Was ist eine Morton-Neuralgie?


Mediziner bezeichnen mit dem Begriff Morton-Neuralgie eine schmerzhafte Fußbeschwerde am Vorfuß, die häufig bei Frauen zwischen 40 und 60 Jahren aufkommt.3 Wenn einer oder mehrere der Nerven, die zwischen den Köpfchen der Mittelfußknochen liegen, ständig zu viel Druck ausgesetzt sind, passiert es manchmal, dass eine knotenartige Verdickung (Morton-Neurom) entsteht. Dieser sich ausbildende Nervenknoten (Neurom) löst Schmerzen am Fuß des Patienten aus.

Wie sieht ein Morton-Neurom aus?

Der Nervenknoten ist nicht bei jedem Betroffenen gleich groß. Er kann zwischen wenigen Millimetern und der Größe einer Erbse schwanken.2 Von außen ist ein Morton-Neurom am Fuß meist nicht sichtbar.

Eine weitere spannende Tatsache in Sachen Morton-Neurom ist zudem, dass meistens die Nerven zwischen der dritten und vierten oder zweiten und dritten Zehe betroffen sind.1

Abbildung eines Morton-Neuroms.
Ein Morton-Neurom (rot) bildet sich in der Regel am oberen Ende eines Mittelfußknochens.

Morton-Neuralgie: Welche Symptome sind typisch?


Beschwerden, die viele Patienten im Rahmen einer Morton-Neuralgie am Fuß haben, sind unter anderem diese:

  • Schmerzen
  • Fremdkörpergefühl
  • Kribbeln an den Zehen

Die Schmerzen treten im Bereich eines Mittelfußknochenköpfchens auf und werden von Betroffenen als stechend beziehungsweise brennend beschrieben.

Schmerzen – wann sie kommen und gehen

Klassischerweise treten die Schmerzen auf, wenn der Patient den betroffenen Fuß belastet – vor allem dann, wenn er geschlossene, sehr enge Schuhe trägt. Anfangs lässt dabei der Schmerz wieder nach, sobald die Schuhe ausgezogen und der Fuß etwas massiert wird.

Mit Fortschreiten einer Morton-Neuralgie nehmen die Schmerzen immer heftigere Ausmaße an. Jeder Schritt kann dann messerstichartige Beschwerden verursachen. Bei manchen Personen strahlen die Schmerzen sogar bis in die Zeheninnenseiten und/oder Unterschenkel aus.

Ursachen: Wie entsteht ein Morton-Neurom?


Zu den denkbaren Ursachen einer Morton-Neuralgie zählen unter anderem diese:

  • Spreizfuß (Fußfehlstellung mit einem Auseinanderweichen der Mittelfußknochen)
  • zu enge Schuhe
  • langes Stehen
  • Überbeanspruchung des Fußes (etwa durch intensives Lauftraining)

Die Nerven, die den Vorfuß beziehungsweise die Zehen versorgen, haben bei uns Menschen wenig Platz. Dadurch wird die Entstehung einer Morton-Neuralgie begünstigt.

Hintergrundwissen

Unsere Nerven am Vorfuß verlaufen zwischen den fünf Mittelfußknochen. Die Enden (liegen näher an den Zehen) dieser Knochen nennen Ärzte übrigens Mittelfußknochenköpfchen.
Auf Höhe dieser Köpfchen laufen die zehenversorgenden Nerven unter ein Band (Ligamentum intermetatarsale), das die Köpfchen miteinander verbindet. Daher haben die Nerven an dieser Stelle einen eingeengten Raum.1

Schematische Abbildung der zehenversorgenden Nerven.
Ein Morton-Neurom entsteht meist an Stellen, an denen die zehenversorgenden Nerven (in Gelb) das Ligamentum intermetatarsale passieren.

