Woher kommen die Schmerzen in der Leiste?


Beschwerden in der Leistengegend können eine Vielzahl von Auslösern haben. Bei einem stechenden, scharfen Schmerz (zum Oberschenkel ausstrahlend), liegt das manchmal nicht an der Leiste selbst, sondern an Hüftproblemen. Darüber hinaus sind auch Gelenkerkrankungen schmerzhaft, vor allem bei Belastung. Eine Arthrose im Hüftgelenk (häufige Form des Gelenkverschleißes) tritt dagegen besonders im fortgeschrittenen Alter auf und zeigt sich oftmals durch Leistenschmerzen. Sollten die Beschwerden über mehrere Tage hinweg sogar zunehmen, ist es möglich, dass eine Entzündung des Hüftgelenks vorliegt.

Weitere mögliche Ursachen für Leistenschmerzen sind

  • Muskelprobleme (beispielsweise eine verkürzte Muskulatur),
  • Erkrankungen der Harnorgane (beispielsweise ein Harnsteinleiden),
  • geschwollene Lymphknoten (infektionsbedingt oder in seltenen Fällen durch Tumore ausgelöst),
  • Erkrankungen der Geschlechtsorgane (zum Beispiel akute Entzündung des Nebenhodens, Eileiterschwangerschaft mit Platzen des Eileiters),
  • Nervenschäden oder
  • Lockerung des Beckenrings bei Schwangeren.

Da sich die Leiste im Bereich des Unterleibs, der Hüfte und des Oberschenkels befindet, ist es nicht einfach, den Schmerzherd zu lokalisieren. Klarheit verschafft in diesem Fall ein Besuch beim Hausarzt. Er kann sich mit geschultem Blick sowie einer ersten körperliche Untersuchung ein Bild machen. Bei Bedarf wird er Sie an einen Spezialisten überweisen, dem beispielsweise bildgebende Verfahren (wie Röntgen oder Ultraschal) zur Verfügung stehen, um der Ursache auf den Grund zu gehen.

Die Leiste im Überblick

  • befindet sich zwischen Unterleib, Hüfte und Oberschenkel
  • stabilisiert mithilfe von Muskeln, Bindegewebe und Bändern den Bauchraum von unten und trägt dazu bei, dass die Organe im Bauchraum bleiben

der Leistenkanal (vier bis fünf Zentimeter lang)1 verläuft hindurch: er enthält Nerven sowie beim Mann den Samenstrang und bei der Frau das Mutterband (zur Befestigung der Gebärmutter)

Die „weiche“ Leiste (oder Sportlerleiste)


Schmerzt es in der Leiste bei starker Belastung, liegt das eventuell an einer Leistenschwäche beziehungsweise einer „weichen“, instabilen Leiste. Man spricht auch von der Sportlerleiste, da häufig Fußballer und Rugbyspieler betroffen sind. Schnelle, abrupte Richtungswechsel oder Ballschüsse mit nach außen gedrehtem Bein, die in beiden Sportarten typisch sind, können die Muskeln im Bereich der Leiste stark belasten – es können sogar kleine Risse auftreten.

Durch gezieltes Training zum Beispiel im Rahmen einer Physiotherapie können Betroffene die Muskeln in Becken und Leiste stärken. Sind die Schmerzen in der Leiste sehr schlimm, raten viele Ärzte aus diesem Grund zu einer Operation, bei der die Bauchdecke zum Beispiel mithilfe von Netzen aus Kunststoff stabilisiert wird. Unbehandelt entwickelt sich sonst aus der Sportlerleiste unter Umständen ein Leistenbruch.

Leistenbruch: Symptome und Behandlung


Die Leiste ist eine Schwachstelle unseres Körpers. Steigt der Innendruck im Bauchraum stark an, zum Beispiel beim

  • Sport,
  • Husten,
  • Niesen,
  • Pressen beim Toilettengang,
  • Heben von schweren Gegenständen oder auch
  • in der Schwangerschaft,

kann die Leiste brechen – eine Lücke in der Bauchwand entsteht.

