Gürtelrose kurz und knapp erklärt

  • neurokutane Viruskrankheit, das heißt, die Symptome betreffen die Haut und das Nervensystem
  • meist im frühen Kindesalter Erstinfektion mit Windpocken (Varizellen), später Reaktivierung des im Organismus verbleibenden Varizella-Zoster-Virus (VZV)
  • pro Jahr mehr als 300.000 Erkrankte in Deutschland4
  • jeder, der bereits eine Windpocken-Erkrankung durchgemacht hat, kann sich anstecken
  • Risikogruppen: beispielsweise Menschen mit schwachem Immunsystem
  • typische Symptome: Schmerzen im befallenen Bereich, im späteren Verlauf gerötete Bläschen auf der Haut (häufig streng einseitig); bei schweren Formen beziehungsweise einem Befall der Gehirnnerven: Hör- und Gleichgewichtsstörungen, Schluckstörungen sowie Lähmungen einer Gesichtshälfte möglich

Behandlung mit – meist oral einzunehmenden – antiviralen Medikamenten und Schmerzmitteln sowie Lokaltherapie mit Lösungen und Gelen

Wie entsteht die Gürtelrose?


Einmal an Windpocken erkrankt, verbleiben die Varizella-Zoster-Viren lebenslang im Körper. Nach Abklingen der Beschwerden verfallen sie in eine Art Winterschlaf und ziehen sich in die Nervenwurzeln des Rückenmarks und die Hirnnerven zurück. Dort schlummern die Viren oft viele Jahre, ohne sich in irgendeiner Form bemerkbar zu machen. Erst wenn ein konkreter Auslöser die Erreger wieder „aufweckt“, kann es zu einer Gürtelrose kommen. Das bedeutet: Nur Menschen, die bereits Windpocken hatten oder die sich bei einem Patienten mit Gürtelrose angesteckt haben, können diese Infektionskrankheit bekommen.

Als Kind keine Windpocken durchlebt – somit Glück gehabt?

So kann man das leider nicht sagen. Steckt sich ein Mensch erst im Erwachsenenalter mit Varizellen an, verläuft die Krankheit schwerer als bei Kindern. Des Weiteren ist die Komplikationsrate höher. Unter anderem treten sogenannte bakterielle Superinfektionen (zusätzliche Infektion mit Bakterien) der Hautverletzungen häufiger auf.

Dem Ausbruch der Gürtelrose liegt in erster Linie ein geschwächtes Immunsystem zugrunde.

Mit einer verminderten Abwehrlage zu kämpfen haben beispielsweise Personen, die

  • in einem fortgeschrittenen Alter sind,
  • unter chronischem Stress leiden,
  • sich infolge einer Krebserkrankung einer Chemotherapie unterzogen haben,
  • eine Organspende erhalten haben,

oder an AIDS leiden. In diesem Fall können die Varizella-Zoster-Viren wieder aktiv werden. Entlang eines Hautnervs wandern sie nun von ihrem “Versteck”, den Spinal- und Hirnnervenganglien, an die Hautoberfläche und verursachen im betroffenen Hautsegment Beschwerden.

Symptome des Herpes zoster


Da sich virenbedingt der gesamte betroffene Nerv entzündet, kommt es in dessen Versorgungsgebiet zu sehr starken Nervenschmerzen – noch bevor der charakteristische Hautausschlag folgt. Viele Erkrankte klagen außerdem über Symptome wie

  • Juckreiz,
  • starkes Krankheitsgefühl,
  • Empfindlichkeit der Haut,
  • Kribbeln,
  • Schwellung der regionalen Lymphknoten und
  • gelegentlich auch Fieber.

Circa 7 Tage nach dem Auftreten der ersten Symptome entwickelt sich dann der charakteristische Ausschlag auf der Haut.1 Der Rumpf, vor allem im Bereich der Hüfte und Taille, ist davon am häufigsten betroffen, doch auch an Gesicht, Hals sowie Armen und Beinen kann die Gürtelrose auftreten. Im Gegensatz zu einer Windpocken-Infektion, bei denen sich die Bläschen über den ganzen Körper ausbreiten, ist der Ausschlag bei der Gürtelrose auf ein bestimmtes Hautareal begrenzt.

Gürtelrose: Woher hat die Krankheit ihren Namen?

Treten die Hautveränderungen am Rumpf auf, dann in Form eines halbseitigen Ringes beziehungsweise Gürtels. Halbseitig meint, das mit Bläschen befallene Hautareal befindet sich entweder auf der linken oder der rechten Körperhälfte.

Gürtelrose, auch Herpes zoster genannt, auf dem Brustkorb.

Die stecknadelkopfgroßen, flüssigkeitsgefüllten Bläschen auf gerötetem Grund können

  • alleinstehend,
  • gruppiert angeordnet oder
  • miteinander verschmolzen sein.

