Autoimmunerkrankungen können Nervenschädigungen hervorrufen

Frau fühle sich aufgrund einer Autoimmunerkrankung schwach
Ein allgemeines Schwächegefühl, ausgelöst von einer Autoimmunerkrankung, geht oft einher mit einer Schädigung der Nerven.

Bei einer Autoimmunerkrankung liegt eine Fehlfunktion des Immunsystems vor. Dieses erkennt nicht nur eingedrungene Krankheitserreger und bekämpft diese, sondern richtet sich fälschlicherweise auch gegen den eigenen Körper. Typische Beispiele für Autoimmunerkrankungen sind Diabetes Typ1, Morbus Crohn und Hypothyreose (= Schilddrüsenunterfunktion). Autoimmunerkrankungen können auch die Ursache für Nervenschädigungen sein und gravierende Symptome hervorrufen.

Definition Autoimmunerkrankung

Mit dem Begriff „Autoimmunerkrankung“ wird in der Medizin eine Gruppe von Krankheiten zusammengefasst, die auf einer Fehlfunktion des Immunsystems beruhen. Die eigentliche Aufgabe des Immunsystems ist es, eingedrungene Erreger als „fremd“ zu markieren und anschließend unschädlich zu machen. Solche Erreger können Viren oder Bakterien sein, die uns krank machen, zum Beispiel Erkältungsviren oder schädliche Darmbakterien.

Bei einer Autoimmunreaktion kann das Immunsystem nicht mehr sauber trennen zwischen „körpereigen“ und „fremd“ und richtet seine Waffen damit auch gegen körpereigene Strukturen. Im Fall von Diabetes Typ1 sind dies die Langerhans’schen Zellen der Bauchspeicheldrüse, bei Morbus Crohn wird die Darmschleimhaut angegriffen und im Falle von Hypothyreose wird die Schilddrüse zerstört. Rein physiologisch betrachtet, macht dies natürlich keinen Sinn.

Warum das Immunsystem sich allerdings plötzlich gegen körpereigene Stoffe richtet, ist unklar – vermutet wird ein Zusammenhang mit Umweltfaktoren, manche Wissenschaftler sprechen allerdings auch von einer möglichen Vererbung von Autoimmunkrankheiten.

Autoimmunerkrankungen als Auslöser von Nervenschädigungen

Guillain-Barré-Syndrom und chronische inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie:

Autoimmunerkrankungen können auch ein Auslöser für Nervenschädigungen sein. Ist das autonome Nervensystem aufgrund von Entzündungsreaktionen davon betroffen, leiden die Patienten unter dem sogenannten Guillain-Barré-Syndrom (GBS). Die Ursache für diese Erkrankung liegt vermutlich darin, dass das Immunsystem nach der Bekämpfung einer Virusinfektion, zum Beispiel durch Erkältungsviren, nicht richtig abgeschaltet wird und körpereigene Strukturen angreift.

Ob dies die tatsächliche Ursache ist, konnte allerdings noch nicht endgültig geklärt werden. Beim GBS werden periphere Nerven vom Immunsystem angegriffen und zerstört. Dies kann zu folgenden, teils schwerwiegenden Symptomen führen:

  • Allgemeines Schwächegefühl
  • Potenzstörungen
  • Lähmungen der Bein-, Arm- oder Nackenmuskulatur
  • Atemprobleme aufgrund von Lähmungserscheinungen der Atemmuskulatur

Lähmungserscheinungen sind auch Symptome der chronischen inflammatorischen demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP). Diese tritt ebenfalls meist nach Infektionskrankheiten auf, beispielsweise nach einer Hepatitis-Erkrankung (Hepatitis B und C), oder als Begleiterkrankung bei HIV-positiven Patienten. Bei der CIDP greift das Immunsystem fälschlicherweise die Myelinscheide an und baut diese ab, was zu einer gestörten Reizweiterleitung führt.

Autoimmunerkrankung: Multiple Sklerose

Rollstuhlfahrer
Teilweise sind Patienten mit MS auf den Rollstuhl angewiesen.

Auch Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung, die sich gegen das Nervensystem richtet. In diesem Fall sind sowohl das periphere Nervensystem, als auch das zentrale Nervensystem betroffen. Das Immunsystem greift die Myelinscheide an, die die Axone umgibt, und nimmt so Einfluss auf die Reizweiterleitung. MS kann vielfältige Symptome auslösen – von Bewegungsstörungen bis hin zu Empfindungs- oder Wahrnehmungsstörungen.
Am häufigsten erkranken junge Erwachsene an MS. Die Krankheit kann mit Hilfe von Medikamenten und Cortison-Präparaten gut behandelt werden, ist allerdings derzeit nicht heilbar.

Autoimmunerkrankung: Neurosarkoidose

Bei Patienten, die an einer Neurosarkoidose erkrankt sind, bilden sich kleine Gewebeknötchen, die sogenannten Granulome, im Nervengewebe. Das Immunsystem verstärkt die Immunantwort und richtet diese auch gegen das körpereigene Nervengewebe. Die Granulome können Druck auf die Nerven ausüben und diese so in ihrer Funktionalität einschränken. Entsprechend vielfältig sind daher auch die Symptome einer Neurosarkoidose: Diese reichen von Bewegungseinschränkungen bis hin zu Lähmungen und Empfindungsstörungen.