Akute Rückenschmerzen

Wenn der Rücken plötzlich kneift und schmerzt, ist das unangenehm und beunruhigend. Doch nur selten steckt bei akuten Rückenschmerzen eine ernsthafte Erkrankung dahinter. Meist werden die Probleme durch ein Ungleichgewicht im Zusammenspiel von Muskeln und Sehnen ausgelöst und verschwinden von selbst wieder. Betroffene können den Heilungsprozess unterstützen, indem sie sich bewegen, sofern es die Schmerzen zulassen. Zu viel Schonung ist kontraproduktiv.

Unspezifische Rückenschmerzen

Frau leidet unter akuten Rückenschmerzen
Akute Rückenschmerzen können auch psychischer Natur sein. Dauerhafte psychische Belastungen verspannen auch die Muskulatur.

Unser Rücken ist ein komplexes System. Er besteht nicht nur aus der Wirbelsäule, die aus Wirbeln (insgesamt 33 Stück) und Bandscheiben zusammengesetzt ist und die Heimat des Rückenmarks darstellt, sondern auch noch aus einer Vielzahl von anderen Bestandteilen: Muskeln, Sehnen, Bändern, Faszien und Nerven. Die Bewegungsabläufe des Rückens erfordern das perfekte Zusammenspiel aller Komponenten dieses Systems. Manchmal ist dieses Zusammenspiel jedoch gestört, weil wir unseren Rücken nur zu einseitig belasten, zu wenig Bewegung oder zu viel Stress haben. So können zum Beispiel Verspannungen, verkürzte Muskeln oder auch psychosomatische Rückenschmerzen entstehen.

Bei diesen Rückenschmerzen liegt keine konkrete Krankheit zugrunde. Daher werden diese als unspezifische Rückenschmerzen bezeichnet. Dies bedeutet aber nicht, dass die Schmerzen schwächer sind oder weniger wichtig genommen werden sollten.

Mindestens 80 Prozent der Rückenschmerzen sind unspezifisch. Meist verschwinden die plötzlich einsetzenden Beschwerden von selbst wieder und halten selten länger als sechs Wochen an.

Spezifischer Rückenschmerz

Im Gegensatz dazu werden Rückenschmerzen, die aufgrund einer Erkrankung oder Verformung des Bewegungssystems entstehen, als spezifisch bezeichnet. Ein Beispiel dafür ist eine Rückgratverkrümmung (medizinisch Skoliose genannt), die unter anderem durch eine angeborene Fehlbildung der Wirbelsäule entstehen kann. Ein anderes, sehr bekanntes Beispiel für akute Rückenschmerzen ist der Bandscheibenvorfall.

Bei dieser Art von akuten Rückenschmerzen kann die zugrunde liegende Erkrankung eindeutig als Auslöser festgestellt werden. Bei Verformungen oder Veränderungen der Wirbelsäule können hierfür bildgebende Verfahren eingesetzt werden, aber auch andere Diagnosemöglichkeiten bieten Rückschlüsse auf die Ursache der Rückenbeschwerden.

Für die Therapie von spezifischen Ursachen ist es nötig, direkt bei der ursächlichen Erkrankung anzusetzen, denn im Gegensatz zu unspezifischen Rückenschmerzen verschwinden diese nicht von selbst.

Für chronische und akute Rückenschmerz gilt: aktiv werden

Schonung ist genau das Falsche. Dadurch, dass wir bestimmte Bewegungen vermeiden wollen, geraten wir in eine Schonhaltung, die wiederum andere Muskeln überlastet. Dies führt dann zu weiteren und stärkeren Verspannungen, die wiederum weitere Schmerzen zur Folge haben.

Um den Teufelskreis zu durchbrechen, muss man aktiv werden. Man darf sich nicht vom Schmerz leiten lassen, sondern muss wieder das Kommando über seinen Körper übernehmen. Das heißt in erster Linie: Bewegung, Laufen, Sport treiben, Muskeln aufbauen ist nun die Devise.

Eine längere Bettruhe oder Schonung dagegen, so haben Studien gezeigt, verstärkt das Ungleichgewicht zwischen den verspannten und nicht verspannten Muskeln nur weiter und trägt nicht zur Verbesserung der Beschwerden bei.

In jeder Hinsicht auf den Rücken Acht geben

Zu Muskelverspannungen führen Haltungsfehler, einseitige Belastungen, Bewegungsmangel und Übergewicht.
Eine überwiegend sitzende Tätigkeit ohne entsprechenden Ausgleich kann also ebenso schädlich sein wie das Heben oder Tragen von Lasten mit gebeugtem Rücken. Denn dies bedeutet Schwerstarbeit für den Rücken und überlastet einzelne Muskelpartien. In Rückenschulen erlernt man, wie man richtig hebt. Auch im Berufsalltag kann man den Rücken entlasten, indem man beispielsweise in Pausen gezielte Übungen macht und zwischendurch immer wieder aufsteht, Treppen läuft und persönlich ins Büro des Kollegen geht, anstatt zum Telefon zu greifen.

Auch Stress und seelische Belastungen, beispielsweise durch familiäre oder berufliche Probleme, führen zur inneren Anspannung. Da Stress uns in ständige Alarmbereitschaft versetzt, spüren wir dies auch körperlich: durch die Verspannung der Muskulatur.
All dies gilt es, zum Wohl des Rückens zu vermeiden. Einen besseren Umgang mit Stress kann man zum Beispiel in einem Entspannungskurs oder durch ein psychologisches Training erlernen.
Da die Beschwerden sowohl körperlich, als auch aufgrund psychosozialer Faktoren entstehen, ist es wichtig, alle Auslöser zu behandeln. Man nennt diesen Ansatz daher auch multimodale Therapie. Sie ist der derzeitige Goldstandard (das ist die bestmögliche Art der Behandlung) für Patienten mit Rückenschmerzen. Arbeitet der Patient an seinen individuellen Auslösern, kann er verhindern, dass die Rückenschmerzen wiederkehren und womöglich chronisch werden.