Ischiasschmerzen und wo sie bei Schwangeren in Erscheinung treten


Besonders gegen Ende der Schwangerschaft – meist ab der 35. Woche2 – gibt es viele Frauen, bei denen es zu Ischiasbeschwerden kommt. Typisch sind vor allem starke, ziehende Schmerzen. Sie werden in der Regel

  • den hinteren Oberschenkeln wahrgenommen.2

Aber warum strahlen ischiasbedingte Rückenschmerzen bis in die Beine aus? Das liegt daran, dass der Ischiasnerv im Bereich der Lendenwirbel sowie des Kreuzbeins entspringt. Letzteres befindet sich unterhalb der fünf Lendenwirbel und oberhalb des Steißbeins.2

Von seinen Ursprüngen aus verläuft der Ischiasnerv –genau genommen sind es zwei Nerven – auf jeder Seite des Körpers über das Gesäß und die Beine bis hinunter in die Füße.2

Kommt es nun während der Schwangerschaft zu einer Reizung des Nervs – etwa durch vermehrten Druck auf den Ischias –, sind theoretisch überall entlang seines Verlaufs Schmerzen denkbar. Mediziner fassen Beschwerden entlang des Ischiasnervs im Übrigen unter dem Begriff Ischialgie zusammen.

Ursachen für Ischiasbeschwerden in der Schwangerschaft


Zu den Gründen, weshalb es bei Schwangeren manchmal zu Ischiasschmerzen kommt, zählen diese:

Zunächst die Entwarnung für alle werdenden Mütter mit Ischiasbeschwerden: Langfristige Folgen durch eine Schwangerschaft sind selten. Das liegt daran, dass der weibliche Körper von Natur aus dazu in der Lage ist, schwangerschaftsbedingte Mehrbelastungen auszugleichen. So sind beispielsweise die Lendenwirbel von Frauen flexibler als die von Männern.2

Dennoch empfiehlt es sich, starke Schmerzen von einem Arzt – zum Beispiel Frauenarzt – abklären zu lassen. Der Mediziner überweist seine Patientin bei Bedarf an einen weiteren Facharzt (zum Beispiel an einen Neurologen, der Experte in Sachen Nervenerkrankungen ist). Dieser kann erkennen, ob ein Bandscheibenvorfall möglicherweise die Ursache der Beschwerden ist und die entsprechende Behandlung einleiten.

Ischiasschmerzen durch das heranwachsende Kind

Um die 35. Schwangerschaftswoche herum wiegt das Baby im Bauch in vielen Fällen bereits rund 2.500 Gramm. Darüber hinaus hat es eine stolze Körpergröße von etwa 45 Zentimetern.2

Es kann nun dazu kommen, dass das Kind gegen den Ischias seiner Mutter drückt und den Nerv damit reizt. Betroffene merken dies anhand eines plötzlich aufkommenden, ziehenden Schmerzes im unteren Rücken, der häufig in das Gesäß und die Beine ausstrahlt.

Grafik von Ischiasbeschwerden in der Schwangerschaft

Muskelverspannungen als Ursache der Schmerzen

Zusammen mit dem Gewicht des Babys führen manchmal die zusätzlichen Kilos der werdenden Mutter zu Ischiasbeschwerden. Um die 30 Prozent an Körpergewicht kann eine Schwangere bis zur Geburt zunehmen.2 Mit ins Gewicht fallen dabei neben dem Ungeborenen auch Faktoren wie die Gebärmutter, größer gewordene Brüste oder das Fruchtwasser. Für eine Frau, die anfangs 65 Kilogramm gewogen hat, bedeutet das, dass sie am Ende der Schwangerschaft 84,5 Kilogramm wiegen könnte.

Relevant ist das in Bezug auf den Ischiasnerv, weil sich aufgrund der Gewichtszunahme am Bauch der Körperschwerpunkt verlagert. Mit den Monaten zeigt sich daher das Hohlkreuz immer ausgeprägter. Die Folge können Muskelverspannungen im unteren Rücken sein, die unter Umständen den Ischias einengen und zu Schmerzen führen.

Ischiasbeschwerden in der Schwangerschaft durch Bandscheibenvorfall

Manchmal bringt eine Schwangerschaft einen Bandscheibenvorfall mit sich. Denn das Schwangerschaftshormon Relaxin bewirkt eine Lockerung der Bänder, die die Wirbelsäule halten.2

Die Konsequenz: Der Halteapparat ist etwas instabiler als üblich. In Kombination mit dem zusätzlichen Gewicht, das während der Schwangerschaft auf der Wirbelsäule und deren Bandscheiben lastet, ist es möglich, dass an der Lendenwirbelsäule ein Bandscheibenkern aus seiner Hülle rutscht und auf den Ischiasnerv drückt.

