Ist es wirklich die Hüfte?


Wenn Sie Schmerzen im Bereich der Hüfte haben, muss dies nicht zwangsläufig am Gelenk selbst liegen. Auch Schädigungen an beteiligten Strukturen wie

  • dem Gelenkknorpel,
  • der Sehnen und Bänder
  • der Schleimbeutel (mit Flüssigkeit gefüllte Gewebesäckchen zum Schutz vor Druck und Reibung) oder
  • der Nerven können dahinterstecken.

In vielen Fällen strahlen Schmerzen außerdem aus dem Bauchraum oder der Lendenwirbelsäule in Richtung Hüfte aus. Aber auch umgekehrt können sich Probleme mit der Hüfte als Schmerzen in der Leistengegend – am Übergang zwischen Oberschenkel und Unterbauch – zeigen.

Das Risiko für Hüftgelenkschmerzen erhöht sich mit fortschreitendem Alter auch aufgrund von Erkrankungen, die Hüftbeschwerden begünstigen. Dazu gehören mitunter Infektionen, Gefäßerkrankungen sowie Diabetes mellitus und andere Stoffwechselerkrankungen wie Rheuma oder Gicht.

Bei Hüftgelenkschmerzen zum Arzt

Bei andauernden Beschwerden sollten Sie Ihren Hausarzt konsultieren, der Sie gegebenenfalls an einen Hüftspezialisten überweisen kann. Es kommen vielfältige Ursachen für Hüftgelenkschmerzen infrage, die selbst für den Fachmann mitunter schwer zu unterscheiden sind.

Die Diagnose von Hüftgelenkschmerzen


Um herauszufinden, was die Ursache für Hüftgelenkschmerzen ist, nutzt der Arzt meist bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder die Magnetresonanztomografie (MRT). Außerdem ist ein großes Blutbild wichtig um Infektionen, Stoffwechselerkrankungen oder Rheuma feststellen zu können. Bei der Blutuntersuchung werden neben dem Hämoglobinwert (roter Blutfarbstoff), den roten und weißen Blutkörperchen sowie den Blutplättchen auch die einzelnen Varianten der weißen Blutkörperchen genauer untersucht.

Im Gespräch mit dem Patienten erfährt der Arzt, wie lange Beschwerden schon bestehen – also ob die Schmerzen akut oder chronisch (länger als drei Monate) sind. Die Lokalisation der Schmerzen sowie die Frage, ob sie einseitig oder beidseitig auftreten, können weitere Hinweise auf die Ursache liefern. Bei Arthrose, Traumen oder Hüftnekrose, einer Erkrankung, bei der Knochengewebe abstirbt, sind die Hüftgelenkschmerzen meist einseitig, während sie sich bei Rheuma, Gicht und stoffwechselbedingten Nervenerkrankungen (Polyneuropathie) eher beidseitig äußern.

Der Arzt achtet außerdem auf

  • den Gang,
  • die Beweglichkeit der Hüfte,
  • die Körperhaltung,
  • die Stellung des Beckens und
  • Unterschiede in den Beinlängen.

Die Ursache der Hüftgelenkschmerzen zu finden, ist auch für Fachleute nicht immer leicht. Um die Diagnose zu stellen, ist daher manchmal die Zusammenarbeit verschiedener Fachärzte erforderlich (zum Beispiel in einer Gelenkklinik).

Die häufigste Ursache für Hüftgelenkschmerzen: Coxarthrose


Gelenke müssen im Laufe des Lebens vielen Belastungen standhalten. Im Alter kommt es daher oftmals zu Gelenkverschleiß: Die meisten Hüftgelenkschmerzen bei Senioren rühren von einer Hüftgelenksarthrose (Coxarthrose) her. In seltenen Fällen können daran schon jüngere Menschen erkranken. Arthrose-Schmerzen kommen durch Wassereinlagerungen im Knochen (Knochenödeme) und entzündliche Schwellungen im Gelenk zustande. Der Arzt erkennt den Verschleiß des Hüftgelenks meist schnell am typischen Hinken (Duchenne-Hinken) des Patienten.

Wer an einer Coxarthrose erkrankt ist, leidet meist am Morgen oder bei körperlicher Belastung wie längerem Gehen und Stehen an Gelenkschmerzen. Die Gelenke sind steif und in ihrem Bewegungsradius eingeschränkt. Zudem können ziehende und stechende Leistenschmerzen, die in den Oberschenkel ausstrahlen, einen Hinweis auf Coxarthrose geben.

Mögliche Ursachen für Arthrose im Hüftgelenk sind:

  • altersbedingter Verschleiß
  • Unfälle
  • Fehlstellungen
  • Gelenkverletzungen
  • Stoffwechselerkrankungen (beispielsweise Diabetes mellitus, Gicht oder Rheuma)

Schreitet die Erkrankung weiter fort, können die Schmerzen auch im Ruhezustand auftreten und die Bewegung immer weiter einschränken.

Hüftgelenksbrüche betreffen vor allem ältere Menschen


Insbesondere Menschen im fortgeschrittenen Alter sind anfällig für Brüche. Der Grund: Senioren leiden häufig an Osteoporose, wodurch sich die Knochendichte vermindert und der Knochen weniger robust wird. Stürzt ein älterer Mensch zum Beispiel seitlich auf die Hüfte, zieht das daher oftmals einen Bruch im Bereich des Oberschenkelkopfs oder der Hüftpfanne nach sich. Kommt es zum Hüftgelenksbruch, ist dieser nicht nur sehr schmerzhaft, sondern hat auch zur Folge, dass die Bewegung des Beines eingeschränkt ist.

