Fragen und Antworten zur Osteochondrose:

Was ist eine Osteochondrose?

Die verschleißbedingte Form der Osteochondrose (Osteochondrosis intervertebralis) ist von einem Knorpelabbau der Wirbelsäule geprägt. Infolgedessen sind die Wirbelkörper einem erhöhten Druck ausgesetzt, da der Knorpel seine Funktion als „Stoßdämpfer“ nicht mehr erfüllt. Als Reaktion des Körpers bildet sich seitlich an den Wirbeln Knochensubstanz aus, sogenannte Spondylophyten. Es gibt aber auch andere Formen der Osteochondrose wie Osteochondrosis dissecans, die insbesondere das Kniegelenk oder Ellenbogengelenk betrifft.

Können alle Bereiche der Wirbelsäule betroffen sein?

Ja, eine Osteochondrose kann sich sowohl an Hals-, Brust- als auch Lendenwirbelsäule ausbilden.

Welche Symptome können auftreten?

Typisch sind vor allem Rückenschmerzen, etwa nach der Nachtruhe sowie bei Belastungen im Gehen oder Stehen.

Wie wird Osteochondrose therapiert?

Die Therapie basiert auf mehreren Behandlungssäulen. Zu diesen gehören Medikamente ebenso wie Physiotherapie und Bewegung. Versagen konservative Maßnahmen, klärt der Arzt umfassend über verschiedene operative Möglichkeiten auf.

Wie entsteht Osteochondrose?


Unsere Wirbelsäule besteht aus 24 beweglichen Wirbeln sowie Kreuz- und Steißbein, die aneinandergereiht eine S-förmige Kurve vom Schädel bis zum Becken beschreiben.1 Die Wirbel – die beiden oberen Halswirbel Atlas und Axis ausgenommen – haben alle einen ähnlichen Aufbau: Sie bestehen aus einem Wirbelkörper, Wirbelbogen, Wirbelloch sowie Gelenk-, Dorn- und Querfortsätzen. Die Wirbellöcher sind so angeordnet, dass sie zusammen den Spinalkanal bilden, durch den das Rückenmark verläuft. Damit die Wirbel nicht aufeinander reiben, liegen zwischen den Wirbeln „Stoßdämpfer“, die Bandscheiben.

Und wie kommt jetzt die Osteochondrose ins Spiel?

Anstoß ist die Rückbildung von Bandscheibengewebe, die meistens auf den natürlichen Alterungsprozess zurückgeht. Hinzu kommen dann Faktoren wie mangelnde Bewegung, eine chronische Fehlbelastung der Wirbelsäule oder Übergewicht, die sich ungünstig auf die Wirbelsäule auswirken und eine Osteochondrose begünstigen. Aber auch eine krankhafte Fehlstellung der Wirbelsäule (beispielsweise Skoliose oder ein erlittener Bandscheibenvorfall können zur Überlastung und dem Zusammendrücken der Bandscheiben führen.

Im Laufe der Zeit nimmt daraufhin das Volumen der Bandscheiben ab. Der Körper bleibt bei diesem Bandscheibenverschleiß nicht untätig: Er versucht, mit einer Art Reparaturmechanismus die Lücke zu kompensieren und den Wirbelsäulenabschnitt zu stabilisieren. Dies tut er mit einem Anbau von Knochenim Bereich der Grund- und Deckplatten des Wirbelkörpers. Die knöchernen Ausziehungen heißen Spondylophyten. Letztendlich führt die Ausbildung neuer Knochensubstanz und der Versuch, durch eine vergrößerte Fläche den herrschenden Druck auszugleichen, zu einem deformierten Wirbelkörper.  

Wirbelsäulenausschnitt im Normalzustand
Osteochondrose

Symptome: So macht sich Osteochondrose bemerkbar


Nicht selten bemerken Patienten mit Osteochondrosis intervertebralis („vertebra“ = Wirbel) lange nichts von dem schleichenden Prozess an der Wirbelsäule. Doch verschmälert sich die Bandscheibe zunehmend, reiben irgendwann die angrenzenden Spondylophyten aneinander. Die Knochen-Knorpel-Veränderungen machen sich mit einem dumpfen, tiefsitzenden Rückenschmerz und Schmerzen an der Wirbelsäule bemerkbar. Je nachdem, ob die Osteochondrose an beispielsweise der Hals- oder Lendenwirbelsäule auftritt, können sich die Schmerzen auch in weitere Körperregionen ausbreiten:

  • So bringt eine in der Halswirbelsäule lokalisierte Veränderung mitunter etwa Nacken- und Kopfschmerzen, die wiederum ausstrahlen in Arme oder Schultern.
  • Schmerzen in den Beinen sind möglich bei einer Osteochondrose auf Höhe der Lendenwirbelsäule.

