Kieferfehlstellung – so sorgt der Kieferknochen für Verspannung

Kieferfehlstellungen und Kiefergelenkschmerzen können Auswirkungen auf den Nacken, die Schultern und den Rücken haben. Auch ein stressiger Alltag sorgt nicht selten dafür, dass sich Verspannungen im Bereich der Kaumuskulatur auf den übrigen Körper übertragen. Wir klären auf, wie Rücken- und Kieferschmerzen zusammenhängen.

Der Aufbau des Kiefers

Um zu verstehen, wie aus einer Kieferfehlstellung Rückenschmerzen entstehen können, ist es wichtig, den Aufbau unseres Kauapparates genauer zu betrachten.

Der Kiefer besteht aus dem Oberkiefer (Maxilla), dem Unterkiefer (Mandibula) und den beiden Kiefergelenken. Insgesamt gibt es vier große Kaumuskeln, die das Zubeißen und Zermahlen der Nahrung ermöglichen. Besonders wichtig ist hierbei der Schläfenmuskel (Musculus temporalis), der Schläfenbeine und Unterkiefer miteinander verbindet und unter anderem für den Kieferschluss verantwortlich ist. Über die Kaumuskulatur wird nur der Unterkiefer bewegt, während der Oberkiefer fest mit dem Jochbein und dem Nasenbein des Schädels verwachsen ist. Dieser Aufbau findet sich bei nahezu allen Säugetieren – bei Vögeln hingegen ist auch der Oberkiefer beweglich.

In Maxilla wie auch Mandibula sind die Zähne fest in speziellen Zahnfleischtaschen im Knochen verankert. Kommt es zu Zahnfehlstellungen oder Kieferschmerzen durch Muskelverspannungen, kann dies Auswirkungen auf den Kiefer und damit auch auf den restlichen Körper haben. Doch warum ist das so?

Von der Kieferfehlstellung zum Rückenschmerz

Ein hat Kiefergelenkschmerzen und fasst sich an die Wange

Eine Kieferfehlstellung besteht dann, wenn Ober- und Unterkiefer nicht optimal aufeinanderpassen und zusammenarbeiten. Schuld können genetische Veranlagungen, häufiges Zähneknirschen oder übermäßig lange Schnullernutzung im Kindesalter sein. Durch die Kieferfehlstellung werden in erster Linie die Kiefergelenke in Mitleidenschaft gezogen. Da diese durch die Knochenverschiebung nicht mehr ideal arbeiten können, entstehen in vielen Fällen Verschleißerscheinungen und Entzündungen.

Als Folge kommt es zu Kiefergelenkschmerzen, die nicht selten bis in den Rücken wandern. Aufgrund der direkten Verbindung des Kiefers mit den Schläfen durch den Schläfenmuskel (Musculus temporalis), übertragen sich Schmerzen und Verspannungen auf

  • Wangen,
  • Ohren,
  • Nacken,
  • Schultern und
  • Rücken.
  • Listenpunkt

Schuld daran ist eine Art Verkettung von Fehlhaltungen: Die Kiefergelenkschmerzen sorgen für einen erhöhten Spannungszustand im Bereich der Kau- und Kopfmuskeln. Über Nerven und feine Muskelfasern überträgt sich dieser auf die Halswirbelsäule und führt dort zu Schmerzen. Anschließend verspannen sich durch die Schonhaltung, die zur Entlastung des Nackens eingenommen wird, Schulter- und Rückenmuskulatur.

Auch Probleme im Bereich der Kaumuskeln — ohne eine Kieferfehlstellung — sorgen mitunter für Schmerzen, die bis weit über den Kopf hinaus ausstrahlen können. Ursachen für eine verspannte Kiefermuskulatur resultieren oft aus Stress im Alltag und psychischer Anspannung. Je größer die Belastung, desto stärker pressen Menschen in der Regel ihre Zähne aufeinander oder beginnen mit ihnen zu knirschen – nicht umsonst spricht man von „Zähne zusammenbeißen“ und „den Biss haben etwas durchzuziehen“. Spannend zu wissen ist hierbei, dass sich die obere und die untere Zahnreihe bei einem entspannten Kiefer natürlicherweise nie berühren — außer beim Kauvorgang. Eine weitere Ausnahme bildet das Schlucken, hier kommt ebenfalls ein kurzer Kontakt zustande. Bei ausgeprägtem Zusammenpressen der Zähne und Verspannungen der Kaumuskulatur, ist — durch die Übertragung der Verspannung auf andere Muskelgruppen — die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Rücken-, Nacken-, und Kieferschmerzen also größer.

Rückenschmerzen, Schwindel und Sehstörungen — die CMD!

Die craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) entsteht ebenfalls durch Kieferfehlstellungen und Fehlkontakte der Zähne. Auftretende Probleme im Kiefergelenk übertragen sich in einer Art Kettenreaktion auf andere Gelenksysteme und beeinflussen deren Funktion. Die gesamte Statik des Körpers gerät durcheinander und kann unter anderem Rückenschmerzen, Schwindel, Taubheitsgefühle in Armen und Beinen, Sehstörungen oder Kopf- und Kieferschmerzen hervorrufen. Menschen, die an einer CMD leiden, haben aufgrund der schwer zuzuordnenden Symptome oft einen langen Weg über verschiedene Fachärzte zu bestreiten, bis die endgültige Diagnose ermittelt wird.

Kieferschmerzen beeinflussen den Rücken – was kann getan werden?

Die Therapie der durch die Kieferprobleme entstandenen Rückenschmerzen richtet sich nach der Ursache. Kieferfehlstellungen sollten gegebenenfalls mit Hilfe einer kieferorthopädischen Behandlung korrigiert werden. Ihr Zahnarzt ist hierbei der erste Ansprechpartner.

Doch auch die gezielte Betreuung durch einen Physiotherapeuten kann zu Schmerzlinderung führen. Er ist in der Lage, mit speziellen Massagetechniken und der Anleitung zu entlastenden Übungen für eine nachhaltige Lockerung der Muskulatur zu sorgen.

Liegt die Ursache der Kieferschmerzen in Verspannungen durch psychische Belastungen, sind Maßnahmen zur Stressreduktion wichtig. Hilfreich sein können hierbei:

  • Entspannungsübungen (zum Beispiel bewusstes Atmen)
  • Meditation
  • Auszeiten (Spazierengehen, Lesen)
  • psychologische Betreuung oder Beratung

Gegen nächtliches Zähneknirschen ist es zudem möglich, eine spezielle Beißschiene verordnet zu bekommen, die das Aneinanderreiben der Zähne verhindert und zu einer Druckentlastung führt. Sollten Sie die Vermutung haben, dass Ihre Nacken- oder Rückenschmerzen von einer Kieferfehlstellung oder anderen Ursachen im Bereich des Kauapparates herrühren, zögern Sie nicht, Ihren behandelnden Arzt mit der Vermutung zu konfrontieren – so können weitere Maßnahmen zur Diagnosestellung eingeleitet werden.

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