Rückenschmerzen bei Kindern: Ein Überblick

Den Begriff „Rückenschmerzen“ verbinden wohl die meisten von uns zuallererst mit Büroangestellten mittleren Alters, bei denen sich langes Sitzen und mangelnde Bewegung nachhaltig auf die Rückengesundheit ausgewirkt haben. Woran niemand denkt: Kinder. Und doch sind Rückenschmerzen bei Kindern auf dem Vormarsch.

Bewegungsmangel kann bei Kindern Rückenschmerzen auslösen

Laut einer Umfrage der DAK-Gesundheit leiden mittlerweile etwa 60 Prozent der Kinder zwischen elf und vierzehn Jahren an Rückenschmerzen. Die Ursachen für die Rückenschmerzen bei Kindern sind vielfältig. Mindestens genauso facettenreich gestalten sich aber Ihre Möglichkeiten, den Beschwerden Ihres Kindes vorzubeugen oder sie zu behandeln.

Klagen schon die Kleinsten über Probleme mit dem Rücken, gilt es für die Eltern, die Ursache dafür herauszufinden – vor allem wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum anhalten. Bei Kindern können sich die Rückenschmerzen nicht nur auf das aktuelle Wohlbefinden auswirken und ihre Aktivität stark einschränken, auch die künftige Gesundheit wird beeinflusst. Zu den Faktoren, die Rückenschmerzen bei Kindern verursachen können, gehören unter anderem:

  • Verletzungen
  • Wachstumsstörungen, zum Beispiel eine Skoliose (Wirbelsäulenverkrümmung)
  • Entzündungen
  • Fehlbelastungen

In vielen Fällen liegt den Rückenschmerzen von Kindern eine zu schwach ausgeprägte Bauch- und Rückenmuskulatur zugrunde. Diese Muskeln sollen die Wirbelsäule eigentlich stützen und entlasten – aufgrund von Bewegungsmangel droht die wenig trainierte Muskulatur allerdings zu verkümmern. Viele Kinder des Medienzeitalters im 21. Jahrhundert verkörpern das Musterbeispiel einer „sitzenden Gesellschaft“. Ob in der Schule, am Schreibtisch, vor dem Computer oder dem Fernseher: Kinder sitzen viel und lange und schaffen oft keinen Ausgleich durch ausreichend Bewegung.

Kind mit Rueckenschmerzen am Schreibtisch

Zu wenig Bewegung kann schon bei Kindern Rückenschmerzen verursachen.

Die Folgen von Rückenschmerzen bei Kindern

Besonders fatal wirkt sich das viele Sitzen aus, wenn die geschwächte Muskulatur zusätzlich einer Über- oder Fehlbelastung ausgesetzt wird. Eine zu schwere oder falsch getragene Schultasche kann dann schnell zu einer Fehlhaltung führen – die bei Kindern letztendlich Rückenschmerzen auslöst.

Bleibt so eine fehlerhafte Haltung über längere Zeit bestehen, legt das den Grundstein für weitere Rückenbeschwerden im späteren Leben. Ein Ausgleich der Haltungsschäden wird zunehmend schwieriger, die Bereitschaft zu mehr Bewegung nimmt ab. Die Schmerzen sind einfach zu unangenehm. Die betroffenen Kinder geraten damit letztendlich in einen Teufelskreis: Je stärker die Beschwerden werden, desto mehr wollen sie ihren Rücken schonen – und genau diese Schonhaltung verstärkt die Rückenschmerzen.

Muss sich der Rücken kaum noch bewegen oder äußeren Gegebenheiten anpassen, verkümmert die Rückenmuskulatur immer mehr. Die Schmerzen nehmen zu und die Lebensqualität nimmt ab – oftmals dauerhaft. Die Beschwerden ziehen sich häufig bis ins Erwachsenenalter. Bei Kindern hat das außerdem nicht nur Rückenschmerzen zur Folge: Das Risiko für Übergewicht und damit verbundene Folgeerkrankungen steigt signifikant an.

Auch psychische Belastungen können die Ursache für die Rückenschmerzen bei Ihren Kindern sein: Schulstress, Kummer und verschiedenste Überbelastungen können sich in Form von Verspannungen im Rücken Ihrer Kleinen festsetzen und ihnen Beschwerden bereiten.

Was Sie gegen Rückenschmerzen bei Ihren Kindern tun können

Leidet Ihr Kind an Rückenschmerzen, sollten Sie das auf keinen Fall einfach hinnehmen. Bei den Beschwerden handelt es sich in der Regel nicht um eine Erkrankung, mit der man sich arrangieren muss – mit der richtigen Einstellung und effektiven Tipps und Tricks können Sie den Schmerzen den Kampf ansagen.