Beim Leistenbruch (Hernia inguinalis) ist es möglich, dass sich unterhalb der Leiste Teile der Eingeweide hervorwölben. „Herausfallen“ können die Bauchorgane aber nicht, da sie weiterhin vom Bauchfell eingeschlossen sind. Von außen ist die Wölbung in der Regel ertastbar oder beim Pressen auch sichtbar. Diese Ausstülpung sieht aus wie ein Sack – Fachleute sprechen daher auch vom Bruchsack. Meist ist der Leistenbruch einseitig, er kann in seltenen Fällen aber auch beidseitig auftreten.

Leistenbrüche treffen vor allem Männer

Aufgrund einer Bauchwandschwäche erleiden ältere Männer häufiger einen Leistenbruch als Frauen. Aber auch generell trifft es meistens das männliche Geschlecht. Der Grund liegt in der Anatomie: Bei männlichen Babys treten die Hoden durch eine Öffnung im Leistenkanal aus dem Bauch. Verschließt sich dieser Bereich danach nicht, haben die Kinder einen angeborenen Leistenbruch. Doch selbst, wenn die Öffnung hier wieder normal verwächst, sind im späteren Leben Brüche leichter möglich.

Symptome des Leistenbruchs


Oft ist der Leistenbruch nicht mit Schmerzen verbunden. Erkennbar ist er nur an einer Vorwölbung in der Leiste. Dennoch ist es denkbar, dass als Beschwerde leicht ziehende Schmerzen auftreten; diese zeigen sich meist bei Belastungen wie Pressen oder Husten.

Ist ein Leistenbruch sehr schmerzhaft, handelt es sich um ein Alarmzeichen. Denn es besteht durchaus das Risiko, dass Nerven oder Blutgefäße im Bruch eingeklemmt sind und in der Folge die Organe im Bruchsack unzureichend mit Blut sowie Nährstoffen versorgt werden. Hier ist eine sofortige Operation dringend nötig.

Diagnose und Behandlung eines Leistenbruchs


Die Diagnose eines Leistenbruchs kann der Hausarzt meist schon durch einen Blick und das Ertasten der Wölbung im Leistenbereich stellen. Mittels Ultraschalluntersuchung lässt sich der Verdacht erhärten.

Bei der Therapie ist die Operation das Mittel der Wahl, da der Bruch sich nicht von alleine zurückbildet. Der Eingriff ist meist unkompliziert und ohne Vollnarkose vorzunehmen; die Operationsmethode nach Shouldice eignet sich besonders für junge Betroffene und kleine Risse in der Leiste. Der Chirurg geht dabei wie folgt vor: Zunächst wird in der Leiste ein Schnitt gemacht. Anschließend verschiebt er die Organe an die ursprüngliche Position, bevor er die Leiste mit körpereigenem Bindegewebe wieder verschließt. Der Nachteil dieser Methode: Es gibt eine relativ lange Schonfrist – die Bauchmuskulatur sollte bis zu drei Monate nicht überanstrengt werden.3 Die Schmerzen in der Leiste sollten nach der Operation jedoch verschwinden.

Eine andere gängige Methode ist die Operation nach Lichtenstein. Hierbei geht der Operateur ähnlich vor wie bei der Shouldice-OP, allerdings verwendet er für das Verschließen des Leistenbruchs ein Kunststoffnetz. Nach einem solchen Eingriff erholen sich die Patienten schnell wieder. Daher eignet sich dieses Vorgehen gerade für ältere Menschen, die insgesamt eine etwas längere Erholungsphase haben.

Dem gegenüber wird bei modernen, minimal-invasiven Verfahren (Schlüssellochchirurgie) auf große Schnitte verzichtet. Stattdessen führt der Chirurg die Instrumente über mehrere kleine Schnitte ein.

Bei diesem Vorgehen ist eine Vollnarkose nötig, die Leiste ist dafür aber schon kurze Zeit nach der Operation wieder belastbar. Egal welche Methode der Operation letztlich angewandt wird, Schmerzen in der Leiste durch den Bruch haben Sie danach im Idealfall überstanden.

Tanja Albert Von der Schülerzeitung übers Journalismus-Studium in die Online-Redaktion von kanyo® - Tanja Albert hat das Schreibfieber gepackt. Gemischt mit ihrem Interesse für Ernährungs- und Gesundheitsthemen stürzt sie sich Tag für Tag in die medizinische Recherche - und bringt das Ganze auch in die Sozialen Netzwerke, nämlich als Social Media Managerin. Tanja Albert Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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