Diabetes als Ursache von Nervenschädigungen

Patienten, bei denen ein Diabetes Typ 1 oder Typ 2 diagnostiziert wurde, leiden viel häufiger an Nervenschädigungen als Patienten mit anderen chronischen Erkrankungen oder gesunde Personen. Doch woran liegt das und was bedeutet dies für Diabetiker.

Frau mit Diabetes misst Blutzucker
Auch der Blutzuckerspiegel kann sich auf die Nerven auswirken. Daher kann Diabetes eine Nervenschädigung begünstigen.

Diabetes als Primärerkrankung

Es gibt zwei Arten von Diabetes: Typ 1 und Typ 2:

  • Typ 1 tritt häufig im jugendlichen Alter auf und beruht auf einer Autoimmunreaktion gegen den eigenen Körper, in diesem Fall gegen die Langerhans‘schen Inseln der Bauchspeicheldrüse, den Produzenten von Insulin. Insulin ist das Hormon, das den Blutzuckerspiegel im Körper reguliert. Fällt es aus, ist der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht. Die Folge: eine chronische Diabetes-Erkrankung.
  • Die zweite Unterform ist der sogenannte Alterszucker (Diabetes Typ 2). Der Name Alterszucker entstand, weil dieser Subtyp erst mit fortschreitendem Alter auftritt und auf einer erworbenen Insulinresistenz des Körpers beruht.
Utensilien von Diabetes-Patienten, die häufig an Nervenschädigungen leiden
Typische Utensilien von Diabetes-Patienten: Blutzuckermessgerät und Teststreifen, Insulinpen.

Die Langzeitbehandlung besteht bei beiden Subtypen aus einer Insulinersatztherapie. Abhängig vom gemessenen Blutzuckerspiegel spritzt sich der Patient eine genau berechnete Menge an Insulin in Bauch oder Oberschenkel, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Bei jungen, aktiven Diabetes-Patienten kann die Therapie auch mittels einer Insulinpumpe erfolgen.

Diabetische Neuropathie

Diabetische Neuropathie ist der medizinische Fachbegriff für Nervenschädigungen, die aufgrund einer Diabetes-Erkrankung entstehen. Was der genaue Auslöser für eine diabetische Nervenschädigung ist, ist noch nicht endgültig geklärt. Spezialisten gehen davon aus, dass ein Zusammenhang mit dem zu hohen Blutzuckerspiegel besteht. Überschüssige Zuckermoleküle (= Glucose) können sich an andere, körpereigene Proteine anheften und die Blutgefäße verstopfen – ähnlich wie man dies von Cholesterin kennt. Wie bei einem Wasserschlauch, der eine Engstelle hat, kann auch hier das Blut nicht mehr mit voller Geschwindigkeit durch die Gefäße fließen und die umliegenden Zellen werden somit unterversorgt. Geschieht dies im Umkreis von Nerven, wird aufgrund fehlender Nährstoffe oder aufgrund einer Sauerstoffunterversorgung des Nervs eine Funktions- oder Sensibilitätsstörung hervorgerufen. Dies äußert sich in Bewegungseinschränkungen oder Wahrnehmungsstörungen. Die diabetische Nervenschädigung wird aber auch noch auf eine andere Art und Weise hervorgerufen: Nicht nur Alkohol und Nikotin können sich als „Nervengifte“ im Gewebe ablagern und dieses schädigen – auch bei Zucker und den Abbauprodukten der Zuckermoleküle ist dies möglich.

Gerade die Sensibilitätsstörung bei einer diabetischen Nervenschädigung kann weitreichende Folgen haben: Wenn die Empfindungen in den Gliedmaßen abnehmen, kann dies bedeuten, dass kleinere Verletzungen wie etwa Schürf- oder Schnittwunden aufgrund der gestörten Schmerzwahrnehmung erst verspätet wahrgenommen werden, was den Heilungsprozess verzögern und das Infektionsrisiko der Wunde steigern kann. Besonders häufig tritt dies bei Diabetes-Patienten an den Füßen auf, weil drückende oder scheuernde Schuhe nicht wahrgenommen werden.

Die beste Vorsorge gegen eine diabetische Neuropathie ist eine regelmäßige Kontrolle des Blutzuckerspiegels und gegebenenfalls eine Anpassung der zu spritzenden Insulindosis, in Absprache mit dem behandelnden Arzt. Ist der Blutzuckerspiegel gut eingestellt und sind die Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten unter Kontrolle, kann dies langfristig sogar zu einer Regeneration geschädigter Nerven beitragen und die Symptome verbessern.

Symptome einer diabetischen Nervenschädigung

Eine diabetische Nervenschädigung kann sich in vielerlei Symptomen äußern, beispielsweise:

  • Taubheits- und/oder Pelzigkeitsgefühl in den Gliedmaßen aufgrund von Sensibilitätsstörungen (von den Patienten oft als Kribbeln beschrieben oder so, als ob Ameisen an den Armen oder Beinen entlanglaufen würden)
  • Veränderungen im Schmerzempfinden
  • Muskelschwäche und Muskelschwund sowie damit verbundene Bewegungsstörungen oder -ausfälle
  • Schmerzen in den betroffenen Körperregionen
  • Lähmungserscheinungen von kompletten Gliedmaßen

Eine sorgfältige Symptombeschreibung ist wichtig, um effektive Behandlungsmaßnahmen einführen zu können. Mehr zur Behandlung von Nervenschmerzen finden Sie hier.