnahme ist der Muskelaufbau im Rücken und vor allem im Halswirbelsäulenbereich durch entsprechendes Training. Generell sollte auf regelmäßige Bewegung geachtet und zu langes Sitzen oder Ausharren in der gleichen Position vermieden werden.

HWS-Syndrom – was ist das?

Der Begriff HWS-Syndrom umfasst alle Beschwerden, die im Bereich der Halswirbelsäule auftreten oder von dort ausgehen, also alle Schmerzen und Probleme (wie Bewegungseinschränkungen) im Nacken-, Schulter- und Armbereich. Eine weitere Bezeichnung für das HWS-Syndrom lautet Zervikalsyndrom.

Was Sie zur Halswirbelsäule wissen müssen:

Die Halswirbelsäule (HWS) besteht aus insgesamt 7 Halswirbeln mit jeweils einer Bandscheibe (kleine, faserknorplige „Stoßdämpfer“-Scheibe) dazwischen. Dieser Teil der Wirbelsäule trägt den Kopf und ermöglicht durch ihren speziellen Aufbau ein breites Spektrum an Bewegungen: Beugung und Streckung, seitliche Neigung und Drehungen.

Anhand verschiedener Kriterien kann das HWS-Syndrom weiter unterteilt werden: Je nachdem, wie lange die Beschwerden schon andauern, stuft der Arzt das HWS-Syndrom als akut, subakut oder chronisch ein. Ebenfalls möglich ist eine Unterteilung nach dem Bereich der Halswirbelsäule, der die Beschwerden bereitet – also in

  • oberes (Halswirbel 1 bis 2),
  • mittleres (3 bis 5) oder
  • unteres HWS-Syndrom (6 bis 7).
Grafische Darstellung der Halswirbelsäule.
Die sieben Wirbel der Halswirbelsäule.

Typische Symptome des HWS-Syndroms

Wer unter einem HWS-Syndrom leidet, kann das durch sehr unterschiedliche Symptome zu spüren bekommen. Charakteristisch für ein HWS-Syndrom sind unter anderem folgende Beschwerden:

  • eingeschränkte Beweglichkeit von Kopf und Nacken
  • Kopfschmerzen, auch speziell am Hinterkopf
  • Schwindelgefühl und Übelkeit
  • Sehstörungen
  • Schulter-, Arm- und Nackenschmerzen

Die Symptome gehen oft mit einer verspannten Muskulatur auf Höhe der Schultern und des Nackens einher. Da im Bereich der HWS viele Nerven vom Kopf in den unteren Körper führen, sind bei einem HWS-Syndrom auch neurologische Symptome möglich. Darunter fallen zum Beispiel Missempfindungen wie Kribbeln oder ein Schwäche- beziehungsweise Taubheitsgefühl in den Händen.

Hörst und siehst du das auch?

Einige Patienten bemerken an sich mitunter Ohrensausen beziehungsweise -klingeln (Tinnitus). Augenflimmern gehört außerdem zu den möglichen Symptomen eines HWS-Syndroms.

Dabei leidet nicht jeder Betroffene zwangsläufig an allen Beschwerden. Ganz im Gegenteil: Wo die Symptome genau auftreten, kann dem Arzt einen Hinweis darauf geben, welcher Teil der Halswirbelsäule betroffen ist. So deuten Kopfschmerzen eher auf Komplikationen im oberen Bereich hin, während Schulterbeschwerden häufig mit Problemen in der unteren HWS in Verbindung gebracht werden.

Überblick: Mögliche Ursachen des HWS-Syndroms

Für ein HWS-Syndrom kommen – ähnlich wie bei Syndromen der Brust- oder Lendenwirbelsäule – eine Vielzahl von potenziellen Auslösern infrage. Hier erhalten Sie einen Überblick:

  • verspannte und verhärtete Nackenmuskulatur: meist ausgelöst durch Fehlhaltung, langes Sitzen, einseitige Körperhaltung, Stress sowie generellen Bewegungsmangel
  • degenerative Ursachen: vor allem alters- und verschleißabhängige Veränderungen an den Wirbeln oder den Bandscheiben
  • posttraumatische Auslöser: in erster Linie Verletzungen und Unfälle (zum Beispiel ein Schleudertrauma nach einem Auffahrunfall)
  • Facetten-Syndrom: Entzündung der zum Wirbel gehörenden Facettengelenke (Wirbelbogengelenk)
  • blockierte Wirbelgelenke: in ihrer Beweglichkeit eingeschränkte Gelenke

Hinzu kommen noch Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise Rheuma oder andere Krankheiten der Knochen wie Osteoporose (Knochenschwund).

