Was passiert bei der Krankheit MS im Körper?


Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Krankheit unseres zentralen Nervensystems. MS zählt zu den sogenannten Autoimmunkrankheiten, bei denen Körperzellen, die eigentlich für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig sind, den eigenen Körper angreifen.

Im Genaueren wird bei der Krankheit MS die Schutzhülle (die sogenannte Myelinscheide) von Nervenfasern (Axone) geschädigt. Bei Axonen handelt es sich um Nervenfortsätze, die zusammen mit der Myelinscheide wichtig für die Reizweiterleitung im Nervensystem sind. Zusammen stellen sie somit sicher, dass zum Beispiel Befehle von Gehirn an den Zielmuskel weitergeleitet werden.

Die Krankheit MS führt dazu, dass Abwehrzellen des Körpers die Myelinscheiden der Axone angreifen und diese sich dadurch entzünden. Solch eine Reaktion kann sich anfangs noch zurückbilden, doch im späteren Verlauf, führt sie zum Abbau der Myelinscheide. Die Schutzhülle kann sich dann nur noch teilweise regenerieren, wodurch vernarbte Bereiche, sogenannte Plaques, entstehen.

Der Prozess wird auch Verhärtung oder Sklerosierung genannt. Diese wiederum führt dazu, dass die Reizweiterleitung an den betroffenen Stellen nicht mehr richtig funktioniert, was je nach Ort der Verhärtung unterschiedliche Auswirkungen haben kann. Da die Symptome deshalb sehr verschieden sein können, ist die Diagnose anfangs schwierig und benötigt einen längeren Beobachtungszeitraum von mehreren Wochen bis Monaten, bis der Arzt konkrete Aussagen treffen kann.

Mögliche Ursachen von Multipler Sklerose


Weltweit leiden circa 2,5 Millionen, in Deutschland ungefähr 100.000 bis 120.000 Menschen an Multipler Sklerose1. Trotzdem sind die genauen Ursachen der Krankheit MS noch nicht eindeutig geklärt. Es gibt jedoch Hinweise und Hypothesen zu Faktoren, die die Entstehung der Autoimmunkrankheit beeinflussen können.

Die Gene tragen zur Krankheit MS bei

Auch wenn die genauen Ursachen von Multipler Sklerose noch unklar sind, ist ziemlich sicher, dass Gene zwar nicht alleine für die Erkrankung verantwortlich sind, aber eine wichtige Rolle bei ihrer Entstehung spielen. Neuesten Studien zufolge tragen sie zu einem Drittel zum Risiko bei, an MS zu erkranken.2 So haben Kinder von MS-Patienten ein zwanzigfach erhöhtes Risiko, Multiple Sklerose zu bekommen.3 Generell wächst die Wahrscheinlichkeit an, je enger der Verwandtschaftsgrad ist.

Äußere Faktoren könnten die Krankheit MS beeinflussen

Studien zufolge können Umweltfaktoren stark dazu beitragen, an Multipler Sklerose zu erkranken.4

Folgende Faktoren stehen in der Diskussion:

  • virale Infektionen: Verschiedene Viren können bei MS-Patienten nachgewiesen werden und stehen deshalb im Verdacht, zur Entstehung von Multipler Sklerose beizutragen. Dazu zählen der Epstein-Bar-Virus (EBV) und der Herpes-simplex-Virus, die beide auch bei gesunden Menschen vorkommen. Vor allem die Verbindung zu EBV-Infektionen als Auslöser von MS wird diskutiert, da nahezu alle MS-Patienten positiv darauf getestet werden. Ob der Virus jedoch tatsächlich Multiple Sklerose auslösen kann, wird derzeit noch untersucht.
  • Vitamin D-Mangel: Zudem gibt es Hypothesen, die die Beteiligung von einem Vitamin D-Mangel an der Krankheit MS vermuten. Es konnte nämlich gezeigt werden, dass die Einnahme des Vitamins zur Verbesserung und Vorbeugung der Symptome beiträgt. Zudem beeinflusst Vitamin D die Aktivität unseres Immunsystems positiv.
  • Rauchen: Die Mechanismen sind hier noch nicht genau untersucht. Es ist allerdings bekannt, dass Rauchen das Risiko, an MS zu erkranken, erhöht und den Krankheitsverlauf beschleunigt.

Mehrere Faktoren können bei der Entstehung von Multipler Sklerose eine Rolle spielen und das Fortschreiten der Krankheit beeinflussen. Aus diesem Grund wird MS auch als multifaktorielle Krankheit bezeichnet.

Welche Schmerzen MS hervorrufen kann die Symptome


Es gibt viele Anzeichen, die auf die Krankheit MS hindeuten können. Sie hängen davon ab, welche Stellen verhärtet sind, also wo eine Signalweiterleitung unserer Nerven nicht mehr möglich ist. Jedoch lassen sich die Symptome in zwei Kategorien einteilen, je nachdem ob sich die Krankheit im Anfangs- oder Endstadium befindet.

Zu den Frühsymptomen zählen:

  • Empfindungsstörungen wie Taubheitsgefühle oder Kribbeln an Armen, Beinen oder Rumpf
  • vorübergehende Lähmungen, die krampfartig auftreten können
  •  Sehstörungen, die sich durch ein getrübtes Blickfeld, Doppelbilder oder einen Sehausfall im Blickzentrum äußern
  • Müdigkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
Treten diese Symptome auf, heißt das aber noch nicht, dass zwangsläufig Multiple Sklerose vorliegen muss. Empfindungsstörungen werden zum Beispiel auch durch einen Bandscheibenvorfall oder Alkoholmissbrauch verursacht. Da sich MS auf viele Weisen bemerkbar macht, ist es aber dennoch wichtig, bei Verdacht einen Neurologen aufzusuchen, der eine fundierte Diagnose stellt.

