Faszienbehandlung: Verklebte Faszien geschmeidig machen

Rolfing, Faszienrolle und Co. – die verschiedenen Methoden der Faszienbehandlung sind derzeit viel im Gespräch. Unter anderem sollen sie gegen chronische Schmerzen und Verspannungen helfen. Wozu die Behandlung dient, welche Möglichkeiten es gibt und wo Betroffene eine Faszientherapie machen können, erfahren Sie hier.

Wozu dient eine Faszienbehandlung?

Faszien – das weißlich-durchsichtige Bindegewebe hat vielfältige Aufgaben. Es umschließt einzelne Organe, Knochen und Muskeln und gibt dem Körper Halt und Form. Bei den Muskeln umgeben Faszien sogar einzelne Muskelfasern, Muskelstränge und den Muskel als Ganzes.

Bei Fehlbelastungen, zu wenig Bewegung oder Stress können die Faszien jedoch Schaden nehmen und beispielsweise verkleben – das gilt heutzutage als eine mögliche Ursache von Schmerzen. Auch bestimmte Arten von Rückenschmerzen, für die bisher keine Ursache gefunden werden konnte, sollen auf verklebte oder verdrehte Faszien zurückzuführen sein.

In dem Fall kann eine gezielte Faszienbehandlung Abhilfe schaffen. Geläufig sind vor allem folgende Methoden:

  • Rolfing
  • Fasziendistorsionsmodell (FDM)
  • Faszientraining mit einer Faszienrolle (nach Schleip)
  • Massagen, Yoga, Pilates

Der Erfolg dieser Behandlungen ist wissenschaftlich noch nicht belegt. Da es sich um ein vergleichsweise junges Forschungsgebiet handelt, stehen entsprechende Studien und Forschungsergebnisse noch aus. Erfahrungsberichte von Therapeuten und Patienten lassen jedoch hoffen, dass sich vor allem unspezifische Rückenschmerzen durch eine Faszientherapie lindern lassen.

Anwender müssen jedoch geduldig sein: Da es einige Zeit dauert, bis der Körper das Kollagen in den Faszien komplett neu gebildet hat, zeigen sich Erfolge oft erst nach sechs Monaten bis hin zu zwei Jahren. Manche Anwendungen können jedoch verklebte Faszien im gewissen Maße lösen, sodass eine Linderung der Beschwerden mitunter bereits nach einigen Behandlungssitzungen eintritt. Längerfristig sollten Betroffene auf genügend Bewegung achten, damit die Faszien nicht erneut verkleben.

Rolfing: Faszienbehandlung soll den Körper ins Gleichgewicht bringen

Diese Methode ist nach seiner Entwicklerin, der amerikanischen Biochemikerin Ida Rolfing benannt. Mitunter wird diese Form der Faszienbehandlung auch als strukturelle Integration bezeichnet. Die theoretische Grundlage des Rolfings beruht auf der Annahme, dass sich das Faszien-Netz im Körper verformen oder verschieben kann. Der Körper muss sich daraufhin stärker anstrengen, um das auszugleichen und der Schwerkraft zu widerstehen. Das kann wiederum zu Verspannungen im gesamten Körper und zu Beschwerden wie Rückenschmerzen führen. Dies gilt es, mithilfe der Faszientherapie zu beheben oder vorbeugend zu vermeiden.

Im Falle des Rolfings soll langsamer Druck auf das Bindegewebe – ausgelöst durch bestimmte Massagegriffe oder -technikenVerspannungen und Verhärtungen lösen. Ergänzend kann ein Haltungs- und Bewegungstraining erfolgen. Ziel ist, dass sich dadurch die allgemeine Körperhaltung sowie die Beweglichkeit verbessern – der Körper soll wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Bewegungen sollen geschmeidiger ablaufen und schädigende, schmerzauslösende Bewegungsabläufe verschwinden.

Faszientherapie mit dem Fasziendistorsionsmodell

Entwickler dieser Methode der Faszienbehandlung ist der amerikanische Notfallmediziner und Osteopath Dr. Stephen Typaldos. Das Fasziendistorsionsmodell (FDM) geht davon aus, dass sogenannte Distorsionen im Sinne von Verrenkungen oder Verdrehungen in den Faszien zu verschiedenen Beschwerden führen können, darunter auch zu

  • Rückenschmerzen,
  • Knieschmerzen oder
  • Einschränkungen in der Beweglichkeit.

Typaldos konnte durch Beobachtung seiner Patienten sechs charakteristische Arten ausmachen, wie sie ihre Beschwerden beschreiben. Er hat daraus sechs verschiedene Formen der Fasziendistorsionen abgeleitet, die jeweils mithilfe anderer Techniken behandelt werden. Zum Einsatz kommen häufig spezielle Handgriffe.

Sport und Bewegung als Faszientherapie

Frau trainiert ihre Faszien mit der Faszienrolle
Eine Faszienbehandlung lässt sich mit der Faszienrolle einfach zu Hause durchführen.

Zu wenig Bewegung im Alltag oder starre Bewegungsabläufe – wie beispielsweise langes Arbeiten vor dem Computer, bei dem die Hand gleichförmig über der Tastatur oder mit der Maus bewegt wird – können die Faszien verkleben und verhärten lassen. Daher ist es nicht überraschend, dass regelmäßiger Sport dazu beitragen kann, die Faszien wieder geschmeidiger zu machen. Langfristig sollen auf diese Weise sogar Rückenschmerzen in den Griff zu bekommen sein.

Welche Form der Bewegung gewählt wird, scheint dabei weitestgehend keine Rolle zu spielen, wobei federnde und dynamische Bewegungen als vorteilhafter für die Faszien gelten, ebenso wie Dehnübungen (zum Beispiel in Form von Yoga oder Pilates). Weniger geeignet sind dagegen monotone Sportübungen.

Ebenfalls im Gespräch ist spezielles Training mit der Faszienrolle. Diese Übungen dienen dazu, verklebte Faszien wieder zu lösen und können zu Hause durchgeführt werden. Im Idealfall erfolgt vorher die Einweisung durch einen Fachmann.

Wo können Betroffene eine Faszienbehandlung machen?

Wer eine Faszienbehandlung machen möchte, um seine Rückenschmerzen zu lindern, sollte vorab einen Arzt aufsuchen. Er kann den möglichen Ursachen für die Beschwerden auf den Grund gehen. Sind die Rückenschmerzen unspezifisch, das heißt auf keine Verletzung oder ähnliches zurückzuführen, kann eine Faszienbehandlung eine Option sein. Geeignet für die Therapie sind hierfür zum Beispiel:

  • Osteopathen
  • Physiotherapeuten
  • Ergotherapeuten

Zudem ist es sinnvoll, auf eine Zusatzausbildung zur Faszientherapie zu achten. Die Kosten für die Behandlung müssen die Patienten in der Regel selbst tragen. Einige Krankenkassen übernehmen jedoch inzwischen zum Teil Kosten für alternative Behandlungsansätze, im Zweifel kann daher direkt bei der eigenen Krankenkasse nachgefragt werden. Sportkurse werden als Präventivmaßnahme von einigen Krankenkassen übernommen oder teilweise erstattet.