Was ist eine Epilepsie?


Eine Epilepsie liegt vor, wenn Betroffene wiederholt epileptische Anfälle haben oder ärztlich festgestellt wird, dass ein erhöhtes Risiko für erneute Anfälle gegeben ist. Demgegenüber wird ein Anfall, zu dem es ausschließlich in Folge von beispielsweise Alkoholmissbrauch, hohem Fieber oder zu wenig Schlaf kommt, nicht zu der neurologischen Erkankung gezählt, sondern als Gelegenheitsanfall eingestuft.

Die Epilepsie kann in jedem Lebensalter auftreten, ist aber verstärkt bei Kindern und jungen Erwachsenen in den ersten zwei Lebensjahrzehnten sowie bei älteren Menschen nach dem 65. Lebensjahr zu beobachten.1 Schätzungen zufolge erleiden etwa 5 Prozent aller Menschen einmal in ihrem Leben einen epileptischen Anfall.1

Häufigkeit:

Die Epilepsie zählt zu den chronischen Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Rund 500.000 Menschen befinden sich deswegen in Deutschland in haus- oder fachärztlicher Behandlung – das entspricht in etwa der Anzahl der an Diabetes erkrankten Personen. Pro Jahr kommt es zu circa 38.000 Neuerkrankungen.2

Was steckt hinter der neurologischen Erkrankung?


Bei der Epilepsie handelt es sich um eine Krankheit des Gehirns, bei der eine unwillkürliche Funktionsstörung vorliegt. Das heißt: Während eines Anfalls ist die Kommunikation zwischen den Nervenzellen vorübergehend gestört. In der Folge sind einzelne Gehirnbereiche oder das gesamte Gehirn übermäßig aktiv und es werden zu viele Signale abgegeben. Je nach betroffenem Bereich, kann sich dies unterschiedlich äußern – beispielsweise durch ein Zucken in der Hand oder Krampfanfälle, die den ganzen Körper betreffen.

Die Ursachen für die Funktionsstörung sind vielfältig, infrage kommen unter anderem:

In vielen Fällen ist der neurologischen Erkrankung jedoch kein erkennbarer Auslöser zuzuschreiben. Bei der sogenannten idiopathischen Epilepsie – auch als genetische Epilepsie bekannt– wird als Ursache eine familiäre Veranlagung vermutet.

Wie werden Anfälle ausgelöst?

Ein Anfall kann bei Epileptikern durch unterschiedliche Auslöser (Trigger) hervorgerufen werden: Bei einigen spielen flackerndes Licht, Videospiele oder laute Geräusche eine Rolle. Darüber hinaus sind auch die körperliche Verfassung (zum Beispiel Schlafmangel, hormonelle Schwankungen) und der Gemütszustand (wie Ärger, Angst, Stress) für die Entstehung eines Anfalls verantwortlich. Manchmal ist es eine Kombination verschiedener Trigger, die den Anfall bedingen, es ist jedoch auch möglich, dass kein spezieller Auslöser festgestellt werden kann.

Symptome: Welche Anfallsarten gibt es?


Die Epilepsie ist eine Erkrankung mit einem vielseitigen Erscheinungsbild. Je nachdem, welche Bereiche des Gehirns von der Übererregung betroffen sind, werden zwei Ausprägungsformen beschrieben:

  • generalisierte Anfälle (das gesamte Gehirn ist betroffen)
  • fokale Anfälle (gehen von einem bestimmten Gehirnbereich aus)

Die generalisierte Epilepsieform kann wiederum in folgende Anfallsformen unterteilt werden:

  • tonisch: verkrampfte und versteifte Gliedmaßen; meist schnell vorüber (bis zu 30 Sekunden)3 Bewusstlosigkeit ist möglich
  • atonisch: nachlassende Muskelspannung in einem Teil des Körpers (beispielsweise können die Beine einknicken); kurzer Bewusstseinsverlust möglich
  • klonisch: Zucken großer Muskelgruppen, ohne Verkrampfung; meist Bewusstlosigkeit; tritt vor allem in jungen Jahren auf, vorwiegend bei Neugeborenen
  • myoklonisch: rasches Zucken einzelner Muskelgruppen; oftmals kein beeinträchtigtes Bewusstsein
  • tonisch-klonisch (Grand mal): Krämpfe und Zuckungen am ganzen Körper; in der Regel mit Bewusstlosigkeit
  • Typische Absencen: milde Anfallsform mit abrupten, kurzen Bewusstseinspausen (Betroffene sind nicht ansprechbar und halten in ihrer vorherigen Tätigkeit inne)
  • Komplexe Absencen: Bewusstseinspausen mit Begleiterscheinungen wie dem Erschlaffen einzelner Muskelgruppen oder leichten rhythmischen Zuckungen (von beispielsweise den Augenlidern oder Mundwinkeln)

