Parkinson im Überblick:

  • Typische Symptome sind Zittern, Muskelsteife, verlangsamte Bewegung und Gleichgewichtsstörungen.
  • Der Auslöser ist ein Mangel an Dopamin (“Glückshormon”), begründet im Absterben spezieller dopamin-produzierender Nervenzellen.
  • Morbus Parkinson ist nicht heilbar, durch Medikamentengabe und weitere Maßnahmen, wie Physiotherapie und Logopädie, lassen sich die Beschwerden aber oft deutlich lindern.

Über das Krankheitsbild Morbus Parkison


Experten schätzen, dass in Deutschland derzeit etwa 400.000 Menschen an Parkinson erkrankt sind – Männer etwas häufiger als Frauen.1 Die Erkrankung wird meist bei Personen im Alter von etwa 60 Jahren diagnostiziert.1

Doch was ist Parkinson überhaupt? Dabei handelt es sich um eine Krankheit, die das Nervensystem betrifft. Sie wird auch als Parkinson-Syndrom, Parkinsonerkrankung oder Morbus Parkinson bezeichnet. In ihrem Verlauf kann es für Patienten vor allem zu starken Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit kommen.

Schon gewusst?

Namensgeber für die Parkinson-Krankheit war der englische Arzt James Parkinson. Er beschrieb 1817 das erste Mal die Hauptsymptome der Erkrankung. Ihm zu Ehren fällt auch der Welt-Parkinson-Tag auf seinen Geburtstag – den 11. April.1

Parkinson: Symptome erkennen


Welche Beschwerden in welcher Intensität vorkommen, ist von Patient zu Patient verschieden. Trotzdem lassen sich allgemeine Muster feststellen. Die ersten Symptome des Parkinson-Syndroms treten meist langsam und ganz allmählich auf, weshalb sie oft zunächst nicht als Krankheitsanzeichen erkannt werden und eine Früherkennung von Parkinson schwierig machen. Solche Symptome können beispielsweise sein:

  • Müdigkeit
  • allgemeine Abgeschlagenheit
  • verstärkte Vergesslichkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Ungeschicklichkeit
  • Probleme mit der Feinmotorik (beim Hemd zuknöpfen oder Schnürsenkel binden)
  • Schwierigkeiten beim Aufstehen (zum Beispiel aus einem tiefen Sessel)

Im weiteren Verlauf zeigen sich dann die typischen Bewegungseinschränkungen des Parkinsons, aufgrund derer die Krankheit umgangssprachlich auch als Schüttellähmung bekannt ist. Dazu zählen:

  • Zittern (Tremor): Vor allem im Ruhezustand ist es typisch für die Parkinson-Krankheit, dass die Muskeln der Extremitäten – also der Arme und Beine – zu zittern beginnen. Das kann sich bei Aufregung und Anspannung noch verstärken, weshalb das Zittern häufig als das auffälligste Symptom von Morbus Parkinson beschrieben wird.
  • Muskelsteifheit (Rigor): Bei Parkinson entwickelt sich aus der anhaltenden Anspannung bestimmter Muskeln eine Steifheit – Patienten sind dadurch in ihrer Bewegung eingeschränkt. Zum Krankheitsbeginn betrifft das oft vor allem die Muskulatur von Schultern, Nacken und Oberarmen.
  • verlangsamte Bewegungen (Bradykinese): Der Patient bewegt sich deutlich langsamer als es für gewöhnlich der Fall wäre. Der Betroffene braucht zum Beispiel länger zum Hinsetzen und Aufstehen oder geht auffällig schleppend. 
  • Gleichgewichtsstörungen: Mit Fortschreiten der Krankheit werden Gleichgewichtsreflexe eingeschränkt. Stolpert ein Parkinson-Patient beispielsweise oder wird er geschubst, ist es für ihn besonders schwierig, das Gleichgewicht wieder zu finden und auszubalancieren. Das Sturzrisiko und auch die Wahrscheinlichkeit für Verletzungen steigen dadurch.

Zu Krankheitsbeginn ist häufig nur eine Körperseite von der Symptomatik betroffen – also zum Beispiel ausschließlich das rechte Bein zittert und ist steif, das linke nicht. Mit Fortschreiten der Krankheit breitet sich Parkinson in der Regel auf die andere Körperhälfte aus.

Neben den klassischen Beschwerden gibt es weitere Symptome, die bei manchen Patienten auftreten:

  • Probleme beim Sprechen und Schlucken
  • geistige Beeinträchtigungen (zum Beispiel Gedächtnisschwächen oder verlangsamtes Denken)
  • Schlafstörungen
  • Depressionen

Im weit fortgeschrittenen Stadium können sich Probleme zeigen, die sich auf Störungen des vegetativen Nervensystems (zuständig für die unbewusste Steuerung der Körperfunktionen) zurückführen lassen. Dazu gehören Verdauungsprobleme wie Durchfall oder Verstopfung, Blasenschwäche oder Schwankungen des Blutdrucks.