Nach wenigen Tagen platzen die Blasen auf.2 Die verkrusteten Bereiche heilen anschließend innerhalb von etwa 1 bis 3 Wochen ab.1 Bei schwerem Verlauf sind die Hautveränderungen schwärzlich und nekrotisch, das heißt, Gewebe stirbt ab, woraufhin sich Narben bilden. Und was ist mit den Nervenschmerzen? Verschwinden diese ebenso wie der Hautausschlag? Das ist höchst unterschiedlich, die Beschwerden können Tage, aber auch über Monate hinweg weiter bestehen.3

Wichtig!

Krankheitsverlauf und -dauer sind von Mensch zu Mensch verschieden, eine allgemeingültige Antwort auf die Frage, wie lange Sie krank sind, kann somit an dieser Stelle nicht gegeben werden.

Achtung, Ansteckungsgefahr!


Gelangt die Flüssigkeit der Gürtelrose-Bläschen nach außen, ist für das Umfeld des Patienten Vorsicht geboten: Der Inhalt der Bläschen ist hochansteckend. Menschen, die noch keine Windpocken durchgemacht haben und sich nicht haben impfen lassen, können dann an Windpocken erkranken, wenn Kontakt zu den Bläschen besteht. Man erkrankt somit nicht direkt an Gürtelrose, sondern es geht immer eine Infektion mit Windpocken voraus.

Die Übertragung erfolgt bei

  • Windpocken durch virushaltige Speicheltröpfchen (beim Niesen oder Husten des Erkrankten), Kontakt mit dem Bläscheninhalt oder Tränenflüssigkeit4
  • Gürtelrose durch Kontaktinfektion (über die Hände, zum Beispiel durch Berühren der Bläschen oder kontaminierte Gegenstände wie Kleidung)4

Wer an Gürtelrose leidet, sollte sich deshalb insbesondere von Babys, Schwangeren und Menschen mit Immunschwäche fernhalten – für sie können Windpocken schnell sehr gefährlich werden. Beispielsweise besteht bei einer mütterlichen Erstinfektion mit Windpocken während der Schwangerschaft bis zur 20. Schwangerschaftswoche das Risiko einer Fehlgeburt.7 Es können unter Umständen auch durch Windpocken verursachte Entwicklungsstörungen, Augenschäden oder Fehlbildungen (fetales Varizellensyndrom) auftreten.7 Bei einer Ansteckung der Mutter kurz vor oder nach dem Geburtstermin ist eine schwer verlaufende Windpocken-Infektion des Babys als mögliche Komplikation denkbar.

Antworten auf die wichtigsten Fragen

Herpes zoster – kann ich das mehrmals bekommen?

Für gewöhnlich nicht, die Viren werden in der Regel nur einmal reaktiviert. Allerdings sind wiederkehrende Erkrankungen nicht gänzlich auszuschließen.5

Wie lange ist Herpes zoster ansteckend?

Die Infektionsgefahr besteht solange, bis alle Bläschen vollständig verschorft sind.

Muss ich ins Krankenhaus?

Bleiben Komplikationen aus, ist normalerweise kein stationärer Klinikaufenthalt notwendig.

Schließen sich Gürtelrose und Sport aus?

Warten Sie in jedem Fall mit sportlichen Aktivitäten, bis die Bläschen verkrustet sind. Häufig fühlen sich Gürtelrose-Patienten auch schlapp – beachten Sie die Zeichen, die Ihnen Ihr Körper sendet und gönnen Sie sich Ruhe. Um auf Nummer sicher zu gehen, fragen Sie Ihren behandelnden Arzt, wann Sie sportlich wieder durchstarten können.

Die 3 Säulen der Gürtelrose-Behandlung


Bitte zögern Sie den Besuch beim Arzt nicht hinaus, denn eine schnelle und vor allem passende Behandlung der Gürtelrose ist für eine folgenlose Heilung unerlässlich. In der Regel ist der Hausarzt ein guter erster Ansprechpartner. Doch Achtung: Tritt der Herpes zoster im Gesicht auf, etwa am Auge oder den Ohren, muss sofort ein Facharzt — bei den genannten Beispielen der Augen- oder HNO-Arzt — konsultiert werden. Es ist wichtig, keine schwerwiegenden Komplikationen zu riskieren. Dazu zählen etwa Hörstörungen oder eine Entzündung der Lederhaut des Auges (Skleritis), bei welcher in extrem schweren Fällen auch die Gefahr besteht, zu erblinden.

Prinzipiell gibt es diese Therapieoptionen:

Über 5 bis 10 Tage verabreichte Medikamente gegen Viren (Virustatika) wie Aciclovir, Valaciclovir oder Brivudin können die Vermehrung der Viren behindern und damit das Ausmaß des betroffenen Hautbereichs eindämmen sowie die Bläschenabheilung beschleunigen.1 Allerdings helfen Virustatika nur, wenn sie rechtzeitig zum Einsatz kommen, sprich innerhalb der ersten 48 Stunden nach Auftreten der ersten Bläschen.1 Meist nehmen Betroffene die verordneten Virustatika oral ein. In schweren Fällen, etwa bei Herpes Zoster des Kopf-Hals-Bereiches, kann der Arzt eine intravenöse (Verabreichung in eine Vene) Therapie bevorzugen.

