Rückenschmerzen bei Kindern und ihre Behandlungsmethoden

Bei Kindern und Jugendlichen zählen Rückenschmerzen neben Kopf- und Bauchschmerzen zu den häufigen Beschwerden. Laut den Ergebnissen des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys des Robert Koch Instituts litten 44 Prozent der 11- bis 17-Jährigen in den letzten drei Monaten vor der Befragung unter Rückenschmerzen.

In vielen Fällen steckt hinter den Beschwerden eine zu schwach ausgeprägte Bauch- und Rückenmuskulatur, die unseren Halteapparat stützen soll. Ob in der Schule, am Schreibtisch, vor dem Computer oder dem Fernseher:

Kinder sitzen viel und lange, und schaffen oft keinen Ausgleich durch ausreichend Bewegung. Dann droht die kaum trainierte Muskulatur zu verkümmern. Wird der Rücken des Kindes beispielsweise durch einen schweren, falsch angepassten Schulranzen zusätzlich strapaziert, sind Überbelastungen und Fehlhaltungen häufig die schmerzhafte Folge.

Kind wird wegen Rückenschmerzen behandelt
Viel Bewegung hilft, die Rückenschmerzen von Kindern zu lindern.

Bewegung ist die beste Medizin

In vielen Fällen ist Bewegung der beste Weg zur Linderung der Beschwerden. Regelmäßige Bewegungsphasen als Ausgleich zum Dauersitzen entlasten den stark beanspruchten Rücken des Kindes und unterstützen die Versorgung der Bandscheiben mit Nährstoffen und Flüssigkeit.

So bleiben die natürlichen Stoßdämpfer unserer Wirbelsäule elastisch und flexibel. In Ihrer Freizeit sollten Kinder möglichst viel Zeit aktiv im Freien verbringen. Ob Toben, Spielen, Klettern, Radfahren oder Rennen: Bewegung an der frischen Luft bringt den Kreislauf in Schwung, fördert motorische Fähigkeiten und stärkt die wichtige Bauch- und Rückenmuskulatur. Zusätzlich können Ihre Kinder einen Vereinssport ausüben oder beispielsweise eine Rückenschule besuchen, in der ihnen gezielte Übungen zur Stärkung des Rückens sowie eine richtige Haltung vermittelt werden.

Entlastung für den Kinderrücken

Klagt Ihr Kind über Rückenbeschwerden, kann auch eine falsch angepasste Schultasche oder unpassendes Mobiliar die Ursache sein. In jedem Falle sollte ein Rucksack anstelle einer Umhängetasche getragen werden, um einseitige Belastungen und Fehlhaltungen zu vermeiden. Bestenfalls lassen Sie sich beim Kauf in einem Fachgeschäft beraten und den Schulranzen auf die Körpergröße Ihres Kindes einstellen.

Von großer Bedeutung ist auch an die Größe Ihrer Kinder angepasstes Mobiliar. Die Höhe des Stuhls und des Schreibtisches sollten so eingestellt sein, dass das Kind seine Beine im rechten Winkel auf den Boden stellen und seine Ellbogen mit entspannten Schultern auf die Arbeitsfläche legen kann. Eine leicht geneigte Arbeitsfläche unterstützt eine entlastende Haltung.
Gesund ist eine aufrechte Haltung, in der das Becken leicht nach vorne gekippt und der Rücken zu einem gesunden Hohlkreuz geformt ist.

Achten Sie darauf, dass Ihre Kinder nie in einer Position verharren, sondern ihre Sitzposition regelmäßig wechseln. Vielseitiges Sitzen ist die Devise, um den Kinderrücken zu entlasten und einseitige Belastungen und Fehlhaltungen vorzubeugen. Ergonomisch geformte Schreibtischstühle und spezielle Sitzkissen oder -bälle unterstützen dynamisches Sitzen und fördern den Aufbau der stützenden Rumpfmuskulatur.

Rückenschmerzen aufgrund psychischer Belastungen

Leidet Ihr Kind unter Rückenschmerzen, können auch Schulstress, Kummer oder Sorgen ein Grund sein. Denn auch psychische Belastungen können Ihren Kleinen in Form von Verspannungen im Rücken sitzen und schmerzhafte Beschwerden bereiten.

Reden Sie mit Ihrem Kind über seine Sorgen, sprechen Sie mit seinen Lehrkräften oder holen psychologischen Rat ein, um ihm die Last von den Schultern zu nehmen.

Reparaturmechanismen des menschlichen Körpers

Oftmals stecken hinter den Rückenschmerzen Ihrer Kinder kleinere muskuläre Verletzungen, die beim Toben oder Sport entstanden sind.

Aufgrund der guten Reparaturmechanismen des Körpers im Kindesalter heilen diese in der Regel von selbst und die Beschwerden verschwinden innerhalb weniger Tage.

Behandlung von Morbus Scheuermann

Klagt Ihr Kind über langanhaltende, starke Schmerzen im Rücken, ist ein Arztbesuch unvermeidlich. Dann können Erkrankungen oder im Wachstum auftretende Veränderungen der Wirbelsäule der Grund für die Beschwerden sein.

Morbus Scheuermann ist eine im Wachstum auftretende Wirbelsäulenverkrümmung. Sie entsteht durch das ungleichmäßige Wachstum einzelner Wirbelkörper, sodass diese von der Seite keilförmig anstatt rechteckig aussehen. Die Folge ist in vielen Fällen eine Kyphose, die Entstehung eines unnatürlichen Rundrückens im Bereich der Brustwirbel.

