Zahlen und Fakten kompakt

  • Von Rückenschmerzen kann jeder betroffen sein: Männer und Frauen, jung und alt sowie alle sozialen Schichten.
  • Generell sind es aber die Frauen, die häufiger darunter leiden und deshalb einen Arzt aufsuchen sowie vermehrt Schmerzmittel einnehmen.1
  • Bei jeder vierten Frau und jedem sechsten Mann sind die Schmerzen chronisch, das bedeutet, sie dauern bereits mindestens 3 Monate an.1
  • Prinzipiell können die Beschwerden von allen anatomischen Strukturen des Rückens ausgehen, beispielsweise von den Wirbelkörpern, Gelenken, Bändern oder den Muskeln. In Betracht gezogen werden müssen aber auch gereizte Nerven, die einen in andere Körperbereiche ausstrahlenden Rückenschmerz zur Folge haben.
  • Meist liegen unspezifische Rückenschmerzen vor, das heißt, Ärzte können keine medizinisch eindeutige Ursache ausmachen.

Rückenschmerzen einordnen


Der Begriff Rückenschmerzen umfasst zahlreiche Formen von Beschwerden in verschiedenen Arealen des Rückens, die für den Betroffenen unterschiedlich stark schmerzhaft sind. Diese Definition ist erst einmal unabhängig von deren Ursache.

Um das Krankheitsbild besser einordnen zu können, werden die Schmerzen klassifiziert, und zwar nach

  • Lokalisation (beispielsweise im oberen oder unteren Rücken),
  • Ätiologie (Ursache),
  • Dauer (akut, subakut oder chronisch),
  • Qualität (setzt sich aus subjektivem Empfinden – beispielsweise stark oder schwach – sowie einer neutralen Schmerzbeschreibung – wie brennend oder stechend – zusammen),
  • damit verbundenen Beschwerden (zum Beispiel eingeschränkte Aktivität) sowie
  • Auftretensmuster (beispielsweise, wenn die Schmerzen nach einem Zeitintervall, in dem es dem Patienten gut ging, wiederkommen),

Außerdem spielt es eine Rolle, ob die Schmerzen radikulär oder nicht radikulär sind. Ersteres bedeutet, der Schmerz strahlt vom Rücken in andere Körperregionen wie die Beine aus, was auf eine Reizung einer Nervenwurzel schließen lässt.

Wo sitzt der Schmerz?

Immer wieder hört und liest man auch von Kreuzschmerzen. Ist das jetzt das gleiche wie Rückenschmerzen? Und was hat es mit Hexenschuss und Ischialgie auf sich?
Versuchen wir, die Begrifflichkeiten zu entwirren:

  • Kreuzschmerzen: Damit sind auch Schmerzen im Rücken gemeint, die jedoch einen ganz bestimmten Wirbelsäulenabschnitt betreffen, und zwar die Lendenwirbelsäule. Der Patient hat Schmerzen im unteren Rücken, vom unteren Rippenbogen bis zu den Glutealfalten (Gesäßfurche, Falte unterhalb der Pobacken).
  • Hexenschuss (Lumbago): Die Beschwerden treten im Lendenbereich auf, und zwar plötzlich und heftig. Sie sind auf diese Körperregion begrenzt.
  • Lumboischialgie/Ischialgie: Bei dieser Form strahlen die – ebenfalls im Bereich der Lendenwirbelsäule lokalisierten – Schmerzen in ein Bein und den Fuß oder die Zehen aus.1

Einteilung nach zeitlichem Verlauf


Die folgende Tabelle zeigt, wann Mediziner von akuten, subakuten oder chronischen Rückenschmerzen sprechen:1

Scroll Table
BegriffDefinition
akut
  • Schmerzen treten erstmalig auf oder
  • erneut nach einem symptomfreien Zeitintervall von mindestens 6 Monaten (sogenannte rezidivierende Schmerzen) und
  • bestehen höchstens 3 Monate lang.
  • Ein Großteil der als akut unspezifisch eingestuften Rückenschmerzen nimmt innerhalb weniger Wochen ab.
subakut (gemeint ist der Schmerzzustand nach akut und vor chronisch)
  • Beschwerden halten länger als 6 Wochen an.
chronisch
  • Rückenschmerzen, unter denen Betroffene bereits mindestens 3 Monate ohne Unterbrechung leiden.