In fortgeschrittenem Stadium sind die Patienten in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. Die Spondylophyten können nicht nur auf die Bandscheiben drücken, sondern auch den Wirbelkanal einengen (Spinalkanalstenose), durch den zahlreiche Nerven verlaufen. Befindet sich die Engstelle im Halsbereich, berichten Betroffene unter anderem von Koordinationsproblemen der Hände. Auf Höhe der Lendenwirbelsäule sind die Beine schwer, sie schmerzen, werden taub. Lange Strecken können zu Fuß nicht mehr an einem Stück zurückgelegt werden.

Osteochondrose: Die Ursachensuche


Der römische Philosoph Seneca hat einmal gesagt: „Das Alter ist eine unheilbare Krankheit.“ Auch Osteochondrosis intervertebralis gehört zu den sogenannten degenerativen Erkrankungen, also jenen, die unter anderem in Zusammenhang mit zunehmendem Lebensalter stehen. Unser Alltag, der geprägt ist von langem Sitzen und wenig oder einseitiger Bewegung, führt zu einer andauernden Fehlbelastung des Rückens. Auch Patienten mit Skoliose, bei denen die Wirbelsäule seitlich verkrümmt ist und die Bandscheiben somit einer sehr einseitigen Belastung ausgesetzt sind, leiden häufig an einer Osteochondrose. Nach Bandscheibenvorfällen oder Bandscheiben-Operationen kann sie ebenfalls auftreten. Fettleibigkeit (Adipositas) und die damit verbundene Belastung für die Wirbelsäule, ist ein Risikofaktor, eine Osteochondrose zu entwickeln.

Wie erfolgt die Diagnose?


Der Orthopäde wird die Untersuchung mit einem ausführlichen Arztgespräch (Anamnese) und dem Betasten des Rückens beginnen. Auf einem Röntgenbild sieht der Spezialist, ob sich der Bandscheibenraum schon verschmälert hat und/oder sich bereits Spondylophyten ausgebildet haben. Eine Magnetresonanztomografie (MRT) kann veranlasst werden, wenn beispielsweise ausstrahlende Schmerzen in Arme oder Beine vorliegen. Mithilfe der MRT kann der Arzt angrenzende Strukturen wie Nerven oder Muskeln besser beurteilen. Er sieht unter anderem auch, ob sich infolge der Osteochondrose Wasser im Wirbelkörperknochen eingelagert hat.

Schmerz lass nach! Die Therapieoptionen


Zu welcher Behandlung der Facharzt rät, hängt unter anderem vom Allgemeinzustand des Patienten ab, dem Krankheitsverlauf oder der Beteiligung benachbarter Strukturen.

Konservative Therapie>>

Operation>>

Konservative Therapie

Zunächst wird versucht, mit konservativen Behandlungsmöglichkeiten einen Therapieerfolg zu erzielen, das heißt beispielsweise: Bewegung – auch, wenn der Körper am liebsten in eine Schonhaltung gehen würde. Sind die Beschwerden akut, liegt also eine sogenannte aktivierte Osteochondrose vor, kann der behandelnde Arzt zur kurzfristigen Therapie schmerzlindernde Medikamente verschreiben (beispielsweise Paracetamol). Auch Arzneimittel mit schmerzstillender und gleichzeitig entzündungshemmender Wirkung (zum Beispiel Ibuprofen) sind gängig. Ebenso wie muskelentspannende Medikamente (etwa Tolperison). Teilweise injiziert der Arzt Schmerzmittel auch direkt in den Wirbelsäulenbereich.

Nach Rückgang der akuten Schmerzen sind physikalische Maßnahmen wie Physiotherapie oder Massagen gängig. Darüber hinaus ist ein aktiver Muskelaufbau wichtig. Im Fokus des Trainings stehen die betroffenen und benachbarte Wirbelsäulenregionen. Leidet der Patient an Adipositas, wird der Arzt zu einer Gewichtsreduktion raten.

Operation

Es gibt einige Gründe, bei denen eine Operation in Erwägung gezogen werden muss, etwa wenn

  • die konservativen Behandlungen versagt haben oder
  • der Patient unter chronischen Schmerzen leidet.

