Wie kommt es zu einer Hirnhautentzündung?


Für die Meningitis sind in erster Linie bakterielle und virale Erreger verantwortlich. Es gibt jedoch noch weitere Ursachen, so beispielsweise eine Infektion mit Pilzen. Aber auch im Rahmen verschiedener Krankheiten wie einer KrebserkrankungenoderSarkoidose (entzündliche Erkrankung, meist betrifft sie die Lunge) kann eine Hirnhautentzündung entstehen.

Bakterielle Meningitis

Klassischweise entsteht die Hirnhautentzündung durch eine Infektion mit Bakterien. Sie tritt meist im Kleinkind- oder Jugendalter auf. Die bakterielle Meningitis wird häufig durch Pneumokokken, die Erreger einer Lungenentzündung, ausgelöst. Die Bakterien können beispielsweise über die Schleimhäute der Atemwege (per Tröpfcheninfektion) oder angrenzende Entzündungsherde, beispielsweise bei einer Mittelohrentzündung, einwandern.

Daneben gibt es noch die Meningokokken-Erkrankung. Da die auslösenden Erreger außerhalb des menschlichen Körpers relativ rasch absterben, ist für die Übertragung ein enger Kontakt nötig. Die Bakterien werden daher direkt oder über Tröpfchen beim beispielsweise Husten oder Niesen weitergegeben. Die Dauer bis zum Ausbruch (Inkubationszeit) beträgt bei einer Meningokokken-Meningitis in der Regel 3 bis 4 Tage. Es sind jedoch auch Zeiträume zwischen 2 und 10 Tagen möglich.1

Eine bakterielle Meningitis kann zudem durch Haemophilus influenzae verursacht werden.

Meningokokken-Meningitis ist meldepflichtig!
Eine Meningokokken-Erkrankung kann einen schwerwiegenden Verlauf nehmen und innerhalb weniger Stunden lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Daher muss der Arzt nach dem Infektionsschutzgesetz bei Krankheitsverdacht, bereits ausgebrochener Meningokokken-Erkrankung (oder -sepsis) sowie Tod eine Meldung an das Gesundheitsamt machen.

Virale Meningitis

Nicht immer muss es jedoch eine bakterielle Hirnhautentzündung vorliegen, auch eine virale Hirnhautentzündung ist möglich. Diese kann beispielsweise durch eine Infektion mit Viren ausgelöst werden, die auch folgende Erkrankungen bedingen:

  • Herpes
  • FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)
  • Humane Immundefizienz (HIV)
  • Masern
  • Röteln

Aha!

Eine Meningitis ist ansteckend – egal, ob sie viral oder bakteriell bedingt ist. In den meisten Fällen werden die Erreger per Tröpfcheninfektion (Sprechen, Husten, Niesen oder Küssen) übertragen. Eine Ausnahme liegt vor, wenn die Hirnhautentzündung durch eine andere Erkrankugn wie Krebs entstanden ist – in diesen Fällen ist die Hirnhautentzündung nicht übertragbar.

Anzeichen und Symptome einer Meningitis erkennen


Zu Beginn äußert sich eine Hirnhautentzündung vor allem durch grippeähnliche Symptome, allen voran Fieber. Daneben treten beispielsweise folgende Beschwerden auf:

  • starke Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Müdigkeit
  • Geräusch- und Lichtempfindlichkeit

Im weiteren Verlauf tritt der charakteristische steife Nacken (Meningismus) auf. Vor allem, wenn Betroffene den Kopf nach vorne neigen, kommt es zu einer reflexartigen Versteifung des Nackens vor Schmerzen. Bei schweren Krankheitsverläufen sind zudem Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit sowie Lähmungen und Krämpfe möglich. Einige Betroffene leiden auch an Hörstörungen und/oder Hautveränderungen.

Für Eltern: Hirnhautentzündung beim Baby

Säuglinge bis zu drei Jahren weisen ein erhöhtes Risiko für eine bakterielle Meningitis auf.2 Die Hirnhautentzündung zeigt sich bei ihnen vorwiegend durch allgemeine Beschwerden wie Bauchschmerzen, Nahrungsverweigerung, Berührungsempfindlichkeit oder Krampfanfällen. In einigen Fällen äußert sich die Erkrankung lediglich durch eine Trinkschwäche und Erschöpfung, was das Erkennen für Eltern mitunter schwierig macht. Dennoch ist es bei Verdacht wichtig, umgehend einen Kinderarzt aufzusuchen, damit er gegebenenfalls umgehend eine Therapie einleitet.

Besonders ausgeprägt sind die Meningitis-Symptome bei einer bakteriellen Entzündung. Die Beschwerden können sich innerhalb weniger Stunden entwickeln und rasch verschlimmern. Sollten Patienten Anzeichen einer Hirnhautentzündung aufweisen, ist es wichtig, so schnell wie möglich einen Arzt zu kontaktieren. Unbehandelt kann die bakterielle Hirnhautentzündung schwere Komplikationen wie eine Gefäßerkrankung, ein Gehirnödem oder eine möglicherweise tödlich verlaufende Blutvergiftung (Sepsis) nach sich ziehen. Weiterhin sind bleibende Schäden, beispielsweise Behinderungen oder Taubheit, möglich.

