Hüftgelenkschmerzen: Häufig steckt Arthrose dahinter

Hüftgelenkschmerzen sind keine Seltenheit. Ganz im Gegenteil: Schmerzen an der Hüfte gehören zu den häufigsten Gelenksproblemen. Bei älteren Menschen liegt das vor allem an einem Verschleiß des Hüftgelenks. Es gibt aber auch andere Ursachen für Schmerzen an der Hüfte, die ebenso Jüngere betreffen können. Woher kommen Hüftgelenkschmerzen?

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Ist es wirklich die Hüfte?

Wenn Sie Schmerzen im Bereich der Hüfte haben, muss dies nicht zwangsläufig am Gelenk selbst liegen. Auch Schädigungen an beteiligten Strukturen wie

  • dem Gelenkknorpel,
  • der Sehnen und Bänder
  • der Schleimbeutel (mit Flüssigkeit gefüllte Gewebesäckchen zum Schutz vor Druck und Reibung) oder
  • der Nerven können dahinterstecken.

In vielen Fällen strahlen Schmerzen außerdem aus dem Bauchraum oder der Lendenwirbelsäule in Richtung Hüfte aus. Aber auch umgekehrt können sich Probleme mit der Hüfte als Schmerzen in der Leistengegend – am Übergang zwischen Oberschenkel und Unterbauch – zeigen.

Das Risiko für Hüftgelenkschmerzen erhöht sich mit fortschreitendem Alter auch aufgrund von Erkrankungen, die Hüftbeschwerden begünstigen. Dazu gehören mitunter Infektionen, Gefäßerkrankungen sowie Diabetes mellitus und andere Stoffwechselerkrankungen wie Rheuma oder Gicht.

Bei Hüftgelenkschmerzen zum Arzt

Bei andauernden Beschwerden sollten Sie Ihren Hausarzt konsultieren, der Sie gegebenenfalls an einen Hüftspezialisten überweisen kann. Es kommen vielfältige Ursachen für Hüftgelenkschmerzen infrage, die selbst für den Fachmann mitunter schwer zu unterscheiden sind.

Die Diagnose von Hüftgelenkschmerzen

Einem jungen Mann machen Hüftgelenkschmerzen zu schaffen, er hält sich die schmerzende Seite.

Um herauszufinden, was die Ursache für Hüftgelenkschmerzen ist, nutzt der Arzt meist bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder die Magnetresonanztomografie (MRT). Außerdem ist ein großes Blutbild wichtig um Infektionen, Stoffwechselerkrankungen oder Rheuma feststellen zu können. Bei der Blutuntersuchung werden neben dem Hämoglobinwert (roter Blutfarbstoff), den roten und weißen Blutkörperchen sowie den Blutplättchen auch die einzelnen Varianten der weißen Blutkörperchen genauer untersucht.

Im Gespräch mit dem Patienten erfährt der Arzt, wie lange Beschwerden schon bestehen – also ob die Schmerzen akut oder chronisch (länger als drei Monate) sind. Die Lokalisation der Schmerzen sowie die Frage, ob sie einseitig oder beidseitig auftreten, können weitere Hinweise auf die Ursache liefern. Bei Arthrose, Traumen oder Hüftnekrose, einer Erkrankung, bei der Knochengewebe abstirbt, sind die Hüftgelenkschmerzen meist einseitig, während sie sich bei Rheuma, Gicht und stoffwechselbedingten Nervenerkrankungen (Polyneuropathie) eher beidseitig äußern.

Der Arzt achtet außerdem auf

  • den Gang,
  • die Beweglichkeit der Hüfte,
  • die Körperhaltung,
  • die Stellung des Beckens und
  • Unterschiede in den Beinlängen.

Die Ursache der Hüftgelenkschmerzen zu finden, ist auch für Fachleute nicht immer leicht. Um die Diagnose zu stellen, ist daher manchmal die Zusammenarbeit verschiedener Fachärzte erforderlich (zum Beispiel in einer Gelenkklinik).

Die häufigste Ursache für Hüftgelenkschmerzen: Coxarthrose

Gelenke müssen im Laufe des Lebens vielen Belastungen standhalten. Im Alter kommt es daher häufig zu Gelenkverschleiß: Die meisten Hüftgelenkschmerzen bei Senioren rühren von einer Hüftgelenksarthrose (Coxarthrose) her. In seltenen Fällen können daran schon jüngere Menschen erkranken. Arthrose-Schmerzen kommen durch Wassereinlagerungen im Knochen (Knochenödeme) und entzündliche Schwellungen im Gelenk zustande. Der Arzt erkennt den Verschleiß des Hüftgelenks meist schnell am typischen Hinken (Duchenne-Hinken) des Patienten.

Betroffene der Coxarthrose leiden schon morgens sowie nach körperlicher Belastung – vor allem bei längerem Gehen und Stehen – an Gelenkschmerzen. Die Gelenke sind steif und in ihrem Bewegungsradius eingeschränkt. Zudem können ziehende und stechende Schmerzen in der Leiste, die in den Oberschenkel ausstrahlen, einen Hinweis auf Coxarthrose geben.

Das sind mögliche Ursachen für Arthrose im Hüftgelenk:

  • altersbedingter Verschleiß
  • Unfälle
  • Gelenkverletzungen
  • Fehlstellungen
  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Gicht oder Rheuma

Im späteren Stadium der Erkrankung treten die Schmerzen bereits in Ruhe auf und die Bewegung ist immer stärker eingeschränkt.