Rückenschmerzen und Psyche

Nicht zu unterschätzen ist unter anderem unsere Psyche, die Einfluss darauf nehmen kann, ob ein akuter Krankheitsverlauf in einen chronischen übergeht.3 Psychosoziale Faktoren sind zum Beispiel negativer Stress, Probleme in der Partnerschaft und/oder im Job, Selbstüberforderung sowie Depressivität. Stehen wir beispielsweise unter Dauerstress, spannen sich unsere Muskeln an. Doch diese körperlichen Empfindungen fallen uns zunächst manchmal nicht auf, da sie von der jeweiligen Situation „überlagert“ werden, wir abgelenkt sind. Allerdings machen sich der Körper und die Erschöpfung irgendwann eben doch bemerkbar. Die Schmerzen verstärken sich, was wiederum mit einer zunehmenden Muskelspannung einhergeht. Betroffene nehmen eine Schonhaltung an und schränken sich in ihrem täglichen Leben ein. Die zunehmenden Sorgen verursachen noch mehr Stress – ein Teufelskreis ist entstanden.3

Spezifisch oder unspezifisch


In der Medizin erfolgt darüber hinaus eine Abgrenzung zwischen spezifischen und unspezifischen Rückenschmerzen. Während es bei den spezifischen einen eindeutigen körperlichen Auslöser für den Schmerz gibt (beispielsweise einen Bandscheibenvorfall), ist dies bei unspezifischen Rückenschmerzen, die mit circa 80 Prozent4 der Fälle den Löwenanteil stellen, nicht der Fall. Hier liegen vielmehr mehrere Faktoren vor, die den Rückenschmerz begünstigen, wie Muskelverspannungen nach Über- oder Fehlbelastung oder zu wenig Bewegung. Rückenschmerzen gehen häufig auch mit äußeren Umständen, die den Arbeitsplatz betreffen, einher. Hier sind starkes Heben, Tätigkeiten in ungünstigen Körperhaltungen, Vibrationseinwirkungen (zum Beispiel im LKW) oder langes Sitzen zu nennen. Die Therapie bei unspezifischen Schmerzen im Rücken erfolgt daher rein symptomatisch.

Begleiterscheinungen von Rückenschmerzen


Das Spektrum von Rückenschmerzen ist groß: Oftmals steckt keine allzu ernste Ursache dahinter. Dennoch ist es von großer Bedeutung, die Beschwerden rechtzeitig zu behandeln und die entsprechenden Auslöser zu meiden oder zumindest zu verringern.

Dazu ist es nicht nur wichtig, die Rückenschmerzen selbst richtig einzuordnen, sondern auch die Symptome zu erkennen, die in vielen Fällen gemeinsam mit dem Stechen oder Ziehen am Rücken auftreten. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Kopfschmerzen
  • Nackenschmerzen
  • Schmerzen im Bereich der Schultern oder Arme
  • Erschöpfung

  • unruhiger Schlaf
  • Bewegungseinschränkungen des Rückens am Morgen
  • Missempfindungen, wie Kribbeln in den Händen oder Füßen
  • Lähmungserscheinungen

Häufig werden diese Beschwerden allerdings nicht als Begleiterscheinungen von Rückenschmerzen erkannt, sondern stattdessen anderen Erkrankungen oder auch dem Alltagsstress zugeschrieben. Dennoch stehen sie meist in Verbindung mit den Rückenproblemen.

Wodurch kommt es zu Rückenschmerzen?


Eine lange Reihe von Ursachen kann für die Entstehung von Rückenschmerzen verantwortlich sein. Um richtig auf die Beschwerden zu reagieren, gilt es, den genauen Auslöser zu identifizieren – auch für den Arzt stellt dies, aufgrund der Vielzahl möglicher Ursachen und deren Zusammenhängen untereinander, mitunter eine Herausforderung dar. Möglich sind unter anderem:

  • Bandscheibenvorfall
  • Verletzungen
  • Osteoporose (Knochenschwund)
  • Arthrose (Schädigung des Gelenkknorpels)
  • Entzündung der Wirbelsäule
  • Gürtelrose (Infektionskrankheit der Nerven und Haut)
  • Rippenfellentzündung (schmerzt beim Atmen)

All diese Faktoren können einzeln oder in Kombination miteinander die Entwicklung von Rückenschmerzen in Gang setzen. Wie sich die Schmerzen genau anfühlen und welche Beschwerden zusätzlich auftreten, hängt dabei ganz entscheidend von der jeweiligen Ursache ab.

Das stimmt nachdenklich:

Der Großteil aller Menschen wird mit einem vollfunktionalen Bewegungsapparat geboren. Wie kommt es also, dass mehr als 70 Prozent über Rückenprobleme berichten? Vielfacher Grund ist eine falsche, einseitige Nutzung oder zu wenig Belastung. Die eigentlichen Teamplayer wie Muskeln, Bänder und Gelenke werden so in ihrer Funktion beeinträchtigt.5

Häufig stecken verkrampfte Muskeln und/oder Nerven, auf die umliegendes Gewebe Druck ausübt, hinter den Rückenschmerzen. Langes oder falsches Sitzen beispielsweise begünstigt die Entstehung einer dauerhaft gesteigerten Muskelspannung im Rücken. Die umliegenden Nerven reagieren sensibel auf diese Veränderung und leiten den Schmerzreiz weiter ans Gehirn. Äußerlich fühlen sich die betroffenen Bereiche spürbar verhärtet an. Daneben können aber auch Nerven selbst heftige Rückenschmerzen auslösen: Werden sie eingeklemmt senden sie starke Schmerzsignale aus. Dies ist beispielsweise bei einer Wirbelfehlstellung oder einem Bandscheibenvorfall der Fall.