Im Gegensatz zur bakteriellen Meningitis verläuft die durch Viren ausgelöste Erkrankung eher milder. Die Symptome verstärken sich meist über mehrere Tage hinweg. In der Regel heilt die virale Meningitis auch ohne Behandlung mit ausreichen Bettruhe innerhalb von 1 bis 2 Wochen von selbst.3

Nicht verwechseln: Gehirnentzündung (Enzephalitis)

Im Gegensatz zur Meningitis liegt bei der Enzephalitis eine direkte Entzündung des Gehirns vor. Sie kann aus der Meningitis oder selbstständig entstehen – die Auslöser sind dann vorrangig Viren. Symptomatisch leiden Patienten beispielsweise an Kopfschmerzen, hohem Fieber und Krämpfen sowie Bewusstseinstrübungen. In einem späteren Verlauf kommen noch Muskellähmungen hinzu. Meningitis und Enzephalitis können auch gleichzeitig auftreten, dann ist von einer Meningoenzephalitis die Rede.

Diagnose: Was passiert beim Arzt?


Bei Verdacht auf eine Hirnhautentzündung sollten Sie umgehend einen Hausarzt oder Neurologen aufsuchen beziehungsweise den Notdienst rufen. Eine rasche Diagnose und anschließende Therapie ist wichtig, um schwerwiegende Komplikationen sowie das Sterberisiko zu reduzieren. 

Für eine eindeutige Diagnose wird Ihnen der Arzt zunächst im Rahmen der Anamnese (Krankengeschichte) einige Fragen stellen. Diese drehen sich vorrangig um die aktuellen Beschwerden und dienen dazu, anderen Erkrankungen wie eine Grippe mit Kopfschmerzen und Fieber auszuschließen.

Im nächsten Schritt steht die körperliche Untersuchung an, bei der die klassischen Meningitis-Anzeichen überprüft werden.

  • Brudzinski-Zeichen: Der Patient liegt auf dem Rücken, während er zunächst das Kinn zum Brustkorb führt. Zieht der Erkrankte gleichzeitig reflexartig die Beine an, ist das sogenannte Brudzinski-Zeichen positiv.
Grafik von Meningitis Diagnose
  • Kernig-Zeichen: Im Liegen werden die Beine des Patienten bei gestrecktem Knie im Hüftgelenk gebeugt. Sollte der Patient hierbei die Knie aufgrund von Schmerzen beugen, ergibt sich das Kernig-Zeichen.
  • Lasègue-Zeichen: Hierfür liegt der Patient auf dem Rücken, während der Arzt jeweils ein gestrecktes Bein behutsam nach oben führt. Verspürt der Untersuchte dabei einen Schmerz, der vom Rücken ins Bein ausstrahlt, lässt dies auf eine Reizung der Gehirnhäute schließen.

In der Regel ist der Arzt bereits durch die Befragung des Patienten sowie körperliche Untersuchung in der Lage zu sagen, ob eine behandlungsbedürftige Meningitis vorliegt. Um diesen Verdacht zu erhärten, stehen ihm weitere Untersuchungsmethoden zur Verfügung. Diese werden meist im Krankenhaus durchgeführt – wer vorher bei einem Haus- oder Kinderarzt war, wird demnach direkt an ein Klinikum weitergeleitet.

Als weiterführende Untersuchungsmethoden kommen unter anderem folgende infrage:

  • Blutabnahme für Blutkulturen: Mithilfe eines mikrobiologischen Verfahrens können im Blut vorhandene Krankheitserreger (vor allem Bakterien) nachgewiesen und identifiziert werden. So ist es möglich, ein geeignetes Antibiotikum auszuwählen.
  • Entnahme von Nervenwasser (Liquorpunktion) Hierfür entnimmt der behandelnde Arzt mit einer feinen Hohlnadel etwas Nervenwasser (Liquor) aus dem Rückenmarkskanal. Die entnommene Flüssigkeit wird anschließend auf mögliche Erreger der Meningitis untersucht.
  • Bildgebende Verfahren: Durch eine Computertomografie (CT) lassen sich Aussagen zum Zustand des Gehirns treffen und beispielsweise Schwellungen, Abszesse oder Infarkte erkennen. Manchmal wird eine Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) durchgeführt.

Sofern die Hirnhautentzündung infolge einer anderen Infektion im Körper entstanden ist, können noch weitere Untersuchungsmethoden zum Einsatz kommen. Beispielsweise ist bei Verdacht auf eine Lungenentzündung als Auslöser eine Röntgenaufnahme des Organs möglich.

Wie wird eine virale oder bakterielle Hirnhautentzündung behandelt?


Je nachdem, ob es sich um eine virale oder bakterielle Meningitis handelt, schließen sich an die Diagnose unterschiedliche Therapieschritte an.