Dauer des HWS-Syndroms:

Verständlicherweise möchten betroffene Patienten wissen, wie lange sie mit den Beschwerden rechnen müssen. Leider lässt sich das nicht fest bestimmen, da die Schmerzen und Einschränkungen von der jeweiligen Ursache abhängen. So gilt es den oder die Auslöser so schnell wie möglich zu finden, damit eine entsprechende Behandlung eingeleitet werden kann.

Zur groben Einschätzung des Krankheitsverlaufs:

  • akut (plötzlich, schnell): bis zu 3 Wochen
  • subakut (mäßig schnell): zwischen 4 und 12 Wochen
  • chronisch (lange dauernd): mehr als 12 Wochen1

Wichtig: In den meisten Fällen verschwinden die HWS-Beschwerden nach wenigen Tagen. Doch halten die Probleme und Schmerzen weiter an, treten immer wieder auf oder kommen weitere Einschränkungen dazu, wie Schwindel oder Lähmungserscheinungen, ist ein Besuch beim Hausarzt dringend angeraten. Dieser kann dann entscheiden, ob Sie an einen Neurologen oder Orthopäden überwiesen werden müssen. Mitunter könnte ein Bandscheibenvorfall für die Schmerzen verantwortlich sein.

Diagnose des HWS-Syndroms

Ebenso wie beim BWS- und LWS-Syndrom gehört zur Diagnose des HWS-Syndroms zunächst ein ausführliches Anamnese-Gespräch mit dem Patienten. Der Arzt wird sich in der Regel danach erkundigen,

  • wie lange die Beschwerden bereits bestehen,
  • ob sie plötzlich aufgetreten sind oder sich eher schleichend entwickelt haben und
  • ob der Patient möglicherweise vor kurzem einen Unfall hatte.

Im Anschluss daran erfolgt für gewöhnlich die körperliche Untersuchung. Der Mediziner testet hierbei, wie beweglich Nacken, Schultern und Arme sind und nimmt eine Etagendiagnostik, also Höheneinordnung vor. Die Muskulatur prüft er auf Verspannungen und Verhärtungen hin sowie auf druckempfindliche Bereiche. Bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Magnetresonanztomografie (MRT) ergänzen im Zweifel die Möglichkeiten zur Diagnose.

Therapie des HWS-Syndroms

Zur Behandlung selbst kommen verschiedene Methoden infrage, die sich zum Teil ergänzen und nach der Ursache des HWS-Syndroms richten. So kann es zum Beispiel nach einem Unfall nötig sein, die HWS durch eine Halskrause oder eine Halskrawatte einige Zeit lang ruhig zu stellen.

Weitere Optionen der Therapie sind:

Auch Chirotherapie („Einrenken“) und Physiotherapie (Krankengymnastik und Bewegungstherapie) mit ihren manuellen Anwendungen dienen dazu, Verspannungen oder Blockaden zu lösen und die Muskulatur zu stärken.

Wärme

Wärme trägt zur Entspannung der Muskulatur bei, viele Betroffene empfinden diese als wohltuend und schmerzlindernd. Mögliche Wärmequellen sind:

  • Rotlicht-Lampe
  • Wärmekissen oder -flasche
  • Bad oder Dusche
  • Saunagang

Manchmal kann unterwegs bereits ein Schal um den Hals Linderung verschaffen, etwas den Nackenbereich wärmen und vor Zugluft schützen.

Schmerzmittel

Schmerzmittel mit entzündungshemmenden Substanzen wie Diclofenac oder Ibuprofen schalten den Schmerz aus und ermöglichen so wieder eine uneingeschränkte Beweglichkeit des HWS-Bereichs. In seltenen Fällen kann der behandelnde Arzt bei einem HWS-Syndrom zudem kurzfristig muskelentspannende Medikamente verordnen, sogenannte Muskelrelaxantien.

Wichtig: Schmerzlindernde sowie spannungslösende Arzneien sind nicht frei von Nebenwirkungen und sollten daher auch nur für eine kurze Zeit zum Einsatz kommen.

