Nervensystem und Schmerzen: Welche Arten von Schmerz gibt es?

Schmerz ist nicht gleich Schmerz! Wenn wir uns beim Kochen in den Finger schneiden, ist die Art und Dauer des Schmerzes anders, als wenn wir unter chronischen Schmerzen leiden, die beispielsweise aufgrund von Nervenschädigungen entstehen, oder wenn wir unter einer Migräne-Attacke leiden, die sich durch anfallsartige Kopfschmerzen bemerkbar macht. Wie unterscheiden sich diese Schmerzformen? Und welche Arten von Schmerz gibt es überhaupt?

Es gibt sieben verschiedene Arten von Schmerz:

  • Neuropathischer Schmerz
  • Nozizeptiver Schmerz
  • Akuter Schmerz
  • Chronischer Schmerz
  • Psychogener Schmerz
  • Gemischter Schmerz
  • Attackenschmerz
Frau mit Rückenschmerzen oder Nervenschmerzen

Rückenschmerzen sind nicht gleich Rückenschmerzen. Schmerz hat viele Gesichter.

Neuropathischer Schmerz

Neuropathische Schmerzen beruhen auf Nervenschädigungen. Dadurch können die Schmerzreize nicht mehr richtig weitergeleitet und verarbeitet werden. Typische Ursachen für neuropathische Schmerzen sind Reizungen der Nervenwurzel, beispielsweise bei einem Bandscheibenvorfall oder durch das Wachstum eines Tumors.

Die Schmerzen bestehen oft auch dann noch weiter, wenn der Bandscheibenvorfall schon wieder ausgeheilt ist oder der Tumor entfernt wurde – sie sind daher chronisch. Ein weiteres Beispiel für diese Art von Schmerz ist die diabetische Neuropathie, die bei zuckerkranken Patienten mit Fortschreiten der Krankheit auftreten kann. Besonders häufig sind die Nerven in den Beinen geschädigt, sodass die Patienten beispielsweise unter Schmerzen beim Gehen leiden.

Nozizeptiver Schmerz

Der nozizeptive Schmerz ist der „normale“ Schmerz, mit dem der Körper auf jegliche Art von Schmerzreiz reagiert. Dies können Verbrennungen, Verletzungen oder Entzündungen sein. Die Nozizeptoren, also die Schmerzrezeptoren, nehmen den Reiz auf und leiten ihn über die peripheren und zentralen Nervenbahnen an das Gehirn weiter. Arthroseschmerzen, Rückenschmerzen oder auch Schmerzen nach einer Operation sind typische Beispiele für diese Schmerzart.

Man kann nozizeptive Schmerzen aufgrund ihrer Herkunft in zwei Klassen unterteilen:

  • Somatische Schmerzen, die durch Knochen, Bindegewebe, Haut, Muskeln oder Gelenke verursacht werden
  • Viszerale Schmerzen der inneren Organe (zum Beispiel bei Koliken oder Darmkrämpfen)

Akuter Schmerz

Ein akuter Schmerz ist ein plötzlich auftretender Schmerz, zum Beispiel aufgrund einer Verletzung. Er ist gleichbedeutend mit einem Warnsignal an unseren Körper, dass eine Verletzung vorliegt, beispielsweise dann, wenn wir beim Zwiebelschneiden mit dem Messer abrutschen und uns in den Daumen schneiden.

Typisch für den akuten Schmerz ist, dass er nur kurzfristig anhält und oftmals sogar bereits wieder verschwunden ist, bevor die Wunde an unserem Körper vollständig verheilt ist.

Chronischer Schmerz

Unser Körper hat nicht nur ein Gedächtnis für Zahlen, Fakten und die Urlaubserinnerungen der letzten Jahre – er hat auch ein Gedächtnis für Schmerzen. Leiden wir beispielsweise aufgrund eines Bandscheibenvorfalls über einen längeren Zeitraum an Rückenschmerzen, so kann sich der Körper den Schmerzauslöser merken und reagiert zukünftig bereits bei minimalsten Reizen mit einer massiven Schmerzweiterleitung.

Dies kann sogar so weit gehen, dass selbst ohne Reiz Schmerzsignale gesendet werden – der Schmerz ist chronisch geworden. Diese Gefahr besteht vor allem immer dann, wenn der Schmerz nicht rechtzeitig behandelt wird. Mittlerweile wird dies sogar als eigenes Krankheitsbild angesehen, Ärzte sprechen dann vom chronischen Schmerzsyndrom.

Psychogener Schmerz

Psychogene Schmerzen beruhen auf seelischen Belastungen: Unverarbeitete Probleme drücken sich zum Beispiel in Form von Rückenschmerzen aus. Besonders häufig tritt der psychogene Schmerz bei Patienten auf, die an einer Depression leiden. Dabei greift der Körper auf das Schmerzgedächtnis zurück und Schmerzen werden empfunden, obwohl kein direkter Auslöser dafür vorhanden ist.

Gemischter Schmerz

Der gemischte Schmerz ist, wie sein Name schon sagt, eine Mischung aus neuropathischen und nozizeptiven Schmerzen. Diese Art von Schmerzen entsteht entweder aufgrund einer Verletzung oder Schädigung von Gewebe oder aufgrund einer chronischen Ursache. Typische Beispiele für einen gemischten Schmerz sind: Lumboischialgie (eine Kombination aus Hexenschuss und Ischiasschmerzen), Tumorschmerzen bei Krebspatienten, Schmerzen aufgrund eines Karpaltunnelsyndroms (eingequetschter Nerv im Bereich der Handwurzel).

Schmerzattacken

Ein typisches Beispiel für einen Attackenschmerz ist Migräne. Dabei handelt es sich zwar um einen regelmäßig wiederkehrenden Schmerz, der allerdings nicht chronisch ist, sondern akut aufgrund von bestimmten Auslösern auftritt. Die Gründe für Schmerzattacken liegen meist in einer körperlichen Überlastung. Daher lässt sich diese Art von Schmerz in manchen Fällen durch gezielte Entspannungsmethoden abmildern oder sogar ganz vermeiden.