Polyneuropathie nach Chemo: Nervenschäden durch Krebs-Therapie

Eigentlich ist es die Aufgabe der Chemo-Therapie zu heilen. Dank ihr lässt sich der Krebs in Schach halten und bekämpfen, das Leben der betroffenen Patienten meist verlängern. Um das zu erreichen, ist in der Krebs-Therapie jedoch der Einsatz starker Medikamente vonnöten – und die haben Nebenwirkungen: Einige Patienten klagen über eine Polyneuropathie nach ihrer Chemo. Doch worum handelt es sich dabei genau? Und wie können die Nervenschäden überhaupt entstehen?

Frau leidet unter Neuropathie nach einer Chemotherapie

Polyneuropathie und Chemo – wo liegt der Zusammenhang?

Bei einer Polyneuropathie ist es zu Schädigungen an mehreren peripheren Nerven gekommen. Das bedeutet, dass Nerven, die nicht direkt zu Gehirn oder Rückenmark gehören, in solchem Ausmaß zu Schaden gekommen sind, dass sie ihre Aufgaben – wie die Weiterleitung von Befehlen zur Bewegung an die Muskeln oder die Weitergabe von Empfindungen ans Gehirn – nicht mehr vollständig oder sogar überhaupt nicht mehr erfüllen können. Wird die Diagnose „Polyneuropathie“ früh gestellt, stehen die Chancen jedoch gut, dass sie geheilt oder zumindest gelindert werden kann.
Als Auslöser solcher Nervenschäden kommen viele Faktoren infrage. Unter anderem zählt die Polyneuropathie nach einer Chemo zu den möglichen Nebenwirkungen der Behandlung.

Chemo-Therapie – was ist das?

Um eine Krebs-Erkrankung zu bekämpfen, besteht nicht nur die Möglichkeit der Strahlentherapie oder Operation – oftmals wird auch mittels chemischer Substanzen therapiert. Diese sogenannte Chemo zielt darauf ab, die Krebszellen an der Vermehrung hindern. Allerdings ist sie für den Betroffenen oftmals auch mit starken Nebenwirkungen verbunden. Viele Patienten haben mit Haarausfall, erhöhter Infektanfälligkeit, Übelkeit, Verdauungsstörungen, Erschöpfung und weiteren Begleiterscheinungen der Chemo zu kämpfen.

Weil die Chemo-Therapie in ihrer Wirkung nicht nur auf die Krebszellen beschränkt ist, sondern alle Zellen im Körper beeinträchtigt, die schnell wachsen oder sich mit hoher Geschwindigkeit regenerieren, nimmt sie auch Einfluss auf das Nervensystem. Besonders häufig leiden Betroffene nach der Chemo an einer Polyneuropathie der Nerven in Händen und Füßen.

Die Symptome einer Polyneuropathie nach der Chemo

Im Körper übernehmen die Nerven zahllose, essentielle Funktionen. Sie leiten Informationen aller Art von Gehirn und Rückenmark in jeden Bereich des Körpers und geben umgekehrt alle Reize aus der Körperperipherie ans zentrale Nervensystem weiter. Bestehen in diesem Bereich Schäden, wie es bei einer Polyneuropathie nach der Chemo der Fall sein kann, hat das weitreichende Auswirkungen. Unter anderem können folgende Symptome auftreten:

  • Störungen des Gehörs
  • Muskelschwäche
  • Muskelzucken oder Muskelkrämpfe
  • Überempfindlichkeit auf Reize
  • Brennen und/oder Kribbeln auf der Haut
  • Taubheitsgefühle
  • Empfindungsstörungen
  • Unterscheidung zwischen Kälte und Wärme kaum noch oder gar nicht mehr möglich
  • Gleichgewichtsstörungen
  • häufige Stürze
  • starke Schmerzen zu Beginn
  • im weiteren Verlauf nimmt das Schmerzempfinden in den betroffenen Bereichen ab
Sie möchten mehr zu den Symptomen einer Polyneuropathie erfahren? Informieren Sie sich in unserem Text zum Thema!

Die Schwere der Symptome ist dabei vor allem abhängig von der Dosierung der Chemo-Medikamente. Schreiten die Nervenschäden weiter voran, ist das für den Betroffenen nicht nur eine große Belastung, sondern auch zunehmend gefährlich – gerade wenn die Polyneuropathie im Bereich der Hände oder Füße auftritt. Ist das Schmerzempfinden in Mitleidenschaft gezogen, kann es unbemerkt zu Verletzungen und Blutungen kommen; die Gefahr, dass sich offene Wunden entzünden, ist deutlich erhöht.
Gerade wenn die Polyneuropathie nach der Chemo die Füße betrifft, ist im Alltag besondere Vorsicht geboten: Die Gangsicherheit ist herabgesetzt und auch die Auslotung des Gleichgewichts fällt zunehmend schwerer. Stürze sind da oftmals programmiert – und können weitere Verletzungen nach sich ziehen.

Polyneuropathie nach Chemo: Behandlung und Verlauf

Bemerken Sie als Krebspatient eine oder mehrere Beschwerden bei sich, die auf eine Polyneuropathie nach der Chemo hindeuten könnten, sollten Sie das unbedingt mit Ihrem Arzt besprechen. Meist kann dieser die angesprochenen Symptome recht schnell den Nebenwirkungen der Chemo-Medikamente zuordnen. Um aber ganz sicher zu gehen, überprüft er den Zustand Ihrer Nerven mittels einiger spezieller Untersuchungsverfahren. Dabei kann er zum Beispiel auf

  • die Überprüfung der Reflexe,
  • Elektromyografie (EMG) zur Untersuchung der Muskelaktivität,
  • Elektroneurografie (ENG) zur Feststellung der Nervenleitgeschwindigkeit,
  • Messungen des Temperatur- und Druckgefühls sowie
  • eine Nervenbiopsie (Gewebeprobe) zurückgreifen.

Hat sich der Verdacht auf eine Polyneuropathie bestätigt, rückt die Behandlung der Beschwerden in den Vordergrund. Die eigentliche Ursache der Nervenschäden lässt sich aktuell kaum therapieren – ist die aggressive Wirkung der chemischen Substanzen bei der Chemo-Therapie doch so wichtig für die Bekämpfung der Krebszellen.
Daher richtet sich die Therapie der Polyneuropathie nach einer Chemo in der Regel nur gegen die Symptome, die sie hervorruft. Zur Verfügung stehen unter anderem:

  • spezielle Medikamente gegen bestehende Schmerzen
  • Elektrotherapie zur Stimulation der Nerven
  • Physiotherapie, um alle Funktionen so gut wie möglich zu erhalten
  • Vorbeugung von Verletzungen, zum Beispiel durch regelmäßige Hand- und Fußpflege sowie Gangschulungen
  • Massagen, um die Durchblutung der Muskeln zu erhöhen

Die gute Nachricht: In vielen Fällen bildet sich eine Polyneuropathie nach einer Chemo allmählich von selbst wieder zurück, wenn die Behandlung abgeschlossen ist. Wichtig ist dabei vor allem der rechtzeitige Beginn der Therapie.