  • Auf die richtigen Maße kommt es an
    An die Größe Ihrer Kinder angepasstes Mobiliar unterstützt eine rückenschonende Sitzhaltung und fördert eine aufrechte Sitzposition.
  • Bewegung an der frischen Luft: Seien Sie ein Vorbild
    Oft gehen die Eltern ihren Kleinen als Vorbild voraus. Benutzen Sie doch einmal das Fahrrad anstelle Ihres Autos oder unternehmen Sie mit Ihren Kindern einen gemeinsamen Spaziergang zum Spielplatz. Ihr eigener Rücken und der Ihres Kindes werden es Ihnen danken!
  • Die Zeit an PC und Fernseher einschränken
    Schon allein wegen der Schule und Hausaufgaben sitzen viele Kinder einen Großteil des Tages. In der wohlverdienten Freizeit zieht es dann viele vor den Computer oder das Fernsehgerät. Für den Rücken ist allerdings genau das fatal. Achten Sie also darauf, dass Ihr Kind nicht zu viel Zeit vor diesen Geräten verbringt – und ermutigen Sie es zum Spielen im Garten.
  • Die richtige Schultasche
    Auch der Kauf der Schultasche kann die Rückenschmerzen beeinflussen: Im unbefüllten Zustand sollte sie vor allen Dingen sehr leicht sein, um zusätzliche Belastungen für den Rücken zu vermeiden. Getragen wird sie idealerweise auf beiden Schultern. So kann sich das Gewicht gleichmäßig verteilen.

Testen Sie diese Maßnahmen einmal aus. Lässt sich eine Besserung der Rückenschmerzen bei Ihren Kindern erkennen? Halten die Beschwerden weiterhin unverändert an oder werden sie gar noch schlimmer, sollten Sie sich an einen Arzt wenden.

Erkrankungen als Ursache für Rückenschmerzen bei Kindern

Kleine muskuläre Verletzungen vom Toben oder Sport sind ein möglicher Grund für Rückenschmerzen bei Kindern. In der Regel heilen diese von selbst und die Beschwerden lassen nach einigen Tagen nach.

Klagen Ihre Kinder aber über langanhaltende, starke Schmerzen, ist ein Arztbesuch unverzichtbar. Im Wachstum auftretende Veränderungen der Wirbelsäule können die Ursache für die Beschwerden sein. Leidet Ihr Kind an Morbus Scheuermann, wächst seine [#1]Wirbelsäule[/END] nicht synchron zum Rest des Körpers. Betrachtet man einzelne Wirbel von der Seite, weisen sie bei dieser Erkrankung eine keilförmige statt rechteckige Form auf. Die Ausprägung der auftretenden Wirbelsäulenverkrümmung ist von Fall zu Fall unterschiedlich, kann aber Schmerzen zur Folge haben. In vielen Fällen tritt eine Kyphose auf, die Bildung eines unnatürlichen Rundrückens im Bereich der Brustwirbel.

Die Beschwerden einer Skoliose, eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule, zählen ebenfalls zu den wachstumsbedingten Rückenschmerzen bei Kindern. Sogar einzelne Wirbel können ineinander verdreht sein und unbehandelt erhebliche Schmerzen und Spätfolgen verursachen.

Aufgrund einer Vitamin-D-Stoffwechselstörung und mangelnder Calciumaufnahme kann eine Rachitis (Störung des Knochenstoffwechsels) entstehen. Neben Wachstumsstörungen bringt auch sie als häufigstes Symptom eine Verkrümmung der Wirbelsäule mit sich. Der Ausgleich des Vitamin-D-Mangels sowie die medikamentöse Behandlung des aus einer Rachitis resultierenden Knochenschwundes sind notwendige Behandlungsmaßnahmen, um Ihre Kleinen von möglichen Beschwerden zu befreien.

In der Regel wird der Arzt Krankengymnastik und gegebenenfalls das Tragen eines Korsetts verordnen, um Wirbelsäulenverkrümmungen zu behandeln. Vereinzelt sind insbesondere kleine Kinder von einer Infektion der Wirbelsäule betroffen. Bei der Behandlung dieser schweren, aber seltenen Krankheit gilt im Gegensatz zu anderen Ursachen für Rückenschmerzen bei Kindern nicht der Leitsatz „Bewegung ist die beste Medizin“. Entzündungen der Wirbelsäule müssen durch Ruhigstellung und eine Antibiotikatherapie behandelt werden.