Gut zu wissen

Wenn sich ins Bein ausstrahlende Rückenschmerzen beim Husten und Niesen verschlimmern, kann das ein erster Hinweis für einen Bandscheibenvorfall sein.2 Eine ärztliche Abklärung ist ratsam.

Was tun, wenn der Ischiasnerv in der Schwangerschaft eingeklemmt ist?


Bewährt haben sich in diesem Fall unter anderem die folgenden Mittel:

  • Wärme
  • Seitenlage
  • Schmerzmittel

Gerade, wenn Schmerzen plötzlich beim Laufen oder Stehen aufkommen, sollten Schwangere die Wirbelsäule entlasten. Zum Beispiel kann es schon helfen, sich an einem Tisch abzustützen und die Beine abwechselnd etwas auszuschütteln, bis die Ischiasbeschwerden nachlassen.

Darüber hinaus wirkt oftmals auch Wärme bei Ischiasschmerzen sehr wohltuend. Sie lockert verspannte Muskeln, die die Symptome ausgelöst haben können, und trägt generell zur Entspannung bei. Konkret anwenden lässt sich Wärme beispielsweise in Form eines warmen Kirschkernkissens am unteren Rücken.

Die Schmerzen plagen Sie vor allem nachts? Dann ist es vorteilhaft, sich auf die schmerzfreie Seite zu legen. Zusätzlich zur Seitenlage sorgt ein großes Kissen auf Kniehöhe zwischen den Beinen oftmals für Entlastung.

Wissenswert

Bei anhaltenden Ischiasbeschwerden können Sie Ihren Arzt nach Schmerzmitteln fragen. Er weiß, welche Arzneimittel für Schwangere geeignet sind.

Eine Massage kann bei Ischiasschmerzen gut tun

Massagen haben sich als Hausmittel bei Ischiasproblemen bewährt – besonders im Fall von verspannten Rückenmuskeln als Ursache. Sollten Sie schwanger sein, ist es am einfachsten, wenn Sie Ihr Partner massiert. Ein denkbarer Massageablauf ist dabei der folgende:

  1. Setzen Sie sich verkehrt herum auf einen Stuhl mit Lehne.
  2. Verschränken Sie Ihre Arme am oberen Stuhlende und legen Sie Ihre Stirn darauf ab.
  3. Ihr Partner kann nun damit beginnen, mehrmals mit seinen Händen links und rechts neben der Wirbelsäule sanft nach unten zu streichen.
  4. Anschließend sollte der Partner mit flacher Hand das Kreuzbein am Wirbelsäulenende mit wenig Druck und kreisenden Bewegungen massieren.3

Beachten Sie dabei, dass Schwangere aufgrund einer hormonbedingten Lockerung der Bänder, die die Wirbelsäule halten, nur äußerst behutsam massiert werden sollten. Zudem kommt ein Massieren in der Bauchlage für eine werdende Mutter nicht infrage. Brechen Sie eine Massage lieber ab, wenn Sie Ihnen nicht guttut oder gar Schmerzen aufkommen.

Welche Übungen helfen bei Ischiasbeschwerden in der Schwangerschaft?

Bei manchen Schwangeren lassen sich Ischiasschmerzen mit Rückenübungen lindern. Denn diese führen zur Entspannung von verkrampften Muskeln, die unter Umständen auf den Ischias drücken.

Es hat sich zum Beispiel für schwangere Frauen als hilfreich erwiesen, täglich ein paar Mal die Übung „Katzenbuckel und Kuh“ zu machen. Zur Durchführung sollten Sie

  • den Vierfüßlerstand einnehmen,
  • beim tiefen Einatmen leicht ins Hohlkreuz gehen,
  • während des langsamen Ausatmens den Rücken so rund es geht machen und dabei
  • das Kinn zur Brust ziehen.

Diesen Ablauf können Sie fünf bis zehn Mal wiederholen.2 Im folgenden Video wird gezeigt, wie sich die Übung zuhause durchführen lässt:

Aha!

Klassischerweise soll bei der Übung „Katzenbuckel und Kuh“ beim Einnehmen eines leichten Hohlkreuzes der Kopf gehoben werden, damit der Blick in Richtung Decke geht. Gerade gegen Ende der Schwangerschaft befinden sich Frauen aufgrund ihres großen Bauchs jedoch meist ohnehin schon mehr als sonst im Hohlkreuz. Um eine zu starke Wölbung am Rücken zu vermeiden, können werdende Mütter den Kopf bei dieser Übung auch gerade lassen und zum Boden schauen.

Aufgrund ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin kennt Regina Brandt Krankenhäuser auch hinter den Kulissen. Durch ihr Studium der Sprach- und Kommunikationswissenschaften vermischen sich bei kanyo® ihre Kenntnisse in Sachen Online-Redaktion, Medizin und Kommunikation. Regina Lopes Bombinho Brandt Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin kanyo® mehr erfahren
Das interessierte andere Leser:

Quellen anzeigen