Taubheitsgefühl als Symptom von Empfindungsstörungen


Empfindungsstörungen beschreiben eine veränderte Wahrnehmung von Berührungen oder Temperatur durch unser größtes Organ, die Haut. Vor allem der Tastsinn ist verändert, wobei Hitze und Kälte nicht mehr richtig erkannt werden oder spitze, gefährliche Gegenstände nur noch wenig bis keine Schmerzen hervorrufen. Diese Veränderungen können unterschiedliche Ursachen haben, jedoch sind in allen Fällen die somatischen Nerven beteiligt. Sie sind mit unseren Sinnesorganen – beispielsweise der Haut – verbunden und zuständig für Motorik und Empfindungen.

Sind die somatischen Nerven geschädigt oder abgeklemmt, treten Empfindungsstörungen auf. Diese werden am häufigsten durch Kribbeln in den Beinen und Armen deutlich und oft als „Ameisenlaufen“ oder „elektrisierendes Gefühl“ beschrieben. Vergleichbar damit ist die Empfindung, wenn man kalte Hände unter warmes Wasser hält. Taubheitsgefühle sind ebenfalls ein Symptom von Empfindungsstörungen, die mit den somatischen Nerven zusammenhängen. Hierbei kann der Tastsinn eingeschränkt oder die Wahrnehmung von Temperatur gestört sein.

Ursachen von Empfindungsstörungen


Empfindungsstörungen wie Kribbeln in den Beinen und Armen oder ein Taubheitsgefühl können verschiedene Ursachen haben. Neben Gründen wie Vitaminmangel lösen unter Umständen auch schwerwiegendere Krankheiten die Ausfälle aus. Deshalb sollten langanhaltende Symptome beim Arzt abgeklärt werden. Eine veränderte Empfindung kann durch folgende Gründe entstehen:

  • Vitaminmangel: Ein Mangel an Vitamin B12 kann die Symptome von Empfindungsstörungen auslösen. Es kommt in großen Mengen in tierischen Produkten wie Weichkäse und Fisch vor und ist an der Bildung der Schutzhülle unserer Nerven beteiligt. Taubheitsgefühle und Kribbeln können die Folge sein, wenn ein Mangel des Vitamins vorliegt.
  • eingeklemmter Nerv: Unfälle oder „falsche“ Bewegungen können dazu führen, dass Nerven eingeklemmt werden und diese dann nicht mehr in der Lage sind, Impulse zu senden. Je nachdem wo sich der betroffene Nerv befindet, können Symptome wie Kribbeln in den Beinen folgen.
  • Bandscheibenvorfall: Die Ursachen eines Bandscheibenvorfalls liegen häufig in einer Überlastung oder Verschleißerscheinung der Wirbelsäule. Die Bandscheibe verrutscht und kann dadurch bestimmte Nerven abklemmen. Wie stark und wo genau die Symptome auftreten, hängt davon ab, in welchem Bereich der Wirbelsäule der Vorfall geschehen ist. Hals-, Brust- oder Lendenwirbelsäule können betroffen sein.
  • Alkoholmissbrauch: Die Abbauprodukte von Alkohol sind „giftig“ für unsere Nerven und können Taubheitsgefühle und Kribbeln auslösen. Längerfristiger oder dauerhafter Alkoholkonsum kann zu Nervenschädigungen führen. Die Nerven können sich nach Ende der Sucht allerdings wieder regenerieren.
  • Ansteckungskrankheiten: Virale Infektionen wie Masern, Mumps oder die von Zecken übertragenen Erkrankungen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) sowie Borreliose können Entzündungen im zentralen Nervensystem auslösen, woraus möglicherweise Empfindungsstörungen resultieren.
  • Multiple Sklerose: Die entzündliche Krankheit des zentralen Nervensystems äußert sich häufig durch viele verschiedene Symptome. Sie führt zu zerstörten Myelinscheiden (Schutzhülle der Nerven), wodurch es zu Kribbeln oder Taubheitsgefühlen kommen kann.
  • Schlaganfall: Ein Schlaganfall führt unter Umständen zu Empfindungsstörungen auf einer Körperseite, da bestimmte Bereiche im Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Die dadurch absterbenden Nerven lösen die Symptome aus. Ein Schlaganfall ist ein Notfall und muss sofort notärztlich behandelt werden!
  • Diabetes Typ 1 und 2: Hervorgerufen durch einen dauerhaft erhöhten Zuckerspiegel (beispielsweise durch fehlendes Insulin (Typ 1) oder eine erworbene Insulinresistenz (Typ 2)) kann eine sogenannte diabetische Neuropathie (Schädigung der Nerven) entstehen. Die Folge davon sind Empfindungsstörungen.
  • HWS-Syndrom: Degenerative (verschleißbedingte) Veränderungen der Wirbelkörper oder Entzündungen (zum Beispiel durch Infektionen) der Halswirbelsäule können ein Taubheitsgefühl und Kribbeln in Armen und Nackenbereich hervorrufen.

Neben physischen Auslösern wie Unfällen oder körperlichen Krankheiten können auch psychische Erkrankungen eine Ursache von Taubheitsgefühl oder Kribbeln sein. Dann ist die Rede von einer sogenannten dissoziativen Empfindungsstörung. Eine dissoziative Empfindungsstörung, die neben den Beschwerden der Haut auch Seh- oder Riechstörungen auslösen kann, wird hauptsächlich durch traumatische Erlebnisse entwickelt.

Kribbeln und Taubheitsgefühlen richtig vorbeugen


Die Behandlung der Symptome von Empfindungsstörungen passt sich an das jeweilige Krankheitsbild an. Deswegen ist es wichtig, die Ursache von einem Arzt abklären zu lassen, der dann eine geeignete Therapie ansetzen kann.

Zudem gibt es Tipps, mit denen Sie Ihrem Nervensystem selbst etwas Gutes tun können. Neben dem Verzicht auf Nikotin sollten Sie auf ausreichende Bewegung achten. Beides ist gut für die Durchblutung und Gesundheit Ihrer Nerven. Auch eine vitaminreiche und ausgewogene Ernährung ist wichtig, um dem Nervensystem die richtigen Nährstoffe zu liefern. Besonders Diabetiker sollten ihre Ernährung anpassen und auf den Zuckerspiegel achten, um Kribbeln und Taubheitsgefühlen entgegenzuwirken.

Medizinische Fragestellungen sowie die Biologie des Menschen zählten schon immer zu ihren Leidenschaften – ein Grund, weshalb die Biologin Romina Enz seit 2017 bei kanyo® arbeitet. Die tägliche Auseinandersetzung mit aktuellen Themen der Medizin in Kombination mit der Texterstellung bieten ihr als medizinische Online-Redakteurin die optimale Mischung aus Naturwissenschaft und Kreativität. Romina Enz Medizinredakteurin und Biologin kanyo® mehr erfahren
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