Hilfe bei Ischiasbeschwerden: Behandlung und Vorbeugung

Oktober 7, 2019

1 Min.

Was die meisten Menschen unter dem Begriff „Ischias“ verstehen, ist in Wirklichkeit eine Ischialgie. Also Schmerzen sowie Beschwerden, die Körperregionen betreffen, an denen der Ischiasnerv entlangläuft – beispielsweise Taubheitsgefühle oder Kribbeln in den Beinen. Der Nerv zieht sich vom unteren Rücken über die Beine bis hin zu den Füßen. Verantwortlich für die Symptome bei Ischialgien ist eine Reizung des Ischiasnervs, deren Ursache beispielsweise ein Bandscheibenvorfall sein kann. Wir erklären Ihnen mehr zur Behandlung und Vorbeugung von Ischiasbeschwerden.

Wärme für eine schnelle Hilfe bei Ischiasbeschwerden


Übersicht:


Aha!

Typische Ischiasbeschwerden machen sich mit Rückenschmerzen im unteren Bereich des Rückens bemerkbar, die in die Beine ausstrahlen.1

Wie lassen sich Probleme behandeln, die den Ischias betreffen?

Die Therapie einer Ischialgie – auch Ischiassyndrom genannt – richtet sich nach der auslösenden Ursache und den vorhandenen Symptomen. Zu den Therapiemöglichkeiten, die Ärzte für Ihre Patienten in Erwägung ziehen, zählen diese:

  • Bettruhe: Diese kann für wenige Tage sinnvoll sein, wenn die Reizung des Ischiasnervs stark ist – der Patient also heftige Ischiasbeschwerden verspürt.1 Das Liegenbleiben im Bett schont den Betroffenen und trägt damit zu dessen Genesung bei. Jedoch ist eine zu lange Bettruhe meist kontraproduktiv bei Schmerzen aufgrund des Ischias. Zum Beispiel, weil sich dadurch verspannte Muskeln nicht lockern, die der Grund für Ischialgien sein können.
  • Beine hochlagern: Besonders die Stufenlagerung hat sich bewährt.1 Der Betroffene muss sich hierfür flach auf den Rücken legen und die Beine nach oben legen. Wenn die Oberschenkel dabei im rechten Winkel auf einer Ablage (etwa ein Wasserkasten mit einem Kissen darauf oder ein Hocker) ruhen, ist die korrekte Position eingenommen.2 Das Hochlagern der Beine wirkt Gelenkversteifungen, Muskelverspannungen sowie -verkürzungen entgegen und ist förderlich zur Entspannung und Schmerzlinderung.3

Schauen Sie sich in diesem Video die Stufenlagerung an:

  • Medikamente: Hilfe gegen den Ischiasschmerz bietet eine Behandlung mit Schmerzmitteln (Analgetika) und Präparaten zur Muskelentspannung (Muskelrelaxanzien). Die medikamentöse Behandlung behebt jedoch nicht die Ursache einer Ischialgie.1 Eine Einnahme von solchen Arzneimitteln hat aber neben der Entlastung des Patienten den Vorteil, dass der Teufelskreis aus Schmerz, Schonhaltung und Verkrampfung durchbrochen wird.
    Die Schmerzreduktion ermöglicht wieder mehr Aktivität im Alltag, was die Prognose insgesamt positiv beeinflusst. Manchmal – etwa, wenn verspannte Muskeln im unteren Rücken auf den Ischiasnerv drücken – klingen die Beschwerden mit dem Ischias nach einer Schmerzbehandlung ganz ab.

    In Schmerzmitteln enthaltene Wirkstoffe sind zum Beispiel Paracetamol, Diclofenac oder Ibuprofen.4 Muskelentspannende Arzneimittel wirken beispielsweise mit Tolperison.4 Gerade Muskelrelaxanzien sind verschreibungspflichtig, genauso wie stärkere Schmerzmittel. Generell sollten Sie jede Einnahme von Medikamenten gegen Ischiasbeschwerden vorher mit einem Arzt besprechen, um eventuelle Unverträglichkeiten oder Wechselwirkungen mit anderen Präparaten zu vermeiden.
  • Injektionen: Bei Ischiasbeschwerden ist auch das Spritzen von schmerzstillenden und entzündungshemmenden Wirkstoffen an den Ausgangspunkt der Schmerzen – meist der untere Rücken – möglich. Schmerzreduktion sowie geringere Nervenerregbarkeit sind die wesentlichen Effekte einer Injektion, die der behandelnde Mediziner durchführt. In der Regel kommen Spritzen mit Wirkstoffen wie Lidocain nur dann zum Einsatz, wenn andere Maßnahmen (beispielsweise die Einnahme von Medikamenten gegen Ischiasschmerzen) bei einem Betroffenen nicht geholfen haben. Wie oft beziehungsweise wie lange eine Behandlung mittels Injektionen erfolgt, ist immer von Patient zu Patient unterschiedlich4
  • Physiotherapie: Sie zielt bei einer Reizung des Ischias (beispielsweise durch einen Bandscheibenvorfall) darauf ab, Schmerzen zu lindern, betroffene Bewegungssegmente zu stabilisieren, Muskeln zu kräftigen, Muskelschwund vorzubeugen und natürliche Bewegungsabläufe wiederherzustellen.4 Letztere verändern Betroffene manchmal aufgrund der Schmerzen. So gibt es beispielsweise Patienten, die sich nicht mehr trauen, ihr schmerzendes Bein vollständig zu belasten – das führt mitunter auch zum Schwinden von Muskeln und zu Fehlhaltungen.

