Das Rückenmark – zwischen Gehirn und Körper geschaltet

Spüren, wie weiches Gras auf der Haut kitzelt, morgens joggen gehen oder die Hände an der warmen Kaffeetasse wärmen – ohne Rückenmark? Unmöglich. In seinen Aufgaben ist es mindestens genauso wichtig und vielfältig wie das prominentere, vorgeschaltete Gehirn. Das Rückenmark gibt seine Befehle an den Rest des Körpers weiter und sammelt gleichzeitig Informationen über dessen Zustand. Nur wenn das Zusammenspiel zwischen beiden Instanzen reibungslos abläuft, ist das Leben wie wir es kennen, überhaupt möglich.

Aufbau Skizze des Rückenmarks
Im Querschnitt der Wirbelsäule lässt sich das Rückenmark erkennen.

Der Aufbau des Rückenmarks

Gut geschützt von der knöchernen Wirbelsäule verläuft das knapp einen halben Meter lange Rückenmark innerhalb des Wirbelkanals vom Nacken bis hin zum unteren Rücken. Neben der Wirbelsäule und den in den Aufbau integrierten drei Rückenmarkshäuten ist das Rückenmark zu seinem eigenen Schutz außerdem im sogenannten Liquor eingebettet. Sein Aufbau und dieses Nervenwasser sorgen dafür, dass starke Kräfte, die von außen auf das Rückenmark einwirken, einfach abgefedert werden und nicht jedes Mal großen Schaden anrichten. Aufgrund seiner Lage und Funktion gehört das Rückenmark zum zentralen Nervensystem.

 

Das menschliche Nervensystem

Unser Nervensystem ist keineswegs nur für die Verarbeitung und Auswertung von Reizen zuständig: Auch die Kontrolle vieler Körperfunktionen und die Steuerung von Bewegungen und Reaktionen fällt in seinen Aufgabenbereich. Unterscheiden lassen sich dabei:

  • das zentrale Nervensystem (ZNS), bestehend aus Gehirn und Rückenmark
  • das periphere Nervensystem (PNS), bestehend aus allen übrigen Nerven im Körper

Entsprechend seiner Aufgaben lässt sich das Nervensystem nochmals untergliedern:

  • somatisches Nervensystem: steuert Bewegungen und Reaktionen, die wir willentlich steuern
  • autonomes Nervensystem: steht nicht unter unserer willkürlichen Kontrolle

Zu den Aufgaben des autonomen Nervensystems gehören zum Beispiel die Steuerung des Verdauungsablaufs, der Sexualfunktionen und der Ausschüttung von Hormonen.

Das Rückenmark und seine Nerven

Um seinen Funktionen voll und ganz gerecht zu werden, ist das Rückenmark sowohl aus afferenten als auch aus efferenten Nerven zusammengesetzt. Die afferenten Nerven tragen dem Rückenmark Informationen über Vorgänge und Reize überall im Körper zu. Diese Meldungen gibt das Rückenmark ans Gehirn weiter, wo sie ausgewertet und verarbeitet werden. Umgekehrt teilt das Gehirn dem Rückenmark seine Befehle mit, die das Rückenmark anschließend auf die efferenten Nerven überträgt – so gelangen sie überall dorthin, wo sie benötigt werden.

Das Ein- und Austreten der Nerven ist genau koordiniert. In regelmäßigen Abständen zweigen die 31 paarigen Spinalnerven vom Rückenmark ab. Im Körper erfüllen sie dank ihres direkten Drahts zum Gehirn zahllose wichtige Aufgaben. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Auslösen und Steuern von Bewegungen
  • Wahrnehmen von Sinneseindrücken
  • Koordinieren der Verdauung
  • Auslösen sexueller Reaktionen, zum Beispiel der Erektion beim Mann
  • Steuern von Reflexen

Schon bei einem kurzen, oberflächlichen Blick auf das Funktionsspektrum des Rückenmarks ist schnell klar: Verletzungen wirken sich hier meist fatal aus.

Schädigungen am Rückenmark

Egal ob Bandscheibenvorfall, Unfall oder Erkrankung: Trotz seiner ausgeklügelten Schutzmechanismen kann es auch beim Rückenmark zu Schäden und Verletzungen kommen. Je nach Lokalisation und Ausprägung äußern sie sich in unterschiedlicher Schwere. Auftreten können unter anderem:

  • Entzündungen
  • Durchblutungsstörungen
  • Tumoren
  • Querschnittslähmung

Mittels einiger Untersuchungen, allen voran den bildgebenden Verfahren und der Lumbalpunktion, bei der Nervenwasser aus dem Rückenmarkskanal entnommen wird, kann der Arzt Art und Ausmaß der Verletzung am Rückenmark beurteilen. Anschließend entscheidet er über das weitere Vorgehen bei der Behandlung. Sind die Nerven allerdings durchtrennt, wie beispielsweise bei der Querschnittslähmung, bleiben kaum Möglichkeiten – eine Schädigung dieser Art ist bisher nicht heilbar.