Warum sind Handwerker besonders gefährdet

August 7, 2015

4 Min.

Viele handwerkliche Arbeiten werden unter unergonomischen Bedingungen durchgeführt. Egal ob Maurer, Maler oder Tapezierer, alle nehmen häufig bei der Arbeit eine Zwangshaltung ein, die die Muskulatur einseitig belastet. Nicht selten überdauern die Beschwerden die Arbeitszeit und mindern den Erholungswert in der Freizeit. Neben der muskelfeindlichen Arbeitshaltung müssen häufig schwere Lasten gehoben und getragen werden. Dies belastet das Muskel- und Skelettsystem zusätzlich.

Ein Handwerker der Rückenschmerzen hat.
Handwerker heben meist schwere Lasten und müssen daher besonders auf ihren Rücken achten.

Arbeitsunfähigkeit aufgrund von Rückenschmerzen

Der Fehlzeitenreport des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) aus dem Jahr 2017 benennt bei erwerbstätigen Mitgliedern – neben Atemwegserkrankungen (12,6 Arbeitsunfähigkeitstage) – Erkrankungen des Muskel-Skelett-Apparates (22,5 Arbeitsunfähigkeitstage) als häufigsten Grund für einen Arbeitsausfall.1 In den Berufsgruppen Zimmerei (4.459 AU-Tage je 1.000 AOK-Mitglieder), Dachdeckerei (4.142 AU-Tage je 1.000 AOK-Mitglieder) sowie Maurerhandwerk (3.888 AU-Tage je 1.000 AOK-Mitglieder) waren die Ausfälle am höchsten.2

Interessant:

Die BG Bau (Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft) ist ein Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Deren Ziel ist es, durch Maßnahmen im Arbeits- und Gesundheitsschutz Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten zu verhindern. Zur Vermeidung und Vorbeugung kann der Arbeitgeber Rat bei der BG BAU einholen. Sie unterstützt den Betrieb bei der Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen.

Die BG BAU rät dazu, dass Arbeitgeber und Mitarbeiter darauf achten, ergonomische Hilfsmittel zu nutzen. Die Mitarbeiter müssen Techniken erlernen, um eine einseitige Belastung der Muskulatur zu vermeiden. Hierfür können beispielsweise folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Fliesenschneidemaschinen auf höhenverstellbare Tische stellen
  • Kleingerüste oder Podeste verwenden, wenn es sich um Arbeiten im oberen Wandbereich handelt
  • Teleskop-Stiele mit Anbauwerkzeugen anwenden
  • Kleber-Auftragsgeräte im Stehen nutzen
  • Rückengurt anlegen, um schwere Lasten zu heben oder zu tragen
  • Knieschützer beim Arbeiten in kniender Haltung anziehen

Rückenschonendes Heben und Tragen schwerer Lasten

  • Wenn Sie schwere Lasten heben müssen, treten Sie nahe an diese heran. Gehen Sie – nur soweit wie nötig – in die Hocke und heben Sie die Last mit geradem Rücken hoch.
  • Beim Anheben leichterer Lasten werden die Knie leicht gebeugt. Den Oberkörper stützen Sie mit den Unterarmen auf den Oberschenkeln ab.
  • Beim Tragen ist darauf zu achten, dass die Last dicht am Körper gehalten wird.
  • Das Absetzen des Gegenstandes erfolgt gleichmäßig und mit geradem Rücken in der Hocke.
  • Vermeiden Sie plötzliche Bewegungen oder Verdrehungen, auch ein Hohlkreuz ist zu umgehen.
  • Von zu schwerem, einseitigem Heben sollten Sie absehen, da dieses rückenschädigend ist. Falls nötig, tragen Sie die Last lieber zu zweit.
  • Grundsätzlich darf die Einzellast bei Männern nicht mehr als 40 Kilogramm und bei Frauen nicht über 25 Kilogramm betragen.3

Auf der Internetseite der BG BAU finden Sie weitere Hinweise, wie Sie ergonomisch und rückenschonend arbeiten können.

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Tanja Albert
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Medizinredakteurin
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