Was hat denn “Zug” mit Schmerzen zu tun?


Einen sogenannten „Zug“ bekommen wir, wenn unsere Muskulatur durch kalte Zugluft zu sehr abkühlt. Die Muskeln verhärten sich und streiken in den betroffenen Körperteilen. Besonders häufig sind Bereiche des Rumpfes betroffen und gerade der Nacken reagiert oft empfindlich auf Zugluft. Es kommt zu Rückenschmerzen.

Unser Nacken ist eine besondere Schwachstelle, da er häufig nicht von Kleidung bedeckt ist. Einen Zug holen wir uns zum Beispiel, wenn wir mit ungeschütztem Nackenbereich im Cabrio fahren oder am offenen Fenster sitzen. Nicht selten ist dann am nächsten Tag ein steifer Nacken die Folge: Drehbewegungen des Kopfes fallen schwer oder sind nur unter Schmerzen möglich.

Überblick: Durch Zug entstandene Symptome:

  • Muskelverspannungen und Schmerzen, vor allem im Rumpf; Lenden-, oberer Rücken-, Schulter- und Nackenbereich; ziehen selten auch mal bis in die Arme und Beine
  • Blockaden und Versteifungen
  • in schweren Fällen Kribbeln („Ameisen“-Gefühl), Taubheitsempfindung

Gut zu wissen: Die Rückenmuskulatur bildet zusammen mit den Bauchmuskeln, Sehnen, Bändern und Gelenken sowie der Wirbelsäule ein komplexes System. Die Verspannung von Muskelgruppen im Rückenbereich führt Schmerz bedingt häufig zu einer eingeschränkten Beweglichkeit und damit zu einem Ungleichgewicht des Haltungsapparates. Die vielen Nerven im Rücken werden von der verhärteten Umgebung gereizt und diese reagieren darauf mit Schmerzimpulsen.

Rückenschmerzen durch Zugluft behandeln


In der Regel halten durch Zug hervorgerufene Verspannungen sowie Schmerzen nicht lange an, sie gehören zu den akuten Gesundheitsproblemen (weniger als 6 Wochen)1. Dennoch können Sie sehr lästig sein und so wünschen sich Patienten ein rasches Abklingen der Beschwerden.

Um die Muskulatur bei zugluftbedingten Rückenschmerzen möglichst schnell wieder zu lockern, sollten Sie die betroffene Stelle des Körpers mit Wärme behandeln. Zur Therapie eignet sich zum Beispiel

  • eine Rotlichtlampe, deren warmen Strahl Sie einfach auf den Schmerzbereich richten,
  • eine klassische Wärmflasche oder
  • ein erwärmtes Kirschkernkissen.

Wer gerade nichts dergleichen zur Hand hat, kann sich warme Kompressen machen: Dazu ein Tuch in heißes Wasser tauchen und gut auswringen. Legen Sie es in ein trockenes Handtuch und platzieren Sie die Kompresse auf der Haut.

Auch Wärmepflaster, die in der Apotheke erhältlich sind, sorgen durch ihre Wirkstoffe für eine bessere Durchblutung der Muskulatur. Allerdings sollten Menschen mit Allergieneigung damit etwas zurückhaltend sein. Das enthaltene Capsaicin (ein Pfefferextrakt) kann mitunter schwere Hautreizungen hervorrufen. Lassen Sie sich hier von einem Arzt oder Apotheker beraten. Zudem sollten Sie sich die Hände gut waschen, damit der Wirkstoff nicht noch in die empfindlichen Augen gelangt.

Mal warm, mal kalt

Manchen Menschen empfinden die lokale Anwendung von Kälte zur Lösung von Muskelverspannungen angenehmer als Wärme. Bitte achten Sie darauf, dass Sie nicht zu kalte Coolpacks auf die betroffene Stelle legen, da sonst lokale Erfrierungen drohen. Umwickeln Sie sie lieber mit einem Tuch. Neben Coolpacks eignen sich auch kalte Kompressen sehr gut.