Die fokale Epilepsie entsteht hingegen zunächst nur in einem Teil des Gehirns. Von der Störung können die Nervenzellen betroffen sein, die beispielsweise für Sprache, Sehen oder Motorik verantwortlich sind. Dies äußert sich mitunter durch Zucken einer Hand oder Gesichtshälfte, Seh- oder Gefühlsstörungen. Einige Epilepsie-Patienten sehen ihre Umwelt während eines Anfalls verändert. Das heißt sie nehmen zum Beispiel Gegenstände größer wahr oder hören Stimmen. Andere ziehen Grimassen, stammeln oder laufen ziellos umher. Fokale Anfälle können aber auch mit Zuckungen oder Krämpfen einhergehen. Bei einigen Betroffenen breitet sich die fokale Form auf das gesamte Gehirn aus und wird zu einem generalisierten Anfall.

Es gibt zudem Anfälle, die sich bei einigen Patienten durch bestimmte Sinneswahrnehmungen ankündigen. Diese als Aura oder Vorgefühl bezeichneten Symptome können sich unterschiedlich äußern, beispielsweise als eine übermäßige Geruchs- oder Geschmacksempfindung.

Wie oft kommt es zum Anfall? Wie lange dauert dieser?

Die Epilepsie ist eine Erkrankung mit vielen Erscheinungsformen – das bezieht sich ebenfalls auf die Häufigkeit und Dauer der Anfälle. Diese können sich mehrmals am Tag, pro Woche oder Monat ereignen. Bei anderen Betroffenen kommen sie in Abständen von mehreren Jahren vor.

Tritt ein Anfall auf, hält dieser in der Regel nur einige Sekunden bis Minuten. Manchmal verläuft er für Betroffene sogar unbemerkt (beispielsweise bei einem epileptischen Anfall im Schlaf).

Sollte ein Anfall länger als 5 Minuten dauern, handelt es sich womöglich um einen sogenannten „Status epilepticus“.4 Da diese Anfallsform nicht von selbst endet und unbehandelt zu schwerem Sauerstoffmangel im Gehirn führen kann, muss umgehend ein Notarzt gerufen werden, damit dieser eine medikamentöse Behandlung einleitet.

Folgen: Nach einem Anfall…


Kommt es zu einem epileptischen Anfall, müssen sich die meisten Betroffenen im Anschluss erst einmal erholen. Viele Menschen fühlen sich in den Stunden danach erschöpft und schlafen zunächst. Mitunter kann es zu vorübergehenden depressiven Verstimmungen, Vergesslichkeit oder Lähmungserscheinungen kommen. Andere Patienten fühlen sich hingegen schon nach wenigen Minuten wieder fit und können sofort ihrer vorherigen Tätigkeit nachgehen.

Aha!

In der Regel verursacht eine Epilepsie keine bleibenden Hirnschäden oder geistigen Behinderungen. Anders sieht es jedoch aus, wenn Patienten über Jahre hinweg immer wieder Anfälle haben – für sie steigt das Risiko von kognitiven Beeinträchtigungen (wie Konzentrations- oder Aufmerksamkeitsschwierigkeiten).5

In Folge eines Epilepsieanfalls kann es zudem zu kleineren wie größeren Verletzungen kommen, vor allem, wenn es sich um generalisierte epileptische Anfälle handelt. Aufgrund der Verkrampfung des gesamten Körpers können die Betroffenen stürzen und sich verletzen.

Epilepsie schlägt mitunter auf die Psyche

Patienten mit wiederholten Anfällen leiden nicht selten an psychischen Problemen. Als auslösende Faktoren spielen beispielsweise die Angst vor einem Rückfall oder gesellschaftlicher Ausgrenzung eine Rolle. Aber auch die Scham, im öffentlichen Raum einen Anfall zu haben, kann psychisch sehr belastend sein. Eine Epilepsie begünstigt dahingehend eine Depression. Daher ist es ratsam, sich bei Epilepsie familiäre Unterstützung oder professionelle Hilfe zu suchen.

