Schmerzen in der Leiste – ist es ein Leistenbruch?

In Deutschland gehörte 2013 die Behandlung eines Leistenbruchs zu den häufigsten Operationen bei der Gruppe der 45- bis 65-Jährigen.1 Treten Schmerzen in der Leiste auf, muss es aber nicht unbedingt gleich ein Bruch sein. Lesen Sie hier, welche weiteren Ursachen für die Beschwerden infrage kommen.

Schmerzen in der Leiste und woher sie kommen

Eine Frau mit Schmerzen in der Leiste hält sich die schmerzende Stelle.

Schmerzen in der Leiste können eine Vielzahl von Auslösern haben. Bei einem stechenden, scharfen Schmerz, der bis in den Oberschenkel ausstrahlt, liegt das manchmal nicht an der Leiste selbst, sondern an Problemen mit der Hüfte. Dumpfe Schmerzen, die zum Beispiel vor allem beim Treppensteigen auftreten, könnten dagegen von einem Knorpelschaden im Hüftgelenk kommen. Aber auch Gelenkerkrankungen sind gerade bei Belastung sehr schmerzhaft. Bei Arthrose im Hüftgelenk, einer häufigen Form des Gelenkverschleißes, an der vor allem viele ältere Menschen leiden, sind oft Schmerzen in der Leiste zu spüren. Nimmt der Schmerz über mehrere Tage hinweg zu, könnte auch eine Hüftentzündung dahinterstecken.

Weitere mögliche Ursachen für Leistenschmerzen sind

  • Muskelprobleme,
  • Nervenschäden,
  • Erkrankungen der Harnorgane (zum Beispiel Harnsteinleiden),
  • Schwellung der Lymphknoten (durch Infektionen oder – sehr selten – Tumoren),
  • Erkrankungen der Geschlechtsorgane (zum Beispiel akute Entzündung des Nebenhodens beim Mann, Eileiterschwangerschaft mit Platzen des Eileiters bei der Frau) oder
  • Lockerung des Beckenrings bei Schwangeren.

Die Leiste befindet sich zwischen Unterleib, Hüfte und Oberschenkel, wo sich mehrere anatomische Strukturen treffen. Haben wir dort Schmerzen, fragen wir uns daher: Ist es nun der Unterbauch, der Oberschenkel, die Hüfte oder doch die Leiste, von der die Beschwerden herrühren? Ein Besuch beim Arzt kann bei Schmerzen in der Leiste weiterhelfen. Mit seinem geschulten Blick und bildgebenden Verfahren wie Ultraschall oder Röntgen kann er die Ursache schnell herausfinden.

Die Leiste im Überblick

  • befindet sich zwischen Unterleib, Hüfte und Oberschenkel
  • stabilisiert mithilfe von Muskeln, Bindegewebe und Bändern den Bauchraum von unten und sorgt dafür, dass die Organe im Bauchraum bleiben
  • der Leistenkanal (vier bis fünf Zentimeter lang) verläuft hindurch: er enthält Nerven sowie beim Mann den Samenstrang und bei der Frau das Mutterband (zur Befestigung der Gebärmutter)

Die „weiche“ Leiste (oder Sportlerleiste)

Schmerzt es in der Leiste bei starker Belastung, liegt das eventuell an einer Leistenschwäche beziehungsweise einer „weichen“, instabilen Leiste. Man spricht auch von der Sportlerleiste, da häufig Fußballer und Rugbyspieler betroffen sind. Schnelle, abrupte Richtungswechsel oder Ballschüsse mit nach außen gedrehtem Bein, die in beiden Sportarten typisch sind, können die Muskeln im Bereich der Leiste stark belasten – es können sogar kleine Risse auftreten.

Durch gezieltes Training zum Beispiel im Rahmen einer Physiotherapie können Betroffene die Muskeln in Becken und Leiste stärken. Sind die Schmerzen in der Leiste sehr schlimm, raten viele Ärzte aus diesem Grund zu einer Operation, bei der die Bauchdecke zum Beispiel mithilfe von Netzen aus Kunststoff stabilisiert wird. Unbehandelt entwickelt sich sonst aus der Sportlerleiste unter Umständen ein Leistenbruch.