Ursachen – wie kommt es zu Parkinson?


Verantwortlich für die Entstehung des Parkinson-Syndroms ist das bisher unerklärbare beschleunigte Absterben von dopamin-produzierenden Nervenzellen in einem speziellen Teil des Gehirns (Substantia nigra). Zwar deuten Forschungsergebnisse darauf hin, dass an diesem Defekt eine erbliche Komponente beteiligt sein könnte – jedoch ist das noch nicht abschließend geklärt.

Bei Dopamin handelt es sich um einen Botenstoff, auch Neurotransmitter genannt. Diese sind ganz allgemein an der Signalübertragung zwischen einzelnen Nervenzellen beteiligt. Dopamin im Speziellen ist für die Steuerung der Muskelaktivität von Bedeutung.

Bei einem Mangel an Dopamin (Senkung der Produktion um 70 bis 80 Prozent) ist die Kontrolle der Muskeln – insbesondere das Gleichgewicht aus An- und Entspannung – nicht mehr gewährleistet.2 Die für Parkinson typischen Symptome, wie Zittern und Gleichgewichtsstörungen, treten auf.


Verschiedene Formen des Parkinson-Syndroms


Bei dem bisher beschriebenen „echten“ (primären oder idiopathischen) Parkinson, das bei etwa 75 Prozent der Patienten auftritt, gibt es noch keine Erklärung für das verstärkte Absterben der Nervenzellen.3 Darüber hinaus gibt es noch folgende andere Arten der Erkrankung:

  • symptomatische (oder sekundäre) Form
  • atypisches Parkinson-Syndrom

Beide Ausprägungen werden im Gegensatz zum primären Parkinson durch einen klar identifizierbaren Auslöser verursacht.

Beim symptomatischen Symptom kann dieser eine andere Erkrankung, wie Durchblutungsstörungen im Gehirn oder ein Hirntumor, sein. Bestimmte Medikamente, zum Beispiel aus der Gruppe der Neuroleptika (beeinflussen den Stoffwechsel des Dopamins), kommen ebenfalls als Ursache in Frage.

Das atypische Parkinson-Syndrom tritt dagegen im Rahmen einer anderen neurologischen Krankheit auf, zum Beispiel einer Lewy-Körper-Demenz (spezielle Form von Demenz).

Gut zu wissen

Egal um welche Variante des Parkinsons es sich handelt, das Ergebnis ist immer dasselbe: Die Hirnzellen sind in ihrer Dopamin-Herstellung eingeschränkt, was einen Mangel zur Folge hat.

Parkionson-Diagnose durch den Arzt


Der passende Spezialist bei Verdacht auf ein Parkinson-Syndrom ist der Neurologe. Sein Fachgebiet sind Störungen und Erkrankungen des Nervensystems. Zu Beginn der Diagnosestellung erfragt er beim Patienten genau die vorliegenden Symptome. Folgende Aspekte spielen dabei unter anderem eine Rolle:

  • Beginn
  • Dauer
  • Intensität

Außerdem erkundigt er sich über vorliegende Grunderkrankungen (beispielsweise Stoffwechselstörungen) sowie eine eventuelle Medikamenteneinnahme. Bei einer körperlichen Untersuchung kann der Mediziner mitunter verlangsamte Bewegungen und Zittern der Gliedmaßen feststellen. Nicht selten reicht das charakteristische Beschwerdebild eines fortgeschrittenen Parkinson-Syndroms für den Facharzt bereits aus, um die Erkrankung zu erkennen.

Zusätzlich können bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen, um andere Erkrankungen als Ursache für die Symptome auszuschließen. Eine Kernspintomografie des Gehirns (mehrschichtige Aufnahmen des Schädels) gibt zum Beispiel Aufschluss darüber, ob ein Schlaganfall der Auslöser für Sprachstörungen oder Bewegungseinschränkungen ist.

Behandlungsmöglichkeiten bei Parkinson


Eine Heilung von Morbus Parkinson ist aktuell noch nicht möglich. Zur Behandlung der Symptomatik gibt es jedoch verschiedene Optionen. Hierzu zählen:

  • Medikamentengabe
  • Physiotherapie (Bewegungstherapie)
  • Logopädie (Sprechtherapie)
  • Psychotherapie

Generell zielt die medikamentöse Therapie darauf ab, den Mangel an Dopamin auszugleichen. Allerdings kann der Botenstoff dem Körper nicht direkt zugeführt werden. Stattdessen verschreiben Ärzte meist Arzneimittel, die die Aminosäure L-Dopa (eine Vorstufe von Dopamin) enthalten. Der Körper ist dann selbstständig in der Lage, L-Dopa in Dopamin umzuwandeln und so einen Mangel auszugleichen.