Die Lebenserwartung von Menschen mit Epilepsie ist grundsätzlich nicht herabgesetzt. Allerdings können sich Grunderkrankungen wie ein bösartiger Gehirntumor, die Ursache der Epilepsie sind, lebensverkürzend auswirken.6 Ein epileptischer Anfall kann außerdem dann lebensgefährdend sein, wenn der Betroffene beispielsweise infolge eines Anfalls einen Autounfall verursacht und sich schwerwiegende Verletzungen zuzieht. Auch der „Status epilepticus“ nimmt möglicherweise einen lebensbedrohlichen Verlauf, sofern er nicht behandelt wird.

Arbeiten mit Epilepsie?

Den meisten beruflichen Tätigkeiten können Epileptiker ohne Einschränkungen nachgehen. Es gibt jedoch bestimmte Berufsgruppen, die Betroffenen nur schwer oder gar nicht zugänglich sind, beispielsweise Pilot oder Busfahrer. Die berufliche Eignung ist immer auf den Einzelfall zu beziehen, sprich, es müssen Faktoren wie die Art der Anfälle, deren Häufigkeit sowie Schweregrad bei der Berufswahl berücksichtigt werden. Weiterführende Informationen finden Sie auf der Webseite der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Diagnose: Eine Epilepsie feststellen


Für eine erfolgreiche Behandlung ist eine eindeutige Diagnose Voraussetzung. Um herauszufinden, ob der Anfall einer Epilepsie oder einer anderen Erkrankung zuzuordnen ist, sollte ein Neurologe (Facharzt für Erkrankungen des Nervensystems) aufgesucht werden. Denn nach einem erstmaligen Anfall muss es sich nicht zwangsläufig um Epilepsie handeln, auch andere Erkrankungen wie ein Tumor oder eine Gehirnentzündung könnten das Symptom ausgelöst haben.

Eine behandlungsbedürftige Epilepsie liegt dann vor, wenn dem ersten Anfall weitere folgen oder ein erhöhtes Risiko hierfür gegeben ist. Um dem auf die Spur zu kommen, sind mehrere Diagnoseschritte nötig, bei denen der Facharzt teils die Mitarbeit des Patienten benötigt.

Folgende Untersuchungen werden durchgeführt:

  • Eine Beschreibung der Anfälle sowohldurch den Betroffenen selbst als auch durch Angehörige (Fremdbeschreibung) sind für die Diagnostik von enormer Bedeutung. Hilfreich können in diesem Zusammenhang auch Videoaufzeichnungen des epileptischen Anfalls oder die Beobachtung in einer spezialisierten Klinik sein. Auch die Häufigkeit und eventuelle Begleitumstände sollten festgehalten werden.
  • Im Rahmen der Krankengeschichte fragt der Arzt, ob es in der Familie bereits zu epileptischen Anfällen gekommen ist, oder ob es beim Patienten Erkrankungen beziehungsweise Verletzungen im Schädel-Hirn-Bereich gegeben hat.
  • Mithilfe der Elektroenzephalographie (EEG) wird die elektrische Gehirnaktivität aufgezeichnet. Bestimmte Muster lassen auf eine erhöhte Anfallsneigung schließen. Allerdings genügt das EEG allein nicht, um eine Epilepsie zu diagnostizieren. Zusammen mit den anderen Befunden liefert es aber wichtige Hinweise und ist daher für die Diagnose unverzichtbar.
  • Die Magnetresonanztomographie (MRT) – auch Kernspintomogramm genannt – macht hirnorganische Veränderungen sichtbar, die wiederum Hinweise auf die Ursache geben können. Wie das EEG ist auch das MRT in Bezug auf epileptische Anfälle für sich allein nicht zur Diagnosestellung geeignet, aber in der Gesamtbetrachtung ein wichtiges Puzzleteil.

In einigen Fällen untersucht der Arzt zudem das Hirnwasser (Liquor), beispielsweise, wenn der Verdacht auf eine Hirn- oder Hirnhautentzündung vorliegt. Die Flüssigkeit wird mittels einer Spritze im Bereich der Lendenwirbelsäule entnommen (Lumbalpunktion).