    Die Physiotherapie gestaltet sich dabei immer individuell. Der Physiotherapeut nutzt zur Therapie zum Beispiel Massagen und leitet den Patienten zu Bewegungen an, die etwa der Entwicklung von Schonhaltungen entgegenwirken.
  • Krankengymnastik: Diese Behandlungsmöglichkeit ist Bestandteil der Physiotherapie und kommt besonders dann zum Einsatz, wenn die Ischiasbeschwerden bereits zu Bewegungs- und Haltungsstörungen bei einem Patienten geführt haben. Bestimmte Übungen, die Krankengymnasten in Einzelsitzungen oder Gruppen erklären, kräftigen Muskeln und verbessern die Körperspannung sowie die Beweglichkeit.4
  • Operation: In manchen Fällen muss eine Operation erfolgen. Zum Beispiel, wenn ein Bandscheibenvorfall oder eine Bandscheibenvorwölbung den Ischias so sehr einengen, dass Symptome wie Lähmungen auftreten oder die Schmerzen anders nicht behandelbar sind.4 Bei der Bandscheiben-Operation wird der Ischiasnerv vom Druck befreit, den die Bandscheibenveränderung auf ihn ausübt. Auch eine endoskopische Entfernung von störenden Bandscheibenmaterial mithilfe eines mit einer Kamera bestückten, speziellen Operationsinstruments (Endoskop) ist heutzutage möglich.

Falls Sie sich fragen, welcher Arzt der richtige für eine Behandlung des Ischias ist, so gilt Ihr Hausarzt als eine gute erste Anlaufstelle. Bei Bedarf überweist dieser Sie auch an einen Facharzt – oftmals ein Neurologe (Experte in Sachen Nervenerkrankungen). Der Gang zum Mediziner empfiehlt sich bei Rückenschmerzen darüber hinaus deswegen, weil nur ein Spezialist Ihnen eine Ischialgie sicher diagnostizieren kann.


Spannend!

In vielen Fällen regeneriert sich der Ischias selbstständig, vor allem wenn beim Bandscheibenvorfall nur wenig der gelartigen Masse ausgetreten ist. Häufig sind die Selbstheilungskräfte des Körpers so groß, dass sich die Ischiasbeschwerden nach einigen Tagen bis Wochen von alleine wieder bessern.

Wie viel Zeit eine Ischiasbehandlung in Anspruch nimmt, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Nicht zuletzt hängt die Therapie- und Genesungsdauer auch davon ab, welche Ursache zugrunde liegt. Bei einem operationsbedürftigen Bandscheibenvorfall dauert der Therapieprozess beispielsweise etwas länger, als bei einer Muskelverspannung.

Selbsthilfe: Ischiasbeschwerden, was kann ich tun?

Sie können auch selbst aktiv werden, wenn Sie unter Ischiasschmerzen leiden. Natürlich sollte dabei eine medizinische Untersuchung nicht ausbleiben und die gewählte Maßnahmen vorher mit dem Arzt abgesprochen sein. Zu diesen zählen etwa die folgenden:

  • Wärme und Kälte: Je nach Ursache der Ischiasbeschwerden (meist, wenn ein Muskel auf den Ischias drückt), sind in der akuten Phase auch Wärme oder Kälte als Hausmittel bewährt. Hier hilft beispielsweise eine Wärmflasche oder ein in der Mikrowelle erwärmtes Kirschkernkissen, das auf die schmerzende Stelle aufgelegt wird. Wem Wärme nicht gut tut, der kann es mit Kälte in Form eines Coolpacks (spezieller Beutel zum Kühlen, oft mit blauem Gel gefüllt) versuchen. Wärmende sowie kühlende Elemente, sollte jedoch von einem Tuch umhüllt sein, um die Haut nicht zu schädigen.
  • Wärme eignet sich zur Behandlung einer Ischialgie, weil sie die Durchblutung anregt und dadurch schmerzlindernd als auch muskelentspannend wirkt. Zudem trägt sie zur generellen Erholung des Patienten bei. Kälte hat sich aufgrund der Tatsache, dass sie bei längerer Anwendung Verkrampfungen lockern kann, als Hausmittel gegen Ischiasbeschwerden bewährt.