Bei regelmäßig zu viel Druck kann ein Nerv etwa unter den Knochen gedrückt werden. Aufgrund dieser permanenten Reizung entzündet sich der Nerv, schwillt an und vernarbt möglicherweise. Nach und nach entsteht so ein Nervenknoten (Morton-Neurom). Dieser sorgt bei Patienten dann für Nervenschmerzen (Neuralgien).   

Wissenswert

Häufig bekommen gerade passionierte Läufer eine Morton-Neuralgie. Einerseits durch ein stark erhöhtes Trainingspensum und andererseits durch möglicherweise unpassendes Schuhwerk.

So erfolgt die Diagnose einer Morton-Neuralgie


Um ein Morton-Neurom zu erkennen, hat ein Arzt folgende Möglichkeiten:

  • manuelle Untersuchung (Abtasten)
  • bildgebende Verfahren
  • Einspritzen eines Betäubungsmittels

Mithilfe einer manuellen Untersuchung testet der Mediziner, ob sich Schmerz verschlimmert, wenn er mit dem Finger auf eine bestimmte Stelle im Bereich der Mittelfußknochen drückt. Kommt es zu einer Schmerzverstärkung, ist das für den Experten ein erstes Anzeichen für eine Morton-Neuralgie.

Um weitere Hinweise auf ein Morton-Neurom zu erhalten beziehungsweise es auszuschließen, setzt der behandelnde Arzt meist bildgebende Verfahren wie eine Röntgenuntersuchung, Ultraschalluntersuchung oder Magnetresonanztomographie (MRT) ein.

Darüber hinaus spritzen manche Fachmänner ihren Patienten ein Betäubungsmittel an die Stelle am Fuß, an der sie einen Nervenknoten annehmen. Wenn die Schmerzen durch die Spritze kurzzeitig vergehen, ist das ein Anzeichen für ein Morton-Neurom.

Therapie: Wie wird ein Morton-Neurom behandelt?


Im Wesentlichen kommen zur Behandlung einer Morton-Neuralgie

infrage. Ein chirurgischer Eingriff wird jedoch erst dann durchgeführt, wenn sich die Symptome durch die anderen Therapiemethoden nicht langfristig bessern.2  

Behandlung ohne Operation

Zur Therapie einer Morton-Neuralgie können nicht operative Behandlungsmaßnahmen zum Einsatz kommen, die Ihnen der behandelnde Arzt näher erläutert. Optionen, die dafür zur Verfügung stehen, sind zum Beispiel:

  • Schmerzmittel
  • Spritzen

Dabei soll mit weitem Schuhwerk, das nicht drückt, und speziell orthopädisch angepassten Einlagen dafür gesorgt werden, dass die Nerven am Mittel- beziehungsweise Vorfuß eines Betroffenen nicht ständig einem unvorteilhaften Druck ausgesetzt sind. Hiergegen kann zudem auch Physiotherapie helfen, wenn beispielsweise verkürzte Muskeln zu ungünstigen Fußbelastungen führen.

Aha!

Bei Bedarf stellt Ihnen Ihr Hausarzt oder Orthopäde ein Rezept für eine individuell angefertigte Einlage (beispielsweise aus einem Sanitätshaus) aus. Bis auf einen geringen Anteil übernehmen die meisten Krankenkassen üblicherweise die Kosten dafür.

Zur Linderung der Beschwerden wenden Patienten darüber hinaus oftmals vom Arzt empfohlene Schmerzmittel an. Das Verabreichen einer Spritze in den schmerzenden Bereich ist eine weitere Therapieoption, die einem Mediziner zur Verfügung steht.