Behandlungsmöglichkeiten: Von Medikamenten bis zur Anfallsselbstkontrolle


So vielseitig sich die Erkrankung selbst zeigt, so unterschiedlich sind auch die Möglichkeiten der Therapie. In der Regel wird mit einer medikamentösen Behandlung begonnen – führt diese nicht zum gewünschten Erfolg, stehen weitere Ansätze zur Verfügung.

Medikamentöse Therapie

Am Beginn der Behandlung steht meist ein medikamentöser Ansatz, der bei optimaler Einstellung bei bis zu 70 Prozent aller Betroffenen zu einer Anfallsfreiheit führt.7 Patient und behandelnder Arzt wägen gemeinsam Nutzen und Risiken der Medikamente – sogenannte Antiepileptika – ab. Dabei gilt es folgendes zu beachten:

  • Es sind Mittel auf dem Markt, die bei vielen Epilepsieformen wirksam sind. Allerdings treten hier häufig Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten wie der Anti-Baby-Pille auf.
  • Einige Antiepileptika können nur bei bestimmten Epilepsieformen zum Einsatz kommen, zum Beispiel bei solchen, die im Kindes- und Jugendalter auftreten.
  • Andere sind vor allem in Notsituationen gefragt und werden nur vorübergehend verabreicht – sie unterbrechen beispielsweise eine Anfallsserie oder einen „Status epilepticus“.

Bei der Epilepsie-Behandlung ist es möglich, nur ein Medikament (Monotherapie) oder mehrere als Kombinationstherapie zu verabreichen. Die Dosierung erfolgt individuell und startet meist niedrig. Nach und nach wird die Dosis angehoben, und zwar so lange, bis sich entweder der gewünschte Erfolg einstellt oder es zu Nebenwirkungen kommt.

Bei der Epilepsie-Behandlung ist es möglich, nur ein Medikament (Monotherapie) oder mehrere als Kombinationstherapie zu verabreichen. Die Dosierung erfolgt individuell und startet meist niedrig. Nach und nach wird die Dosis angehoben, und zwar so lange, bis sich entweder der gewünschte Erfolg einstellt oder es zu Nebenwirkungen kommt.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

In den meisten Fällen sind Antiepileptika gut verträglich. Dennoch sind Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen, Müdigkeit, Schwindel oder verlangsamtes Denken nicht auszuschließen. Kommt es zu Beschwerden, sollte umgehend der behandelnde Arzt kontaktiert und das weitere Vorgehen (Medikament absetzen oder Dosierung ändern) besprochen werden.

Zeigt die medikamentöse Behandlung Erfolg, sollten Patienten trotz Anfallsfreiheit regelmäßig einen Arzt zur Kontrolle aufsuchen. Ein Besuch beim Neurologen ist auch dann ratsam, wenn erneut Anfälle auftreten oder andere Anfallsarten hinzukommen .

Epilepsiechirurgie

Die Behandlungsmethode kommt ausschließlich für die fokale Epilepsie infrage und auch nur, wenn sich feststellen lässt, welcher Bereich im Gehirn für die Anfälle verantwortlich ist. Dann ist es unter Umständen möglich, diesen chirurgisch zu entfernen (resektive Operation). Weitere Punkte, der vor der Entscheidung für eine Epilepsiechirurgie beachtet werden müssen, sind inakzeptable Nachteile: Die Operation darf keine ernste Beeinträchtigung bestimmter Hirnfunktionen nach sich ziehen. Ob ein operativer Eingriff infrage kommt, muss daher immer individuell entschieden werden. In Absprache mit dem Arzt sollten Vor- und Nachteile sorgfältig abgewogen werden.

Weitere Operationsmethode: Kallosotomie

In seltenen Fällen kann bei schweren Epilepsien noch eine andere Operation durchgeführt werden, nämlich die sogenannte Balkendurchtrennung (Kallosotomie). Der Eingriff wird beispielsweise in Erwägung gezogen, wenn der Betroffene häufig schwere Sturzanfälle hat. Durch die Trennung des Balkens (Corpus callosum) im Gehirn, der die linke und rechte Gehirnhälfte verbindet, kann die Häufigkeit der Sturzanfälle verringert werden. Allerdings sind im Anschluss kognitive Beeinträchtigungen nicht auszuschließen. Daher sind Nutzen und Risiken gewissenhaft gegenüberzustellen.