Um etwa die Heilung der betroffenen Hautstellen zu fördern oder Schmerzlinderung zu verschaffen, können spezielle Gele oder Lösungen lokal aufgetragen werden. Während im frischen Bläschenstadium Lösungen mit kühlenden, antiseptischen (keimreduzierend) oder entzündungshemmenden Eigenschaften bevorzugt werden sollten, sind – sobald sich Verkrustungen zeigen – antiseptische und krustenlösende Gele zielführender.6

Einen weiteren Baustein bei der Behandlung der Gürtelrose bilden orale Schmerzmittel gegen die starken Nervenschmerzen. Welche Wirkstoffe zum Einsatz kommen, hängt davon ab, wie stark die Beschwerden sind. Die medikamentöse Schmerztherapie erfolgt nach dem Stufenschema der Weltgesundheitsorganisation (WHO):

  • Leichte Schmerzen (Stufe 1): Der behandelnde Arzt greift auf nichtsteroidale Antirheumatika (entzündungshemmende Schmerzmedikamente) wie Ibuprofen oder Paracetamol zurück.
  • Mäßig starke Schmerzen (Stufe 2): Hierwerden die nichtsteroidalen Antirheumatika mit einem schwachen Opioid (hoch wirksame Schmerzmittel) kombiniert.
  • Starke Schmerzen (Stufe 3): Bei heftigen Schmerzen verordnet der Arzt ein starkes Opioid zusätzlich zu Mitteln aus Stufe 1.7

Aha!

Bei infektionsbedingten Nervenschmerzen wie der Gürtelrose gibt es auch homöopathische Präparate, die etwa die Heilpflanze Spigelie (Indianisches Wurmkraut) enthalten und so die Beschwerden auf natürliche Weise lindern können. Lassen Sie sich hierzu von einem Homöopathen ausführlich beraten.

Gefahr einer Post-Zoster-Neuralgie


Wird die Gürtelrose nur unzureichend oder zu spät behandelt, ist es möglich, dass der Patient eine Schädigung des betroffenen Hautnervs zurückbehält. Mediziner sprechen von einer sogenannten Post-Zoster-Neuralgie (PZN), wenn Patienten immer noch Nervenschmerzen haben, obwohl die Gürtelrose bereits seit mehr als 6 Monate ausgeheilt ist.8 Zu den Risikogruppen der PZN gehören unter anderem Personen mit Grunderkrankungen (beispielsweise chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und Diabetes mellitus) oder Immunschwäche.

Der PZN-Schmerz ist nicht bei jedem Patienten gleich.

Er kann

  • brennend, bohrend und andauernd vorhanden sein,
  • sich in kurzen, einschießenden Episoden äußern oder
  • bei Berührungen auftreten.

Erwähnenswert bei der letzten Form ist, dass die Schmerzen sich nicht selten auch Körperpartien zuordnen lassen, die ursprünglich gar nicht von der Gürtelrose betroffen waren.

Die PZN erfordert eine Behandlung beim Neurologen oder Schmerztherapeuten. Mithilfe spezieller Medikamente lässt sich eine Entlastung und Erholung des betroffenen Nervs erreichen. Auch eine Akupunkturbehandlung kann sich positiv auswirken.

Einer Gürtelrose vorbeugen – geht das?


Für bestimmte, von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlene Personengruppen, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen seit Mai 2019 die Kosten für die Impfung gegen Gürtelrose.9 Für den Impfschutz sind zwei Impfungen notwendig, zwischen denen ein zeitlicher Abstand von mindestens 2 und maximal 6 Monaten bestehen muss.9

Die STIKO rät folgenden Personen, sich für die Gürtelrose-Impfung zu entscheiden:

  • allen über 60-Jährigen
  • allen über 50-Jährigen mit einer Immunschwäche
  • allen über 50-Jährigen mit Grunderkrankungen wie beispielsweise Asthma10

Die Krankheit Gürtelrose noch einmal im Überblick: Ein Mediziner des Universitätsklinikums Münster erklärt in einem knapp 2 Minuten langen Video, was Gürtelrose ist, wer sie bekommen kann und wer sich impfen lassen sollte.

Die Ressortjournalistin Julia Lindert spezialisierte sich während ihres Studiums auf die Themenfelder Medizin und Biowissenschaften. Medizinische Sachverhalte in verständlicher Sprache zu formulieren, ist das, was sie an ihrer Arbeit besonders mag. Ihr Credo in Bezug auf Krankheitsbilder und Therapiemöglichkeiten: Nichts beschönigen, aber auch keine unnötigen Ängste schüren. Julia Lindert Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
Könnte Jenni Graf Blut sehen, wäre sie Ärztin geworden – da das aber leider nicht der Fall ist, hat sie sich für den deutlich unblutigeren Beruf der Medizinredakteurin entschieden. Nach ihrem Medizinjournalismus-Studium stieß sie 2016 zu kanyo®. Jenni Graf Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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