Verformungen der Wirbelsäule

Eine gesunde Wirbelsäule sieht von hinten betrachtet gerade aus und die Wirbel liegen direkt untereinander, ohne gegeneinander verdreht zu sein. Von der Seite betrachtet verläuft sie in der Form eines doppelten „S“: Die Wirbelsäule krümmt sich im Bereich des Hals- und Lendenwirbelsäulenbereichs nach vorne sowie auf Höhe der Brustwirbelsäule und des Steißbeines nach hinten.

Bei Verformungen der Wirbelsäule kann diese ihre normale Funktion nicht mehr erfüllen. Es kommt zu Abnutzungserscheinungen, Muskelverspannungen und infolge dessen zu Schmerzen im Rücken.

Verschieden Zeichnungen von Verformungen der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule kann in verschiedene Richtungen verbogen sein.

Die Skoliose

die Skoliose

Rechte Wirbelsäule mit seitlicher Verformung (Skoliose); links eine gesunde Wirbelsäule.

Bei einer Skoliose verändert sich die natürliche Krümmung der Wirbelsäule und beginnt (von hinten betrachtet), sich seitlich zu verbiegen. Dabei werden auch die Wirbelkörper um die eigene Achse gedreht (Fehlrotation). Diese Verformung der einzelnen Wirbel nennt man Torsion.

Eine krankhafte Verformung der Wirbelsäule beginnt meist ohne erkennbaren Grund bereits im Kindesalter. Mädchen sind häufiger von Verformungen der Wirbelsäule betroffen als Jungen und die Erkrankung wird meist zwischen dem zehnten und zwölften Lebensjahr erkannt, da in dieser Zeit oftmals Schmerzen auftreten.

In manchen Fällen lässt sich die Rückendeformation zurückführen auf:

  • eine Erkrankung der Muskulatur (myopathische Skoliose)
  • eine Verformung der Wirbelkörper, die teilweise angeboren ist (ostheopathische Skoliose)
  • eine gestörte Nervenversorgung im Rücken (neuropathische Skoliose)

Ursachen für die Verformungen der Wirbelsäule durch Skoliose

Jedoch in 80 Prozent der Fälle weiß niemand, warum gerade dieser Patient an Skoliose leidet (medizinisch: idiopathische Skoliose). Das Risiko zu erkranken ist allerdings höher, wenn nahe Verwandte ebenfalls betroffen sind.

Zu Anfang macht die Verdrehung der Wirbelsäule wenig bis keine Probleme. Doch ohne Behandlung führt die fortschreitende Fehlstellung der Wirbelsäule zu Schmerzen im Rücken. Dies liegt einerseits an den frühen Abnutzungserscheinungen, andererseits wird die Muskulatur, die die Wirbelsäule stabilisiert, überlastet. Die Wirbelsäule selbst versteift sich zum Teil an den Krümmungen, was zu Bewegungseinschränkungen führt.

Verformung und Verkürzung des Rumpfes

Bei einer schweren Skoliose kommt es nicht nur zur Verformungen der Wirbelsäule, sondern auch zu Verformung und Verkürzung des Rumpfes. Da Brust- und Bauchraum dann nicht mehr genügend Platz für die Organe bieten, führt dies meist zu Atem- oder Herzproblemen. Unter Umständen können durch die Verformungen der Wirbelsäule auch die Bauchorgane ihre Funktion nicht mehr richtig ausüben. Im Falle einer Schwangerschaft wäre es auch möglich, dass das ungeborene Kind nicht genügend Platz hat.
Mit einer Skoliose gehen jedoch auch psychische Folgen einher: Jugendliche leiden unter den Blicken der Umwelt und trauen sich oft nicht mehr, leichte Kleidung anzuziehen oder ins Schwimmbad zu gehen.

Je früher eine Skoliose erkannt und behandelt wird, desto besser lassen sich schwerwiegende Folgeerscheinungen vermeiden. Ein sichtbares Zeichen einer Skoliose ist, wenn sich die Schultern oder das Becken des Patienten beim aufrechten Stehen nicht auf gleicher Höhe befinden.

Bei Kindern oder Jugendlichen, die noch im Wachstum sind, kann ein Korsett Einfluss auf die Krümmung nehmen. Es gibt krankengymnastische Übungen, die beispielsweise die Rumpfmuskulatur gezielt stärken, um der Wirbelsäule Halt zu geben.
Bei einer bereits stärker verkrümmten Wirbelsäule oder wenn eine Verschlechterung zu erwarten ist, kann eine Operation helfen. Da eine Skoliose-Operation ein großer Eingriff ist, wird der Arzt den zu erwartenden Nutzen gegen die möglichen Risiken sorgsam abwägen.

Die Kyphose

Skizze eines Skoliose-Erkrankten mit seitlicher Verkrümmung der Wirbelsäule und eines Kyphose-Erkrankten mit nach vorne gekrümmter Wirbelsäule (Buckel).

Vergleich der Verkrümmung der Wirbelsäule bei einer Skoliose und einer Kyphose.

Eine weitere Verformung der Wirbelsäule ist die Kyphose (umgangssprachlich: Buckel). Bei ihr ist der obere Rücken nach vorne gekrümmt. Eine Kyphose kann schon bei der Geburt vorhanden sein oder im Laufe des Lebens erworben werden. Letzteres geschieht beispielsweise wenn der Körper versucht, andere Fehlstellungen auszugleichen. In diesem Fall spricht man von einer funktionellen Kyphose. Diese kann durch eine Behandlung der Ursache wieder in ihre ursprüngliche Position zurückgeführt werden.

 

Die Lordose

Das Gegenteil der Kyphose ist die Lordose (auch: Hohlkreuz). Bei dieser Fehlhaltung verkrümmt sich die Wirbelsäule im Lendenwirbelbereich übertrieben nach vorne. Als Spätfolgen sind Bandscheibenvorfälle, Spinalkanalstenosen (= verengter Wirbelkanal) und Gleitwirbel möglich. Zudem verursacht ein Hohlkreuz im fortgeschrittenen Stadium Rückenschmerzen.

Die Betroffenen sollten die Bauch- und Rückenmuskulatur durch gezielte Übungen stärken, um die Fehlhaltung zu verbessern. Entspannungstechniken und Physiotherapie können helfen, die entstehende Muskelspannung zu senken und Erleichterung zu bringen.