Leistenbruch: Symptome und Behandlung

Die Leiste ist eine Schwachstelle unseres Körpers. Steigt der Innendruck im Bauchraum stark an, zum Beispiel beim

  • Sport,
  • Husten,
  • Niesen,
  • Pressen beim Toilettengang,
  • Heben von schweren Gegenständen oder auch
  • in der Schwangerschaft, kann die Leiste brechen – eine Lücke in der Bauchwand entsteht.

Durch den Leistenbruch (Hernia inguinalis) können sich Teile der Eingeweide unterhalb der Leiste hervorwölben. „Herausfallen“ können die Bauchorgane aber nicht, da sie weiterhin vom Bauchfell eingeschlossen sind. Von außen kann man die Wölbung ertasten oder beim Pressen auch sehen. Diese Ausstülpung sieht aus wie ein Sack – Fachleute sprechen daher auch vom Bruchsack. Meist ist der Leistenbruch einseitig, er kann in seltenen Fällen aber auch beidseitig auftreten.

Leistenbrüche sind vor allem Männersache

Ältere Männern erleiden aufgrund einer Bauchwandschwäche öfter einen Leistenbruch als Frauen. Aber auch generell trifft es meistens das männliche Geschlecht. Der Grund liegt in der Anatomie: Bei männlichen Babys treten die Hoden durch eine Öffnung im Leistenkanal aus dem Bauch. Verschließt sich dieser Bereich danach nicht, haben die Kinder einen angeborenen Leistenbruch. Aber auch, wenn die Öffnung normal zuwächst, kann es hier im späteren Leben leichter zum Bruch kommen.

Symptome des Leistenbruchs

Oft ist der Leistenbruch nicht mit Schmerzen verbunden. Erkennbar ist er nur an einer Vorwölbung in der Leiste. Trotzdem können als Symptom des Leistenbruchs leicht ziehende Schmerzen vorkommen, hauptsächlich bei Belastungen wie Husten oder Pressen.

Ist ein Leistenbruch sehr schmerzhaft, handelt es sich um ein Alarmzeichen. Es besteht nämlich die Gefahr, dass Blutgefäße oder Nerven im Bruch eingeklemmt und die Organe im Bruchsack nicht mehr ausreichend mit Blut und Nährstoffen versorgt werden. Hier ist eine sofortige Operation dringend nötig.

Diagnose und Behandlung eines Leistenbruchs

Die Diagnose eines Leistenbruchs kann der Hausarzt meist schon durch einen Blick und das Ertasten der Wölbung im Leistenbereich stellen. Zusätzlich kann eine Ultraschalluntersuchung Aufschluss geben.

Bei der Therapie ist die Operation das Mittel der Wahl, da der Bruch sich nicht von alleine zurückbildet. Der Eingriff ist meist unkompliziert und ohne Vollnarkose vorzunehmen; die Operationsmethode nach Shouldice eignet sich besonders für junge Betroffene und kleine Risse in der Leiste. Der Chirurg macht dabei einen Schnitt in der Leiste, verschiebt die Organe an die richtige Position und verschließt die Leiste mit körpereigenem Bindegewebe. Nachteil dieser Methode: Der Patient muss sich lange schonen – etwa zwei Monate lang. Die Schmerzen in der Leiste sollten nach der Operation jedoch verschwinden.

Eine andere gängige Methode ist die Operation nach Lichtenstein. Hierbei geht der Operateur ähnlich vor wie bei der Shouldice-OP, allerdings verwendet er für das Verschließen des Leistenbruchs ein Kunststoffnetz. Nach einem solchen Eingriff erholen sich die Patienten schnell wieder. Daher eignet sich dieses Vorgehen gerade für ältere Menschen, die insgesamt etwas länger brauchen, um sich zu erholen. Der Nachteil bei dieser Methode ist, dass ein Fremdkörper – das Netz – im Patienten zurückbleibt.

Bei modernen, minimal-invasiven Verfahren (Schlüssellochchirurgie) wird kein großer Schnitt gemacht, der Chirurg führt die Instrumente stattdessen über mehrere kleine Schnitte ein. Bei diesem Vorgehen ist eine Vollnarkose nötig, die Leiste ist dafür aber schon kurze Zeit nach der Operation wieder belastbar. Egal welche Methode der Operation letztlich angewandt wird, Schmerzen in der Leiste durch den Bruch haben Sie danach im Idealfall überstanden.

1 Statistisches Bundesamt. Abgerufen unter: https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2014/10/PD14_368_231.html (Stand: 08.11.2017)