Ziel der Spritze, welche häufig lokal wirkende Schmerzmittel oder bestimmte, entzündungshemmende Steroidhormone enthält, ist ein Abschwellen des Nervenknotens. Der gereizte Nerv soll dadurch beruhigt werden. Leider ist es häufig so, dass die Wirkung einer Spritze mit jeder weiteren Anwendung abnimmt. Daher spritzen viele Ärzte nicht öfter als zwei Mal in ein Morton-Neurom.1

Morton-Neurom: Operative Therapie

Das bewährteste Mittel bei einer Morton-Neuralgie ist eine Operation. Denn nur ab und an zeigen nicht operative Behandlungsoptionen langfristige Erfolge – die Schmerzen beziehungsweise das Morton-Neurom bessern sich durch konservative Maßnahmen meist nur kurzfristig und treten häufig erneut auf.2

Operation: Wissenswerte Fakten

In 80 Prozent der Fälle ist eine operative Behandlung erfolgreich.1 Das heißt, dass der Betroffene danach keine von der Morton-Neuralgie ausgelösten Beschwerden mehr hat. Es können lediglich leichte Wundschmerzen auftreten, die nach einigen Tagen jedoch wieder vergehen.

Wie bei jeder Operation gibt es zudem Risiken, beispielsweise

Der Eingriff erfolgt unter Voll- oder Teilnarkose (der behandelnde Arzt spricht hier seine Empfehlung aus) und ist meist nach maximal 30 Minuten abgeschlossen. 2

Doch wie genau wird ein Morton-Neurom operiert?

  • Am Fußrücken macht der Arzt einen drei bis vier Zentimeter langen Schnitt.4
  • Darüber lässt sich der verdickte Bereich am Zehennerv entfernen.
  • Abschließend vernäht der Mediziner die Wunde.

Wenn die Nervenverdickung noch nicht ganz so groß ist, gibt es des Weiteren eine alternative Operation. Bei dieser spaltet der Operateur nach dem Schnitt an entsprechender Stelle das Ligamentum intermetatarsale, um dem betroffenen Nerven mehr Raum zu verschaffen. So soll eine Druckentlastung erreicht werden.  

Da die Fußsohle bei beiden operativen Behandlungen unversehrt bleibt, kann der Patient sofort nach der Operation wieder laufen.2 Allerdings erhält er dafür in der Klinik einen speziellen Vorfußentlastungsschuh, den es circa sechs Wochen lang zu tragen gilt.2 Der Schuh schont die Wunde auch bei voller Belastung, indem er ein Abrollen des Fußes verhindert.

Morton-Neuralgie: Wie lange werden operierte Patienten krankgeschrieben?

Wie lange ein Betroffener nach einer operativen Behandlung arbeitsunfähig ist, hängt von der Regenrationsfähigkeit und dem Beruf des Patienten ab. Bei körperlich schweren Arbeiten ist in der Regel eine längere Schonzeit notwendig. Generell ist es empfehlenswert, insgesamt etwa zwei Wochen daheim zu bleiben, damit die Wunde optimal verheilt.1

Aufgrund ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin kennt Regina Brandt Krankenhäuser auch hinter den Kulissen. Durch ihr Studium der Sprach- und Kommunikationswissenschaften vermischen sich bei kanyo® ihre Kenntnisse in Sachen Online-Redaktion, Medizin und Kommunikation. Regina Lopes Bombinho Brandt Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin kanyo® mehr erfahren
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Quellen anzeigen
  • 1Ärzte für Orthopädie und Traumatologie Orthoklinik Baselland: Morton Neurom. https://www.leonardo-ortho.ch/files/downloads/handouts/fuss/Morton-Neurom.pdf - Stand 04.11.2019
  • 2Schaenzler/Nicole: Endlich wieder schmerzfrei! https://www.mvz-im-helios.de/wp-content/uploads/2016/08/2010_03_topfit_drzenta_endlich_wieder_schmerzfrei.pdf - Stand 15.11.2019
  • 3Imhoff, Andreas/Zollinger-Kies, Hans (Hg): Fußchirurgie. Stuttgart/New York: Georg Thieme Verlag 2004. S. 122.
  • 4Beta Klinik: Morton-Metatarsalgie / Morton-Neuralgie. https://www.betaklinik.de/fachrichtungen/neurochirurgie/periphere-nerven/erkrankungen/morton-metatarsalgie-morton-neuralgie/ - Stand 15.11.2019