Doch: die eine Operationsmethode gibt es nicht. Nachfolgend wird eine Auswahl der wichtigsten kurz erklärt. Scheuen Sie sich nicht, hier bei Ihrem behandelnden Arzt genauer nachzufragen. Alle Verfahren werden unter Vollnarkose durchgeführt:

  • Bandscheibenprothese: Nachdem der Operateur die stark komprimierte Bandscheibe an Hals- oder Lendenwirbelsäule entfernt hat, setzt er eine Prothese ein. Der Vorteil hierbei liegt darin, dass die Wirbelsäule nicht in ihrer Beweglichkeit einbüßt und der Krankenhausaufenthalt mit 4 bis 5 Tagen relativ kurz ist.2
  • Teilversteifung (Dynamische Spondylodese): Hat die Bandscheibe noch genug Volumen und ist der Verschleiß in den Wirbelbogengelenken noch nicht so deutlich ausgeprägt, bringt das OP-Team einen flexiblen Stab an den Wirbelkörpern im betroffenen Wirbelsäulensegment an. Dieser hilft, die Wirbelsäule zu stabilisieren. Vorteil bei dieser OP-Methode ist, dass die betroffenen Wirbel beweglich bleiben – wenn auch nicht vollumfänglich.
  • Versteifungsoperation (auch Spondylodese oder Fusion): Dieses Verfahren kommt sowohl an der Hals-, Lenden- und auch Brustwirbelsäule infrage. Hier sind es über Stäbe verbundene Schrauben, die an den Wirbelkörpern fixiert werden, bevor der Operateur die betroffenen Bandscheiben entfernt. An deren Stelle kommen sogenannte Cages (korbartige Platzhalter), beispielsweise aus Titan, damit der Abstand der Wirbel bestehen bleibt. Aufgefüllt wird der Cage zum Beispiel mit Knochenspänen oder Substanzen, die die Knochenbildung anregen. Der Cage verbleibt im Körper – die Fusion mit den Wirbelkörpern dauert etwa 3 bis 4 Monate.2 Nach der Spondylodese ist die Wirbelsäule erheblich in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. Vor- und Nachteile sind daher im Vorfeld sorgfältig abzuwägen.
  • Versteifung von innen (ventrale Fusion): Im Gegensatz zur Spondylodese sind die benutzten Schrauben und Stäbe an der Wirbelsäuleninnenseite angebracht. Der Facharzt operiert von vorne, also zum Beispiel über den Bauchraum.

Osteochondrose – immer an der Wirbelsäule?


Tatsächlich ist die bereits thematisierte Osteochondrosis intervertebralis der Wirbelsäule die häufigste Form dieser Erkrankung. Daneben gibt es Osteochondrosis dissecans, bei der so gut wie alle Gelenke im Körper betroffen sein können. Beschränken sich die Beschwerden auf das Schambein (vorderer Teil des Hüftbeins), sprechen Mediziner von Osteochondrosis pubica. Der juvenilen Osteochondrose, bei der die krankhaften Knochenumbauten meist in der späten Pubertät auftreten, lassen sich wiederum verschiedene Krankheitsbilder zuordnen wie:

  • Morbus Scheuermann (wachstumsbedingte Bildung eines Rundrückens),
  • Morbus Perthes (kindliche Hüfterkrankung infolge eines minderdurchbluteten Hüftkopfes),
  • Morbus Panner (Absterben von Knochengewebe des Oberarmköpfchens; betrifft überwiegend Jungen zwischen 6 und 10 Jahren3).

Nicht selten werden Morbus Scheuermann und Morbus Panner synonym zu Juveniler Osteochondrose verwendet. Teils gibt es andere beziehungsweise zusätzliche Symptome bei den verschiedenen Formen der Osteochondrose (etwa Schonhinken bei Morbus Perthes oder Störungen der Herz- und Lungenfunktionen bei schweren Fällen von Morbus Scheuermann). Darüber hinaus hängen die Behandlungsmethoden konservativer sowie operativer Art vom individuellen Befund ab, etwa dem Stadium der Erkrankung. Wenden Sie sich daher bitte an einen Orthopäden (Wirbelsäulenspezialisten). Dieser kann eine fundierte Diagnosesicherung durchführen, ebenso eine zielführende Therapie in die Wege leiten oder Sie wenn nötig an einen Kollegen aus einem anderen medizinischen Fachgebiet, etwa einen Neurologen (spezialisiert auf Erkrankungen des Nervensystems) verweisen.

Einer Osteochondrose vorbeugen – geht das?

Ja! Mit …

  • … Bewegung (etwa moderatem Sport wie Schwimmen),
  • … dem Besuch einer Rückenschule,
  • … kontinuierlichem Training der Rücken- und Bauchmuskulatur.

Legen Sie gleich los!

Das könnte Sie auch interessieren:

Julia Lindert Die Ressortjournalistin Julia Lindert spezialisierte sich während ihres Studiums auf die Themenfelder Medizin und Biowissenschaften. Medizinische Sachverhalte in verständlicher Sprache zu formulieren, ist das, was sie an ihrer Arbeit besonders mag. Ihr Credo in Bezug auf Krankheitsbilder und Therapiemöglichkeiten: Nichts beschönigen, aber auch keine unnötigen Ängste schüren. Julia Lindert Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
Quellen anzeigen