In manchen Fällen sind Schmerzmittel kurzfristig hilfreich. Sie schalten den Schmerz aus und erlauben es, unbeschwert die betroffenen Körperpartien zu bewegen. Und das ist wichtig, denn die Muskeln sollten zeitnah, sobald es eben funktioniert, mobilisiert werden. Denn die Muskulatur nimmt bei Schonhaltung relativ schnell ab und untrainiertes Gewebe neigt wieder eher zu Verspannungen – ein Teufelskreis beginnt.

Wichtiger Hinweis: Wenn die Beschwerden nicht nachlassen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Ihr Hausarzt ist hier der richtige Ansprechpartner. Bei Bedarf leitet er Sie weiter an einen Facharzt, zum Beispiel einen Orthopäden (Spezialist für den menschlichen Stütz- und Bewegungsapparat aus Knochen, Sehnen, Gelenke und Muskeln). Ein Mediziner kann überprüfen, ob wirklich Zugluft für Ihre Beschwerden verantwortlich ist oder sich etwas anderes, wie ein Bandscheibenvorfall beispielweise, hinter den Nackenschmerzen verbirgt. Nur nach der gestellten Diagnose ist eine geeignete Behandlung der eigentlichen Ursache möglich.

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Schmerzen durch Zugluft vermeiden


Wurden die zugluftbedingten Beschwerden erfolgreich behandelt, gilt es die Probleme zukünftig möglichst zu vermeiden. Wie das gelingt? Mit diesen Tipps:

  • Es klingt zu einfach: Zugluft verhindern. Aber vor allem im schwülen Sommer wird schnell und unbedacht das Fenster bei der Autofahrt geöffnet. Was kurzzeitig Erleichterung vor der Hitze verschafft, reizt auf längere Zeit die Muskulatur. Ein kurzer Frischluftaustausch sollte genügen.
    Ansonsten ist das Tragen eines leichten Schals oder eines Halstuchs ratsam. Aber auch hochgeschlossene oder hochgestellte Krägen können den Nacken vor kaltem Zug schützen und Rückenschmerzen durch Zugluft vorbeugen.
  • Wenn Sie Ihre Wohnräume in der kalten Jahreszeit mit Durchzug lüften, verlassen Sie bitte den zugigen Raum während des Stoßlüftens. Oder ziehen Sie sich entsprechen eine Strickjacke oder einen Schal an. Reagieren Sie bereits auf die ersten Kältegefühle und bedecken Sie die jeweilige Körperpartie.
  • Klimaanlagen sollten nicht zu niedrig eingestellt werden. Der Unterschied zwischen Innen- und Außentemperatur – ob nun im Auto oder im Büro – sollte nicht mehr als 6 Grad Celsius betragen.2
  • Stress reduzieren, das meint genauso positive Anstrengung, wie die Planung einer Urlaubsreise. Unter psychischer Anspannung verkrampft die Muskulatur ebenfalls. Wenn dann noch eine Reizung durch Zugluft dazukommt, sind Beschwerden quasi programmiert.
  • Mit einer starken, trainierten Muskulatur lässt sich so einigem trotzen – auch kalter Zugluft. Der Grund: Die einzelnen Muskelzellen verbrauchen kontinuierlich Energie, selbst wenn sie gerade nicht aktiviert werden, wie beim Sport. Dieser Prozess erzeugt Wärme im Körper.
Carolin Stollberg Schreiben ist ihre Leidenschaft – und das am liebsten über Themen, die die Menschen wirklich bewegen. Nachdem sich Carolin Stollberg in ihrem Studium der Germanistik alle Instrumente angeeignet hat, die sie für das Schreiben guter Texte benötigt, konnte sie sich voll und ganz Ihren Interessensschwerpunkten widmen: Gesundheit und Medizin. Seit Juli 2018 schreibt sie mit Hingabe und Sorgfalt für kanyo®. Carolin Stollberg Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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