Bei einer bakteriellen Meningitis wird zunächst häufig ein Breitbandantibiotikum (wirksam gegen eine Vielzahl verschiedener Bakterien) angewandt. Die Antibiotika-Therapie soll eine weitere Ausbreitung der Erreger im Körper verhindern. Sobald dem Arzt das Ergebnis der Blutuntersuchung und somit der spezifische Erregernachweis vorliegt, kann er das am besten wirksame Antibiotikum wählen. Häufig werden prophylaktisch auch Familienmitglieder mit Antibiotika behandelt, um einen eventuellen Ausbruch der Erkrankung zu vermeiden.

Interessant:

Liegt eine Pneumokokken-Meningitis vor, erhalten Betroffene oftmals noch Glukokortikoide. Diese wirken entzündungshemmend und verbessern die Prognose der bakteriellen Meningitis. Bei anderen erregerbedingten Ursachen konnten keine Vorteile der Therapie festgestellt werden.4

Dem gegenüber erfolgt die Behandlung einer viralen Meningitis symptomatisch. Dahingehend werden dem Patienten beispielsweise entzündungshemmende und fiebersenkende Mittel verabreicht. Auch Bettruhe ist für die Genesung angezeigt. Nur in wenigen Fällen kommen spezielle Medikamente gegen Viren (Virostatika) zum Einsatz, so zum Beispiel, wenn Herpesviren (Herpes-Simplex-, Epstein-Barr-, Zytomegalie- und Varicella-Zoster-Virus) sowie das HI-Virus (HIV) aus Auslöser identifiziert werden konnten.

Hirnhautentzündung: Prognose und Verlauf


Eine Meningitis gilt als potenziell lebensbedrohlich. Die Prognose ist dabei jedoch abhängig von der Ursache (Erregertyp) und wie schnell die Therapie begonnen wird.

Insbesondere bei einer bakteriellen Hirnhautentzündung ist rasches Handeln gefragt – unbehandelt endet sie fast immer tödlich. Wird die Therapie jedoch rechtzeitig begonnen, stehen die Chancen auf eine vollständige Genesung gut. Aber: Auch hier spielen der genaue Erregertyp und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten eine Rolle. Beispielsweise gilt die Prognose für Patienten mit einem geschwächten Immunsystem (wie Senioren) als ungünstiger. Wie lange Betroffene krank sind, richtet sich danach, wie sie auf die Therapie ansprechen.

Die virale Meningitis gilt gegenüber der bakteriellen als weniger lebensbedrohlich. Jedoch bestimmen auch hier die genauen Viren und der Gesundheitszustand des Patienten den weiteren Verlauf. Im Allgemeinen heilt eine virale Hirnhautentzündung jedoch innerhalb weniger Wochen ab.2

Der Hirnhautentzündung mittels Impfung vorbeugen


Vorbeugend ist es möglich, sich gegen einige Meningitis-Erreger impfen zu lassen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt folgende Impfungen:

  • Die Meningokokken-Impfung (der Serogruppe C) sollte im Alter von 12 bis 23 Monaten erfolgen.5 Weitere Impfstoffe gegen die Meningokokken-Erreger A, B, W und Y sind ebenfalls vorhanden, werden jedoch nur bestimmten Personengruppen gespritzt, beispielsweise gefährdetem Laborpersonal oder Menschen mit einer Immunschwäche.
  • Die Pneumokokken- Impfung erfolgt auf drei Mal: Die erste Spritze erhalten Kinder im Alter von 2 Monaten, gefolgt von einer zweiten Impfung im 4. Lebensmonat. Die letzte Dosis sollte zwischen dem 11. und 14. Monat geimpft werden.6
  • Die Kombinationsimpfung gegen Hib (Haemophilus influenzae) besteht aus vier Teilimpfungen (im zweiten, dritten, vierten sowie zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat). In der Regel wird die Hib-Impfung im Rahmen der Grundimmunisierung als Sechsfachimpfstoff zusammen mit Tetanus (Wundstarrkrampf), Pertussis (Keuchhusten), Polio (Kinderlähmung), Diphtherie (Bräune) und Hepatitis B (Leberentzündung) gegeben.7

Darüber hinaus sind auch Impfstoffe gegen eine Mumps-Infektion, die ebenfalls als Auslöser für eine Hirnhautentzündung infrage kommt, oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die durch eine mit dem Virus infizierten Zecke übertragen wird, vorhanden. Um den Impfschutz bei FSME aufrechtzuerhalten, sollte die FSME-Impfung nach der Grundimmunisierung erneuert werden: Die Auffrischung des Impfstoffes wird erstmals nach 3 Jahren und alle nachfolgenden Impfungen alle 5 Jahre empfohlen.8

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Tanja Albert Von der Schülerzeitung übers Journalismus-Studium in die Online-Redaktion von kanyo® - Tanja Albert hat das Schreibfieber gepackt. Gemischt mit ihrem Interesse für Ernährungs- und Gesundheitsthemen stürzt sie sich Tag für Tag in die medizinische Recherche - und bringt das Ganze auch in die Sozialen Netzwerke, nämlich als Social Media Managerin. Tanja Albert Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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