Stimulationsverfahren

Wenn die medikamentöse Therapie nicht ausreicht, gibt es alternativ die Möglichkeit der Neurostimulation. Hierbei werden bestimmte Gehirnstrukturen oder solche, die dort hinführen (zum Beispiel der Vagus-Nerv) mit niedriger Stromstärke stimuliert. Allerdings wird mit dieser Methode keine Anfallsfreiheit erreicht. Ziel ist es vielmehr, die Übererregbarkeit im Gehirn zu senken und so die Frequenz beziehungsweise Schwere der Anfälle zu reduzieren.

Bei Epilepsie sind derzeit vier verschiedene Stimulationsverfahren möglich:

  • Die Vagus-Nerv-Stimulation (VNS) ist die am weitesten verbreitete Methode. Dem Patienten wird eine Art Schrittmacher unterhalb des linken Schlüsselbeins unter die Haut gepflanzt und mittels Kabel (ebenfalls unter der Haut) mit dem linken Vagusnerv am Hals verbunden. In bestimmten Abständen gibt das Gerät einen leichten Stromstoß an den Nerv ab – manche Patienten verspüren dann ein Kribbelgefühl im Hals oder haben Schluckbeschwerden.
  • Bei der transkutanen Vagus-Nerv-Stimulation erfolgt eine Reizung des Vagus-Nervs in der Ohrmuschel. Hierfür ist keine Operation notwendig. Stattdessen trägt der Patient eine spezielle Ohrelektrode (ähnlich einem Ohrhörer), die er über 4 bis 5 Stunden täglich trägt – er kann die Anwendung demnach selbstständig durchführen.8
Grafik der Therapiemöglichkeit Hirnstimulation
  • Eine andere Möglichkeit stellt die transkranielle Magnetstimulation dar. Bei dieser wirken Magnetfelder auf das Gehirn, wodurch die übererregten Gehirnstrukturen erreicht werden sollen. Allerdings ist die transkranielle Magnetstimulation noch nicht vollständig ausgereift, weshalb sie noch nicht in klinischen Praxen zur Anwendung kommt.

Für die tiefe Hirnstimulation werden dem Patienten kleine Elektroden in bestimmte Gehirnstrukturen implantiert. Mithilfe von elektrischen Impulsen stimulieren sie das Nervengewebe. Das Verfahren ist in Deutschland zur Therapie von Epilepsie noch nicht weit verbreitet – häufiger findet es Anwendung bei Menschen mit Morbus Parkinson.

Ketogene Diät

Die Therapiemethode hat ihren Ursprung in der Beobachtung, dass es bei einigen Kindern unter Fastenbedingungen zu weniger Anfällen kommt.9 Bisher konnte sich die Methode aber nicht als Behandlungsalternative beziehungsweise -ergänzung durchsetzen.

Bei der ketogenen Diät handelt es sich um eine Art Low Carb Ernährung, die sich auf die Zufuhr von vielen gesunden Fetten und wenig Kohlenhydraten fokussiert. Dem Körper wird so beigebracht, seine Energie nicht aus Kohlenhydraten, sondern aus den zugeführten Fetten zu gewinnen. Im Zusammenhang mit Epilepsien wird vermutet, dass dem Gehirn durch den veränderten Stoffwechsel mehr Energie zur Verfügung steht, die es zum Stabilisieren der hirnelektrischen Aktivitäten verwendet. Allerdings ist bislang nicht bekannt, wie genau die ketogene Diät wirkt.

Anfallsselbstkontrolle

Voraussetzung für das Erlernen der Anfallsselbstkontrolle ist die Bereitschaft, sich intensiv mit der Erkrankung auseinanderzusetzen. Im Vordergrund steht dahingehend die Frage, was den eigenen Anfall begünstigt. Das können bestimmte Zeiten, Orte, Tätigkeiten oder auch Situationen sein. Sind diese Bedingungen bekannt, werden im nächsten Schritt anfallsfördernde Faktoren gesucht.