Multiple Sklerose bedeutet nicht zwangsläufig ein Leben im Rollstuhl

Bei der Nachricht an MS erkrankt zu sein, sehen sich die Patienten häufig gleich im Rollstuhl sitzen. Das muss aber nicht der Fall sein. Manche Patienten haben trotz der Krankheit MS kaum Schmerzen und können ihren Alltag ohne Probleme bewältigen.

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MS-Betroffene im Interview
Wie lebt es sich eigentlich mit Multipler Sklerose? Antwort darauf gibt Samira. In unserem Gesundheitspodcast berichtet sie über ihre Krankheitsgeschichte und Erfahrungen.

Im weiteren Verlauf einer Multiplen Sklerose sind auch Inkontinenz oder Verlust des Geschmacksinns möglich. Bei einer schweren Erkrankung kann es zudem zu irreversiblen Lähmungen und Bewegungsstörungen kommen. Allerdings ist dies abhängig von der Art und der Schwere des Krankheitsbilds.

Verlaufsformen von Multipler Sklerose


Neben den Seh- oder Empfindungsstörungen, die meistens schon im Frühstadium vorkommen, können im späteren Verlauf stärkere MS-Schmerzen auftreten. Welche Körperpartien von Schmerzen oder Lähmungen betroffen sind, steht im Zusammenhang mit den beschädigten Nerven. Unabhängig davon, welche Bereiche des Körpers Symptome zeigen, gibt es verschiedene Verlaufsformen der Krankheit MS.

Die primär progrediente Multiple Sklerose (PPMS): Diese Ausprägung von MS kommt im Vergleich bei weniger Menschen vor. Bei PPMS verschlechtert sich das Krankheitsbild der Patienten von Anfang an entweder kontinuierlich oder unregelmäßig. Kurzzeitig können Phasen der Besserung vorkommen, trotzdem ist tendenziell eine stetige Verschlechterung zu beobachten.

Die sekundär progrediente Multiple Sklerose (SPMS):

Im Gegensatz zur PPMS treten die MS-Schmerzen bei dieser Form in Schüben auf. Im Frühstadium der Krankheit fallen sie unterschiedlich stark aus und dauern circa 24 Stunden an.5 In der weiteren Entwicklung (dies kann erst nach Jahren der Fall sein) gehen die Beschwerden in einen kontinuierlichen Verlauf über und verschlimmern sich.

MS-Schmerzen lindern die Behandlung von MS


Bis zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch nicht möglich, Multiple Sklerose zu heilen. Dennoch können die Symptome gelindert und der Krankheitsverlauf verlangsamt werden. Die jeweilige Therapie ist von Patient zu Patient unterschiedlich und wird von Spezialisten festgelegt. Zur Rehabilitation von Bewegungsstörungen sind Physiotherapie und Ergotherapie geeignete Methoden, um Patienten wieder an bestimmte motorische Abläufe, wie zum Beispiel die Bewegung eines Armes, zu gewöhnen.

Die schubförmige MS (SPMS) kann mit Medikamenten gegen schwer entzündliche Krankheiten behandelt werden. Entsprechende Wirkstoffe können die Schmerzen der Schübe durch eine Hemmung der Nervenentzündung lindern und werden den Patienten meistens in Form von Infusionen verabreicht.

Bei PPMS werden Medikamente eingesetzt, die das Immunsystem stimulieren. Sie sollen zum einen verhindern, dass Entzündungszellen in das zentrale Nervensystem eindringen, zum anderen soll die Anzahl derartiger Zellen vermindert werden. Solche Wirkstoffe werden mit dem Ziel eingesetzt, die Häufigkeit und Schwere der Krankheitsschübe zu reduzieren.

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Romina Enz Medizinische Fragestellungen sowie die Biologie des Menschen zählten schon immer zu ihren Leidenschaften – ein Grund, weshalb die Biologin Romina Enz von 2017 bis 2021 bei kanyo® arbeitete. Die tägliche Auseinandersetzung mit aktuellen Themen der Medizin in Kombination mit der Texterstellung bieten ihr als medizinische Online-Redakteurin die optimale Mischung aus Naturwissenschaft und Kreativität. Romina Enz Medizinredakteurin und Biologin kanyo® mehr erfahren
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Quellen anzeigen
  • 1Hein T., & Hopfenmuller W. (2000): Projection of the number of multiple sclerosis patients in Germany. Nervenarzt 71, S.288–294.
  • 2Linker, R., & Mäurer, M. (2017): Welche Rolle spielt die Ernährung für die Multiple Sklerose?. DNP-Der Neurologe & Psychiater, 18, S.54-59.
  • 3Ebers GC et al. (1995) A genetic basis for familial aggregation in multiple sclerosis. Canadian Collaborative Study Group. Nature 377, S150–151.
  • 4Linker, R., & Mäurer, M. (2017): Welche Rolle spielt die Ernährung für die Multiple Sklerose?. DNP-Der Neurologe & Psychiater, 18, S.54-59.
  • 5Neurologen und Psychiater im Netz (o. A.): Erkrankungsbild bei Multipler Sklerose (MS). Online abgerufen unter: https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/neurologie/erkrankungen/multiple-sklerose-ms/krankheitsbild/