Jedoch sprechen einige Patienten mit der Zeit weniger auf diese Behandlung an, weshalb häufig eine Dosiserhöhung nötig ist. Dabei muss der Mediziner immer zwischen Nutzen und möglichen Nebenwirkungen abwägen, denn Begleiterscheinungen, wie unkontrollierbare muskuläre Zuckungen des Betroffenen, treten unter Umständen auf.

Als Alternative zu L-Dopa können Arzneien mit sogenannten Dopamin-Agonisten zum Einsatz kommen. Das sind Moleküle, die in ihrer chemischen Zusammensetzung dem Dopamin gleichen und vom Körper ähnlich verarbeitet werden – allerdings sind auch diese nicht frei von Nebenwirkungen. Es könnten unter anderem Übelkeit und Kreislaufprobleme auftreten.

Gut zu wissen

In der Regel stellt die Medikamentenverordnung die Hauptsäule der Behandlung dar. Weitere Maßnahmen wie Physiotherapie, Logopädie und Psychotherapie dienen vielmehr der Ergänzung.

Die Physiotherapie fördert unter anderem die Körperstabilität, Muskelkraft und Beweglichkeit durch gezielte Übungen. Parkinson bedingte Bewegungsstörungen können so zum Teil ausgeglichen werden.

Bei der Logopädie ist es das Ziel, aufgetretene Sprachstörungen zu verbessern. Unter Anleitung des Experten trainiert der Patient unter anderem die Kiefermuskulatur, eine deutliche Aussprache und hilfreiche Atemtechniken. Die Logopädie sollte als Therapiemaßnahme bei Parkinson nicht unterschätzt werden, da eine klare mündliche Verständigung für die meisten Patienten Voraussetzung für eine gute Lebensqualität ist.

Da viele Parkinsonerkrankte – aufgrund von Medikamentennebenwirkungen oder Einschränkungen im Alltag – mit psychischen Problemen, wie depressiven Verstimmungen, zu kämpfen haben, ist es oft sinnvoll, dass sie sich an einen Psychotherapeuten wenden. Dieser kann zu einem besseren Umgang mit der Krankheit verhelfen.

Weiterführende Therapie

Unter Umständen ist die Parkinson-Erkrankung schon so weit fortgeschritten, dass Funktionen des vegetativen Nervensystems, wie die Blutdruckregulierung, beeinflusst sind. In diesem Fall muss zusätzlich eine Behandlung der konkreten Symptome erfolgen (zum Beispiel Gabe von Medikamenten gegen Bluthochdruck).

Bei sehr ausgeprägten und medikamentös nicht behandelbaren Symptomen ist es teilweise sinnvoll, über eine Operation in Form einer tiefen Hirnstimulation (THS) nachzudenken. Dabei platziert ein Arzt während eines minimalinvasiven chirurgischen Eingriffs Elektroden in speziellen Hirnbereichen. Über diese wird das Gehirn dann gezielt elektrisch stimuliert, was eine Besserung der körperlichen Symptome bewirken kann. Die Elektroden verbleiben im Gehirn und sind mit einem Herzschrittmacher vergleichbar.

Liegt ein sekundäres oder atypisches Parkinson-Syndrom vor und die Symptome wurden durch eine andere Erkrankung oder Medikamente verursacht, stehen die Chancen gut, dass die Beschwerden nachlassen, wenn die Erkrankung therapiert beziehungsweise Arzneimittel (nach Absprache mit dem Arzt) abgesetzt wurden.

Parkinson – wie ist die Prognose?


Ein idiopathisches Parkinson-Syndrom ist bislang nicht heilbar und schreitet immer weiter fort. Das schränkt den Alltag der Betroffenen unter Umständen extrem ein und nimmt ihnen womöglich ihre Selbstständigkeit.

Die Lebenserwartung der Patienten bleibt durch Morbus Parkinson in der Regel aber unbeeinflusst. Außerdem ist es durch die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten oft möglich, eine hohe Lebensqualität auch nach der Diagnose über Jahre hinweg aufrecht zu erhalten. Das ist vor allem dann der Fall, wenn bereits die ersten Anzeichen erkannt werden und frühzeitig mit einer individuell abgestimmten Therapie begonnen wird.

Aufgrund ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin kennt Regina Brandt Krankenhäuser auch hinter den Kulissen. Durch ihr Studium der Sprach- und Kommunikationswissenschaften vermischen sich bei kanyo® ihre Kenntnisse in Sachen Online-Redaktion, Medizin und Kommunikation. Regina Lopes Bombinho Brandt Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin kanyo® mehr erfahren
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