Um die durch die Kyphose bedingten muskulären Unterschiede auszugleichen, wird der behandelnde Arzt in der Regel Krankengymnastik verordnen. Gezielte Übungen sollen die verkürzte Brustmuskulatur dehnen und die geschwächte Rückenmuskulatur stärken, um eine aufrechtere Haltung zu erzielen. Um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erreichen und die Beweglichkeit der Wirbelsäule aufrecht zu erhalten, müssen die in der Krankengymnastik erlernten Übungen regelmäßig zu Hause wiederholt werden. Betroffene sollten ihren Alltag bewusst rückenfreundlich gestalten und beispielsweise auf eine aufrechte Haltung im Sitzen und Stehen achten, die sie in einer Rückenschule erlernen können.

In stärkeren Fällen der Verkrümmung wird der Arzt das Tragen eines Korsetts verordnen. Wenn von einem Großteil der Kinder und Jugendlichen auch nicht gern gesehen, stützt es die Wirbelsäule und richtet sie auf, muss aber konsequent getragen werden, um die Krümmung zu verringern oder zu heilen. In der Regel wird es zu Beginn der Behandlung nur zur Körperpflege abgenommen und muss im weiteren Verlauf nur noch nachts getragen werden.

In seltenen Fällen besonders starker Wirbelsäulenveränderungen kann ein operativer Eingriff in Betracht gezogen werden. Verschlissene Bandscheiben werden dann durch körpereigenes Gewebe ersetzt. Durch die Entnahme von Kochenteilen wird die Wirbelsäule bestmöglich aufgerichtet und mit Metallstäben fixiert.

Behandlung einer Skoliose

Auch die Skoliose ist eine im Wachstum auftretende Veränderung der Wirbelsäule, die mit Schmerzen, Beeinträchtigungen im Alltag und Spätfolgen im weiteren Lebensverlauf verbunden sein kann. Diese seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule, bei der einzelne Wirbel sogar ineinander verdreht sein können, kann sich während des Wachstums verstärken, sofern sie unbehandelt bleibt.

Die Behandlung einer Skoliose richtet sich zum einen nach dem Alter des Betroffenen: Wenn überhaupt ist die Krümmung einer ausgewachsenen Wirbelsäule nur sehr schwer beeinflussbar, während ihr im Wachstum sehr gut entgegengewirkt werden kann. Zum anderen wird auch der Krümmungswinkel zur Wahl der richtigen Behandlungsmethode beitragen, der vom Arzt bestimmt werden kann.

Bei Krümmungswinkeln, die kleiner als 20° sind, wird der behandelnde Arzt in der Regel Krankengymnastik verschreiben. Dehn- und Kräftigungsübungen für geschwächte und verkürzte Muskelpartien sollen dem durch die Verkrümmung entstandenen muskulären Ungleichgewicht entgegenwirken. Durch die Stärkung der Rumpfmuskulatur wird der Wirbelsäule mehr Halt gegeben, um eine aufrechtere Haltung zu bewirken.

Ab einem Krümmungswinkel von 20° wird der Arzt, wie bei der Behandlung von Morbus Scheuermann, das Tragen eines Korsetts verordnen. Dieses soll, wenn es konsequent getragen wird, der Wirbelsäulenverkrümmung entgegenwirken.

Bei besonders starken Verkrümmung, die unter Umständen zu starken Schmerzen und Atemproblemen führen kann, kann auch bei einer Skoliose eine Operation in Betracht gezogen werden. Dann wird die Form der verkrümmten Wirbelsäule korrigiert, dieselbe abschnittsweise versteift und mit Stäben oder Scheiben fixiert. Eine Skoliose-Operation birgt aber durchaus auch Risiken, weshalb Nutzen und mögliche Nachteile sorgfältig gegeneinander abgewogen werden müssen.

Behandlung einer Rachitis

Eine Rachitis entsteht meist durch eine Vitamin-D-Stoffwechselstörung und mangelnde Calciumaufnahme, tritt aber in Deutschland aufgrund der üblichen Vitamin-D-Prophylaxe in den ersten Lebensjahren nur noch sehr selten auf. Zu möglichen Symptomen zählt, neben Unruhe, vermehrtem Schwitzen und Muskelschwäche, in den ersten Lebensmonaten eine Knochenerweichung, die die Verformung des Skeletts mit sich bringen kann.

Behandelt werden betroffene Kinder durch die Verabreichung von hochdosiertem Vitamin D, bei Calciummangel zusätzlich durch hochdosiertes Calcium. Besonders wichtig ist regelmäßiger Aufenthalt im Freien, da unter Einfluss von Sonnenlicht Vitamin D in der Haut vom Körper selbst gebildet wird. Ebenfalls sollte auf die ausreichende Zufuhr von Calcium und Vitamin D durch die Ernährung geachtet werden. Als Vitamin-D-reiche Nahrungsmittel gelten beispielsweise fettreiche Fische, Leber, Avocado, Butter, Vollmilch oder Käse.

Behandlung einer Wirbelsäuleninfektion

Infektionen der Wirbelsäule werden meist durch Bakterien ausgelöst. Behandelt werden sie in der Regel durch eine intensive Antibiotikatherapie. Um die weitere Reizung der Wirbelsäule zu vermeiden, kann sie zusätzlich in einem Korsett ruhiggestellt werden. Unter Umständen ist die Stabilisation der Wirbelsäule durch einen operativen Eingriff notwendig, um das entzündete Gewebe vollständig zu entfernen und die Wirbelsäule an