Achtung

Rückenschmerzen können allerdings ebenso ein Symptom von Lungenerkrankungen wie chronischer Bronchitis sein. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie ein Herzinfarkt sind bei starken, in den Rücken ausstrahlenden Schmerzen denkbar.

Übrigens: Womöglich gehen Ihre Rückenschmerzen auf den Psoas-Muskel zurück, der unseren Ober- mit dem Unterkörper verbindet. Mehr dazu in unserem Podcast:

  • Rückenschmerzen vorbeugen mit Psoas-Training Psoas? Noch nie gehört? Die wenigsten Menschen schenken dem großen Lendenmuskel die nötige Aufmerksamkeit – sollten sie aber, findet Prof. Dr. Ingo Froböse. Im Gesundheitspodcast verrät der Sportwissenschaftler mehr.

Rückenschmerzen diagnostisch abklären lassen


Leiden Sie – vielleicht sogar schon längere Zeit – unter Rückenschmerzen, sollten Sie nicht zögern und einen Arzt aufsuchen. Machen Sie sich vor dem Arztbesuch nicht unnötig Sorgen: In den meisten Fällen steckt keine schwere Erkrankung hinter den Beschwerden.

Doch es ist wichtig herauszufinden, was für die Symptome verantwortlich ist. Denn nur so können

  • schwerwiegende Erkrankungen als Ursache ausgeschlossen und
  • die Schmerzen verringert werden.

Die Untersuchung stützt sich daher nicht nur auf ein ausführliches Patientengespräch, sondern auch auf einige körperliche sowie bildgebende Untersuchungsverfahren. Zur Auswahl stehen dabei (je nach Verdacht):

  • Überprüfung auf Schon- oder Fehlhaltung
  • Anfertigung eines Blutbilds (um Entzündungen auf die Spur zu kommen)
  • Untersuchungen des Urins (bei möglichen Nierenerkrankungen)
  • Röntgen
  • Kernspin- oder Computertomografie

Auch eine Elektromyografie (EMG) zur Prüfung der elektrischen Muskelaktivität sowie eine Elektroneurografie (ENG) zur Testung der Nervenleitung sind denkbar.

Rückenschmerzen behandeln


Die Therapie orientiert sich an den Ergebnissen der Diagnose. So werden Rückenschmerzen infolge einer Nierenbeckenentzündung selbstverständlich anders behandelt als ein Bandscheibenvorfall. Bei der Linderung und Vorbeugung der Rückenprobleme sind jedoch oft dieselben Tipps hilfreich.

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Wichtig sind:

  • ein rückenfreundlicher Arbeitsplatz
  • ausreichend und vor allem regelmäßige Bewegung
  • die Vermeidung von Stress
  • Übungen gegen Rückenschmerzen
  • Entspannung, beispielsweise durch Yoga, Qigong oder autogenes Training
  • Wärme (zum Beispiel eine Wärmflasche)

Daneben kann der Arzt Maßnahmen zur Linderung der Symptome einleiten, beispielsweise indem er entzündungshemmende, schmerzlindernde oder muskelentspannende Medikamente verschreibt. Der Mediziner ist es auch, der dem Patienten bei Bedarf eine Physiotherapie verschreibt.

Warnhinweise: Wann Sie mit Rückenschmerzen sofort einen Arzt aufsuchen sollten

Es gibt einige Symptome, die eine sofortige Vorstellung beim Arzt notwendig machen.

Alarmzeichen (sogenannte „red flags“) sind beispielsweise:

  • zusätzliches, unklares Fieber, Abgeschlagenheit, Gewichtsabnahme
  • Lähmungserscheinungen in den Beinen
  • gestörte Funktion von Harnblase und/oder Darm (beispielsweise Kontinenzstörungen)
  • Rückenschmerzen, die sich stark verschlimmern
  • Gefühlsstörung im Bereich des Gesäßes

Bitte nehmen Sie Beschwerden dieser Art nicht auf die leichte Schulter, sondern lassen Sie die Ursache ärztlich abklären. Dies gilt insbesondere dann, wenn bei Ihnen eine Osteoporose, Tumorerkrankung oder HIV-Infektion festgestellt wurde.3

Jenni Graf Könnte Jenni Graf Blut sehen, wäre sie Ärztin geworden – da das aber leider nicht der Fall ist, hat sie sich für den deutlich unblutigeren Beruf der Medizinredakteurin entschieden. Nach ihrem Medizinjournalismus-Studium stieß sie 2016 zu kanyo®. Jenni Graf Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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