Darunter fallen beispielsweise:

  • körperliche Verfassung wie Erschöpfung, Angespanntheit oder Müdigkeit
  • Gemütszustände, unter anderem sind das Langeweile, Angst oder Ärger
  • physikalische Reize, beispielsweise bestimmte Farben oder Töne

Darauf aufbauend können Betroffene Strategien entwickeln, die dabei helfen sollen, Anfälle zu verhindern. Denn wer weiß, welche Faktoren (beispielsweise Alkoholgenuss) einen Anfall begünstigen, muss diese nicht zwingend meiden. Effektiver ist es, einen positiven Umgang mit diesen zu finden. Das kann dazu beitragen, die Angst vor der Erkrankung zu verlieren und das Selbstbewusstsein im Umgang mit Epilepsie zu stärken.

Ein weiterer Aspekt der Anfallsselbstkontrolle ist es, Warnzeichen eines epileptischen Anfalls zu erkennen und zu versuchen, diesen abzuwehren. Das kann über das Entwickeln und Einüben bestimmter Verhaltensweisen geschehen: Macht sich ein Anfall beispielsweise über ein Kribbeln in der Hand bemerkbar, wird diese zur Faust geballt. So ist es möglich, die für die Motorik verantwortlichen Gehirnzellen anderweitig zu beschäftigen. Auf diese Weise sollen sie daran gehindert werden, dem Kribbeln nachzugeben. Die Gehirnzellen werden sozusagen gegen eine epileptische Erregung abgeschirmt.

Alternative Therapien


Ergänzend zur Behandlung mit Medikamenten haben Patienten die Möglichkeit, auf alternative Methoden zurückzugreifen. Darunter fallen beispielsweise:

  • Akupressur
  • Homöopathie
  • Autogenes Training
  • Osteopathie
  • Yoga

Für die alternativen Behandlungsansätze liegt derzeit kein Wirkungsnachweis vor. Dennoch berichten einige Menschen mit Epilepsie, dass ihnen Akupressur und Co. helfen. Vor allem solche Methoden, die zur Entspannung und Stressreduktion beitragen, können das Risiko für weitere Anfälle zu senken.

Erste Hilfe: Was können Beobachter eines Anfalls tun?


Bei den Erste-Hilfe-Maßnahmen geht es vor allem darum, anfallsbedingte Verletzungen zu vermeiden. Wer einen epileptischen Anfall – allen voran einen tonisch-klonischen Krampfanfall (Grand mal) – beobachtet, sollte folgende Maßnahmen ergreifen:

  • Entfernen Sie scharfkantige Gegenstände aus dem Umfeld.
  • Falls der Betroffene Gegenstände in der Hand hält, sollten Sie diese an sich nehmen. Verwenden Sie hierfür jedoch keinesfalls Gewalt.
  • Lockern Sie einengende Kleidung.
  • Bringen Sie den Betroffenen nach dem Krampfanfall in eine stabile Seitenlage.
  • Lassen Sie den Betreffenden nicht allein; manchmal kommt es nach dem Anfall zu einer vorübergehenden Verwirrtheit.

Während eines Anfalls sollten Sie auf keinen Fall versuchen, den Kiefer des Patienten gewaltsam zu öffnen und ihm Gegenstände zwischen die Zähne zu schieben, damit er sich nicht auf die Zunge beißt. Hier sind schwere Verletzungen möglich. Auch das Festhalten von Gliedmaßen sollten Sie unterlassen, da es mitunter zu Knochenbrüchen kommen kann.

Den Notruf wählen Sie dann, wenn

  • Sie nicht sicher sind, ob es sich um einen erstmaligen Anfall handelt (es besteht die Möglichkeit, dass es keine Epilepsie, sondern ein Infarkt ist),
  • der Anfall länger als 5 Minuten andauert1,
  • innerhalb einer Stunde erneut Symptome auftreten,
  • der Betreffende das Bewusstsein nicht wiedererlangt,
  • es zu äußeren Verletzungen kommt oder
  • Sie sich in Ihrer Situation unsicher fühlen.

Bis zum Eintreffen des Notarztes sollten Sie Ruhe bewahren und die oben genannten Verhaltensweisen beachten.

Tanja Albert Von der Schülerzeitung übers Journalismus-Studium in die Online-Redaktion von kanyo® - Tanja Albert hat das Schreibfieber gepackt. Gemischt mit ihrem Interesse für Ernährungs- und Gesundheitsthemen stürzt sie sich Tag für Tag in die medizinische Recherche - und bringt das Ganze auch in die Sozialen Netzwerke, nämlich als Social Media Managerin. Tanja Albert Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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