    Darüber hinaus reduziert Kälte Schmerzen. Denn sie schafft es oft, die Leistung der Schmerzrezeptoren am Ischiasnerv etwas herunterzufahren. Die Schmerzweiterleitung des Nervs wird herabgesetzt.6

  • Massagen: Ist es ein verspannter Muskel, der Druck auf den Ischias ausübt, dann eignen sich häufig Massagen als Hausmittel. Grundsätzlich empfehlenswerter ist es, wenn diese ein Physiotherapeut durchführt. Ergänzend können Sie zwischen den Terminen jedoch sich selbst behutsam mit den Händen oder beispielsweise einem Tennisball massieren, um Muskeln zu entspannen.

    FBei Ischiasschmerzen kann es helfen, den Piriformis-Muskel zu massieren.

    Doch wo massieren bei Ischiasschmerzen? Ein Muskel, der den Ischias einklemmen kann, ist der birnenförmige Piriformis-Muskel – und zwar dann, wenn der Piriformis verspannt ist. Der Muskel befindet sich unterhalb des großen Gesäßmuskels und verbindet das Kreuzbein mit dem Oberschenkel. Unter anderem kann daher eine Massage im Bereich des Piriformis (also am Gesäß) zur Linderung der Ischiasbeschwerden beitragen.7

  • Bewegung: Sie schafft es, Muskeln zu dehnen und zu entspannen. So gibt es gerade gegen Ischiasschmerzen einige bewährte Übungen, die positiv zum Heilungsprozess beitragen können. Darüber hinaus lassen sich so Verkrampfungen infolge der Schmerzen vermeiden.
  • Tipp – in diesem Video sehen Sie drei geeignete Übungen, um Ischiasbeschwerden zu lindern:

  • Richtig liegen: Bei bestehenden Ischiasschmerzen hilft es häufig, wenn die Wirbelsäule beim Liegen möglichst wenig belastet wird. Das erreichen Patienten am besten durch das Schlafen in Seitenlage mit etwas angewinkelten Beinen. In dieser Position befindet sich die Wirbelsäule in ihrer natürlichen Krümmung.
  • Ganz bewusst lässt sich jedoch nur die Einschlafposition beeinflussen. Denn im Schlaf drehen wir Menschen uns unwillkürlich hin und her. Doch in der Regel, wenn die Matratze nicht so weich ist, dass der Ruhende ständig einsinkt, bewegt sich der Körper selbständig aus ungünstigen Schlafhaltungen.8


Gut zu wissen

Manche Personen setzen bei Ischiasbeschwerden auch auf alternative Methoden der Therapie wie Akupunktur, Akupressur oder Homöopathie. Die beiden ersten Methoden helfen zum Beispiel gegen Verspannungen. Homöopathische Mittel, die etwa mit Indianischem Wurmkraut oder Arnika wirken, sind mitunter dazu in der Lage, Nervenschmerzen durch Ischialgien zu lindern.

Ischialgie: Wie kann man vorbeugen?

Yoga, um Ischiasbeschwerden vorzubeugen

Um Ischiasbeschwerden möglichst zu vermeiden, eignen sich unter anderem die folgenden Punkte:

  • Bewegung: Neben der dehnenden oder entspannenden Wirkung bei bereits bestehenden Beschwerden, hilft Bewegung auch bei der Vorbeugung. So kann sie dazu beitragen, einen Bandscheibenvorfall zu vermeiden, der Ischiasschmerzen häufig bedingt. Denn Bewegung trägt zur Schonung der Bandscheiben bei. So wird durch Übungen wie Crunches beispielsweise die Rückenmuskulatur gestärkt. Diese entlastet die Wirbelsäule und sorgt dafür, dass die Bandscheiben weniger Druck ausgesetzt sind, der ihnen schaden könnte. Zudem verkrampfen sich bei Menschen, die sich regelmäßig bewegen, die Muskeln seltener.
  • Frau trainiert ihre Rückenmuskulatur, um Ischiasbeschwerden vorzubeugen
    Ein gezielter Aufbau der Rückenmuskulatur hilft, Ischiasbeschwerden vorzubeugen.

    Rückenfreundliche Lebensweise: Sie hilft oftmals dabei, Ischiasproblemen vorzubeugen. Man sollte insbesondere alles meiden, was dem Rücken sowie den Bandscheiben nicht guttut. Beispielsweise schweres Heben, langes Sitzen oder wenig Bewegung. Das gilt natürlich auch im Fall von bestehenden Ischiasschmerzen.

    Gut für den Rücken ist dagegen eine trainierte Rückenmuskulatur sowie ein rückenfreundliches Leben. So kann es etwa am Arbeitsplatz förderlich sein, die Sitzhaltung immer wieder zu verändern, um mehr Bewegung zu erhalten. Zwar ist beim aufrechten Sitzen unsere Wirbelsäule optimal belastet, doch auf Dauer ist ihr auch dies nicht zuträglich und führt bei stundenlangem Sitzen zu einer Überbelastung der Muskulatur und der Bandscheiben.

Regina Lopes Bombinho Brandt
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Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin
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