Durchblutungsfördernde Salben oder Pflaster funktionieren im Übrigen auch mit der lindernden Wirkung der Wärme. Häufig finden hier Präparate auf Hitzereiz erzeugender Capsaicin-Basis Anwendung.

Akupunktur und Akupressur

Die klassische Akupressur mit den Fingern sowie die Akupunktur über Nadeln werden eingesetzt, um die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. Der Druck auf (beziehungsweise Stich in) spezielle Hautpunkte wirkt nach dem Verständnis der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) wie folgt: Blockaden sollen sich lösen, Energieströme durch den Körper wieder fließen und so Schmerzen lindern.2 Die Behandlung wird in der Regel von einem Heilpraktiker oder Arzt mit Zusatzausbildung durchgeführt.

Auch sogenannte Akupressurkissen – oder gleichartige Matte für den gesamten Rücken – funktionieren nach diesem Prinzip. Ihre Oberfläche ist mit einer Vielzahl an kleinen Spitzen aus Kunststoff versehen, die auf verschiedene Körperpunkte drücken.

Für eine erholsame Nacht: Wie Sie trotz HWS-Syndrom gut schlafen

  1. So liegen Sie richtig: Auch wenn sie bei einigen Menschen beliebt ist – die Bauchlage führt zu einer Überstreckungen der Halswirbelsäule und stellt somit eine Belastung für den Hals-Nacken-Bereich dar. Am schonendsten ist das Liegen auf dem Rücken oder auf der Seite.
  2. Die Matratze macht‘s: Investieren Sie in eine hochwertige Matratze, die die Wirbelsäule und vor allem den Halswirbelbereich optimal unterstützt. Auf Höhe des Gesäßes und der Schultern sollte sie etwas nachgeben. Der Härtegrad richtet sich nach dem jeweiligen Körpergewicht (je schwerer die Person, desto härter die Matratze).
  3. Kissen je nach Lage: Wenn Sie ein Bauchschläfer sind und es sich nicht so leicht abgewöhnen können oder möchten, dann ist zumindest ein sehr dünnes Kopfkissen zu verwenden – oder gar keins. So bleibt die Halswirbelsäule eine annähernd gerade Verlängerung der restlichen Wirbelsäule. Bei Seitenschläfern und Rückenschläfern sollte der Nackenbereich durch das entsprechende Kissen mit dem gleichen Ziel unterstützt werden, zum Beispiel durch ein spezielles Nackenstützkissen.

HWS-Syndrom vorbeugen – was jeder selbst tun kann

Einige der Ursachen eines HWS-Syndroms liegen in der Lebensweise begründet und werden daher von jedem Menschen selbst beeinflusst. Bewegungsmangel und langes Sitzen – beides keine Seltenheit bei Büroarbeit – können Sie im Alltag durch sportliche Aktivitäten ausgleichen. Wenn Sie im Büro viel am Schreibtisch arbeiten müssen, ist es ein guter Tipp, zwischendurch oder in der Mittagspause ein paar Schritte zu gehen.

Ebenfalls wichtig zur Prophylaxe eines HWS-Syndroms ist ein kräftiger Rücken und eine aufrechte Haltung. Um eine gesunde Körperhaltung zu erlernen und die Rückenmuskulatur zu trainieren, ist Rückenschule sinnvoll. Im Rahmen dieses Präventionskonzepts gibt es verschiedene Übungen. Bei bestehenden starken Rücken- beziehungsweise Nackenschmerzen sollten Sie jedoch zur Sicherheit immer vorab mit einem Arzt sprechen.

Beispielübungen für eine besser Beweglichkeit des Nackens

Der Rücken bleibt möglichst gerade während der Übungen.

  1. Drehen Sie den Kopf zunächst auf die rechte Seite und nicken Sie einige Male. Dann drehen Sie Ihren Kopf nach links und nicken auch hier mehrmals.
  2. Positionieren Sie das Kinn in Richtung des Brustbeins und vollziehen Sie eine Drehung des Kopfs erst nach rechts, im Anschluss nach links. Ein bisschen sieht es dann aus, als würden Sie den Kopf schütteln.
  3. Schieben Sie den Kopf so weit es Ihnen möglich ist nach vorne und nach hinten. Bei der Rückwärtsbewegung darf gerne ein Doppelkinn entstehen. Der Nacken sollte lang gestreckt werden.


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Carolin Stollberg
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Medizinredakteurin
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