Psychosomatische Rückenschmerzen

Die Psyche und der Rücken hängen eng zusammen. Einerseits lastet ein dauernd schmerzender Rücken auf der Seele und kann sogar depressive Verstimmungen auslösen. Andererseits können Rückenschmerzen umgekehrt aber auch durch psychische Belastungen ausgelöst oder verstärkt werden.

Frau sitzt am Strand und meditiert gegen psychosomatische Rückenschmerzen

Stress und weitere psychische Belastungen können Auswirkungen auf unseren Rücken haben. Entspannung hilft, dem Stress zu entkommen.

Die Psyche schlägt aufs Kreuz

Rückenschmerzen sind so gut wie immer mehr als nur Schmerzen im Rücken. Damit ist aber nicht gemeint, dass sich Betroffene den Schmerz nur einbilden oder simulieren. Es ist unumstritten, dass Betroffene unter Schmerzen im Rücken leiden. Mediziner wissen inzwischen, dass der Schmerz nicht nur körperliche Ursachen haben muss, sondern auch von der Psyche (mit-) beeinflusst wird.

Dass die Psyche Einfluss auf den Rücken haben kann, ist durch Untersuchungen belegt: So leiden Menschen mit depressiven Verstimmungen doppelt so häufig unter Rückenschmerzen wie der Durchschnittsbürger. Personen, die unter beruflichem Stress stehen, leiden häufiger unter Rückenschmerzen als weniger gestresste Personen.

Vor allem bei chronischen Rückenschmerzen, unter denen jede fünfte Frau und jeder siebte Mann in Deutschland leidet, spielen psychosoziale Auslöser eine wichtige Rolle. Meist handelt es sich um ein Zusammenspiel körperlicher und seelischer Belastungen.

Einfluss der Seele auf den Körper?

Stress versetzt unseren Körper in einen Zustand erhöhter Alarmbereitschaft. Unser Blutdruck steigt, die Atmung wird schneller. So wird das Blut schneller zu den Muskeln transportiert und enthält eine größere Menge an Sauerstoff. Andere Körperfunktionen, wie beispielsweise die Verdauung, werden dagegen zurückgefahren, um alle Kraftreserven zu mobilisieren. Diesen Effekt nutzten unsere Vorfahren im Fall eines Zusammentreffens mit Feinden. Sie konnten so entweder schnell wegrennen oder effektiv kämpfen (Fight-or-Flight). Dies alles geschieht, ohne dass wir es willentlich beeinflussen können. Uralte Schutzmechanismen unseres Körper greifen hier ein: Sympathikus und Parasympathikus, die beiden Gegenspieler unseres vegetativen Nervensystems.

Der Stress wurde bei unseren Urahnen durch die darauffolgende Bewegung (Flucht oder Kampf) aufgelöst. Doch in der heutigen Arbeitswelt und im Alltag nützt uns weder der Zustand der ständigen Alarmbereitschaft, noch haben wir die Gelegenheit, ihn ausreichend abzureagieren.

So kommt es zur Verhärtung der angespannten Muskulatur und umliegende Nerven werden gereizt. Eine Folge ist der sogenannte unkomplizierte Rückenschmerz. Unkompliziert bedeutet, es liegen keine echten körperlichen Schädigungen zugrunde, sondern es handelt sich vielmehr um ein Ungleichgewicht der Muskulatur.

 

Häufige Kombination aus körperlichen und seelischen Einflüssen

Stress kann psychische und soziale Ursachen haben. Er kann uns plagen, wenn wir Probleme in der Familie haben, es Streit oder Mobbing am Arbeitsplatz gibt (Ursachen, die im sozialen Umfeld liegen) oder wir dazu neigen, uns unter Leistungsdruck zu setzen und unsere Belastungsgrenzen nicht einzuhalten (krankmachende psychische Grundeinstellung). Auch wenn wir uns vorwiegend auf das Negative im Leben konzentrieren, erleben wir mehr Stress als positiv eingestellte Zeitgenossen.

Risiken entstehen nicht nur aufgrund der Persönlichkeit der Betroffenen. Auch Dinge, die wir nicht beeinflussen können, beispielsweise im Beruf, sind ebenso wichtig. Geringe Anerkennung trotz hohen Einsatzes (ebenfalls ein psycho-sozialer Faktor), kann auch Auslöser sein.

Risikofaktoren für Rückenschmerzen

Mediziner haben eine Reihe von Risikofaktoren gefunden, die Rückenschmerzen begünstigen oder aufrechterhalten und zu einer Chronifizierung des Schmerzes führen können. Der Begriff für diese Faktoren ist yellow flags (englisch für gelbe Flaggen). Das Gegenteil dazu sind die red flags (englisch für rote Flaggen), die ein Hinweis auf eine schwere körperliche Ursache der Rückenschmerzen sind.

Gelbe Flaggen sind:

  • Negative Grundeinstellung/Depression
  • Stress (vor allem am Arbeitsplatz)
  • Schmerz- und sonstiges Vermeidungsverhalten
  • Ein permanentes Gefühl von Hilf- und Hoffnungslosigkeit,
  • körperliche Beschwerden ohne erkennbare Krankheitsursache
  • Negative Krankheitsvorstellungen

Multimodale Therapie

Während bei spezifischen Rückenschmerzen der körperliche Grund für die Schmerzen behandelt wird, hilft bei unspezifischen und chronischen Rückenschmerzen nachgewiesenermaßen die multimodale Therapie.

Bei diesem Ansatz werden sowohl die körperlichen, als auch die seelischen Ursachen für die Rückenschmerzen beleuchtet und behandelt. Der Patient lernt etwas über seine individuellen Auslöser (zum Beispiel Stress, Verspannung, negative Gedanken) und wie er diesen entgegenwirken kann. Auch eine effektive Schmerzbehandlung gehört dazu. Bei chronischen Schmerzen wirken einige Medikamente nicht mehr ausreichend, sodass beispielsweise auf schwache Opioide zurückgegriffen wird. Dies sollte jedoch immer im Rahmen eines multimodalen Konzepts geschehen.

Eine multimodale Therapie wird von einem Team von Ärzten, Physiotherapeuten und Psychologen sowie Schmerztherapeuten betreut und gilt heute als bestmögliche Art der Behandlung von chronischen und unspezifischen Rückenschmerzen.

Multimodale Behandlungsprogramme können sowohl während der Akutphase, als auch in der Rehabilitation von Menschen mit Kreuzschmerzen eingesetzt werden.

1Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Gesundheit in Deutschland, 2006
Online: http://edoc.rki.de/documents/rki_fv/relXEvoVYRBk/PDF/29CTdE8YupMbw75.pdf Seite 34
2PatientenLeitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz, 1. Auflage Version 2 vom 06.08.2013. Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-007p_S3_Kreuzschmerz_2013-08.pdf (Seite 87)