Hüftgelenksbrüche betreffen vor allem ältere Menschen

Ein Hüftgelenksbruch ist sehr schmerzhaft und hat zur Folge, dass das Bein nach dem Bruch kaum noch bewegt werden kann. Ältere Menschen sind generell anfällig für Brüche, da Senioren häufig an Knochenschwund (Osteoporose) leiden, wodurch die Knochendichte vermindert ist. Stürzt ein älterer Mensch zum Beispiel seitlich auf die Hüfte, zieht das daher oftmals einen Bruch im Bereich des Oberschenkelkopfs oder der Hüftpfanne nach sich.

Bei jüngeren Menschen kann das Hüftgelenk ebenfalls brechen, allerdings in der Regel nur unter Einwirkung von gewaltigen Kräften, zum Beispiel bei einem Autounfall. Neben einem Bruch kann es bei einem Unfall auch zum „Auskugeln“ des Gelenkkopfs aus der Pfanne kommen.

Hüftgelenkschmerzen durch Überbelastung

Doch nicht nur Brüche, auch Überlastungen im Beruf oder Sport können zu Hüftgelenkschmerzen führen. Die Mobilität ist dadurch zwar weniger eingeschränkt als bei einem Bruch, trotzdem entstehen auch hier bei Belastung Schmerzen.

Folgende weitere Anzeichen können am Gelenk auftreten:

  • Steifheit
  • Schwellung
  • Druckempfindlichkeit

Wenn Sie die Hüfte schonen, können die Beschwerden von alleine wieder verschwinden. Halten die Hüftgelenkschmerzen jedoch mehrere Tage lang an oder kommen Entzündungszeichen wie Rötung und Fieber hinzu, sollten Sie unbedingt zum Arzt gehen. Eine dauerhafte Überlastung kann dazu führen, dass sich die Beschwerden verschlimmern oder das Gelenk sich nicht mehr vollständig erholen kann.

Hüftkopfnekrose

Akute Hüftschmerzen können in seltenen Fällen auch durch eine Nekrose des Hüftkopfs verursacht werden. Man spricht vereinfacht auch vom „Knocheninfarkt der Hüfte“. Es handelt sich hierbei um eine schwere Erkrankung, bei der lebendes Knochengewebe abstirbt. Die Nekrose entsteht, wenn der Knochen – zum Beispiel nach einem Bruch – nicht mehr ausreichend durchblutet und dadurch instabil wird. Mögliche Ursachen können aber genauso übermäßiger Alkohol- und Nikotinkonsum oder eine Chemotherapie sein. Die Hüftkopfnekrose tritt oft schon im jüngeren und mittleren Erwachsenenalter auf.

Hüftimpingement

Am Hüftgelenk können knöcherne Fehlbildungen vorliegen, was bei bestimmten Bewegungen zum Aufeinanderprallen der Knochen führt. Solche Blockaden bezeichnen Mediziner als Hüftimpingement. Bewegen sich Betroffene weiterhin wie gewohnt, können daraus Knochen- und Knorpelschäden resultieren.

Therapie der Hüftgelenkschmerzen

Die Therapie der Hüftprobleme sollte nach der jeweiligen Ursache gerichtet sein. Gegen die Schmerzen kann der Arzt Schmerzmittel wie nicht-steroridale Antirheumatika (NSAR) mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure oder Diclofenac verschreiben. Zusätzlich zur Schmerztherapie ist bei einer Coxarthrose Physiotherapie eine wichtige Säule der Behandlung.

Die Mobilität der Arthrose-Patienten kann meist über viele Jahre hinweg durch Medikamente und bequemes Schuhwerk erhalten bleiben. Wenn sich die Beschwerden dennoch verschlimmern und sie die Lebensqualität einschränken, besteht die Möglichkeit eines operativen Gelenkersatzes (Totalendoprothese); das künstliche Hüftgelenk muss allerdings nach 10 bis 15 Jahren ausgetauscht werden. Bei älteren Menschen wägen Arzt und Patient Nutzen und Risiken einer Operation ab, da der Eingriff und die nötige Narkose immer auch mit Gefahren verbunden sind.

Bei einem Hüftimpingement ist meist ebenfalls eine Operation nötig. Und auch ein Oberschenkelhalsbruch wird in der Regel operiert. Bei jüngeren Patienten stabilisiert der Arzt den Bruch, wenn das Hüftgelenk nicht zu stark beschädigt ist, mithilfe von Schrauben oder Platten. Bei älteren Menschen ist hingegen oft ein Hüftkopf- beziehungsweise Hüftpfannenersatz nötig.

Tipps zur Vorbeugung: Muskeltraining

Eine gut ausgebildete Muskulatur schützt die Gelenke –das gilt auch für das Hüftgelenk. Kräftige Muskeln fangen Belastung besser ab, wodurch der Druck auf die Verbindungsstellen zwischen den Knochen kleiner wird.

Zur Vorbeugung von Hüftgelenkschmerzen und Kräftigung der Hüft-Strecker dient zum Beispiel diese Übung: Legen Sie sich auf den Rücken und stellen Sie Ihre Füße auf. Heben Sie nun das Gesäß vom Boden ab und kippen das Becken leicht in Richtung Boden. Wirbelsäule, Becken und Oberschenkel bilden dabei eine Linie. Kurz diese Position halten, dann senken Sie das Gesäß wieder ab. Wiederholen Sie die Übung 10 bis 20 Mal.

Wenn das Gelenk bereits Schaden genommen hat, kann ein Training der Muskeln trotzdem sinnvoll sein. Am besten sprechen Sie hierzu mit Ihrem behandelnden Arzt oder Physiotherapeuten.