Aber auch bei jüngeren Menschen ist es möglich, dass das Hüftgelenk bricht. In der Regel geschieht dies jedoch nur unter großer Krafteinwirkungen, beispielsweise bei einem Autounfall. Neben einem Bruch kann es bei einem Unfall ebenso zum „Auskugeln“ des Gelenkkopfs aus der Pfanne kommen.

Hüftgelenkschmerzen durch Überbelastung


Hüftgelenkschmerzen lassen sich nicht nur auf Brüche zurückführen, ebenso sind berufliche oder sportliche Überlastungen denkbare Ursachen. Zwar ist die Mobilität weniger eingeschränkt als bei einem Bruch, jedoch können hier ebenfalls Schmerzen bei Belastung entstehen.

Folgende weitere Symptome kommen am Gelenk infrage:

  • Steifheit
  • Schwellung
  • Druckempfindlichkeit

Wenn Sie die Hüfte schonen, können die Beschwerden von alleine wieder verschwinden. Einen Arzt sollten Sie dann aufsuchen, wenn die Hüftgelenkschmerzen mehrere Tage lang anhalten oder Entzündungszeichen wie Rötung und Fieber hinzukommen. Eine dauerhafte Überlastung führt mitunter auch dazu, dass sich die Beschwerden verschlimmern oder das Gelenk sich nicht mehr vollständig erholen kann.

Hüftkopfnekrose


Akute Hüftschmerzen werden in seltenen Fällen ebenso durch eine Nekrose des Hüftkopfs verursacht. Man spricht vereinfacht auch vom „Knocheninfarkt der Hüfte“. Es handelt sich hierbei um eine schwere Erkrankung, bei der lebendes Knochengewebe abstirbt. Der Grund liegt in einer unzureichenden Durchblutung des Knochens, beispielsweise nach einem Bruch, weshalb er instabil wird. Mögliche Ursachen können aber genauso übermäßiger Alkohol- und Nikotinkonsum oder eine Chemotherapie sein. Die Hüftkopfnekrose tritt oft schon im jüngeren und mittleren Erwachsenenalter auf.

Was ist ein Hüftimpingement?

Am Hüftgelenk können knöcherne Fehlbildungen entstehen, die – bedingt durch bestimmte Bewegungen – ein Aufeinanderprallen der Knochen begünstigen. Solche Blockaden bezeichnen Mediziner als Hüftimpingement. In einem frühen Stadium leiden Betroffene an bewegungsabhängigen Schmerzen in der Leistengegend. Schreitet das Impingement weiter fort, ist es möglich, den knöchernen Anschlag zu spüren. Je nach Ursache und Stadium stehen verschiedene Behandlungsansätze zur Verfügung, beispielsweise die Korrektur der Fehlbildungen.  

Therapie der Hüftgelenkschmerzen


Die Therapie der Hüftprobleme sollte nach der jeweiligen Ursache gerichtet sein. Gegen die Schmerzen kann der Arzt Schmerzmittel wie nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure oder Diclofenac verschreiben. Zusätzlich zur Schmerztherapie ist bei einer Coxarthrose Physiotherapie eine wichtige Säule der Behandlung.

Die Mobilität der Arthrose-Patienten kann meist über viele Jahre hinweg durch Medikamente und bequemes Schuhwerk erhalten bleiben. Sollten sich die Beschwerden trotzdem verschlimmern und die Lebensqualität darunter leiden, ist es möglich, einen Gelenkersatz (Totalendoprothese) einzusetzen. Ein künstliches Hüftgelenk wird in der Regel nach 12 bis 15 Jahren erneuert.1 Bei älteren Menschen wägen Arzt und Patient Nutzen und Risiken einer Operation ab, da der Eingriff und die nötige Narkose immer auch mit Gefahren verbunden sind.

Bei einem Hüftimpingement ist meist ebenfalls eine Operation nötig. Zudem wird in der Regel ebenso ein Oberschenkelhalsbruch operiert. Bei jüngeren Patienten ist es oftmals ausreichend, das Hüftgelenk mittels Platten und Schrauben zu stabilisieren. Voraussetzung ist, dass das Hüftgelenk nicht übermäßig beschädigt ist. Bei älteren Menschen ist hingegen oft ein Hüftkopf- beziehungsweise Hüftpfannenersatz sinnvoll.

Tipps zur Vorbeugung: Muskeltraining

Eine gut ausgebildete Muskulatur schützt die Gelenke – das gilt auch für das Hüftgelenk. Denn kräftige Muskeln können Belastungen besser abfangen und so den Druck auf die Verbindungsstelle zwischen den Knochen minimieren.

Zur Vorbeugung von Hüftgelenkschmerzen und Kräftigung der Hüft-Strecker dient zum Beispiel diese Übung: Legen Sie sich auf den Rücken und stellen Sie Ihre Füße auf. Heben Sie nun das Gesäß vom Boden ab und kippen das Becken leicht in Richtung Boden. Wirbelsäule, Becken und Oberschenkel bilden dabei eine Linie. Kurz diese Position halten, dann senken Sie das Gesäß wieder ab. Wiederholen Sie die Übung 10 bis 20 Mal.

Wenn das Gelenk bereits Schaden genommen hat, kann ein Training der Muskeln trotzdem sinnvoll sein. Am besten sprechen Sie hierzu mit Ihrem behandelnden Arzt oder Physiotherapeuten.

Tanja Albert Von der Schülerzeitung übers Journalismus-Studium in die Online-Redaktion von kanyo® - Tanja Albert hat das Schreibfieber gepackt. Gemischt mit ihrem Interesse für Ernährungs- und Gesundheitsthemen stürzt sie sich Tag für Tag in die medizinische Recherche - und bringt das Ganze auch in die Sozialen Netzwerke, nämlich als Social Media Managerin. Tanja Albert Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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